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Dem Verfall überlassen

Disput Dem Heimatverein Donnstetten droht der Auszug aus der alten Pfarrscheuer. Hintergrund ist ein Streit über den Sanierungsstau und einen Vertrag. Von Nicole Wieden

Die alte Pfarrscheuer schlummert seit Jahren in einem Dornröschenschlaf. Die Zukunft des Heimatmuseums ist ungewiss.Foto: Thomas
Die alte Pfarrscheuer schlummert seit Jahren in einem Dornröschenschlaf. Die Zukunft des Heimatmuseums ist ungewiss.Foto: Thomas Kiel

Eine unkomplizierte Angelegenheit hätte es eigentlich werden sollen, als Donnstettens Heimatverein vor fünf Jahren mit Farbe und Pinsel zur alten Pfarrscheuer anrückte. Zum Schutz vor Feuchtigkeit sollte das Fachwerk aus dem 17. Jahrhundert einen neuen Anstrich bekommen, wobei Vereinskassierer Helmut Schill an diesem Tag feststellen musste, dass diese schon längst eingedrungen war. Von außen scheinbar intakt, waren die Balken im Innern morsch.

Den Weg, den Schill noch am selben Tag einschlug, sollte er mangels Konfliktlösung noch viele Male antreten: Er kontaktierte die evangelische Kirchengemeinde Donnstetten-Westerheim, die Eigentümerin der Pfarrscheuer. Bis heute pocht der Heimatverein, der das Gebäude in den 80ern einst aufwendig sanierte, auf Reparaturarbeiten an der Fassade. Die Evangelische Kirche indes möchte für das Gebäude keine weiteren Mittel aufbringen. So schlummert das denkmalgeschützte Häusle - zwar nicht einsturzgefährdet, aber in lädierter Gestalt - seit drei Jahren umschlungen von einer Plane im Dornröschenschlaf.

„Der Oberkirchenrat stellt uns Mittel zur Verfügung, um kirchlicher Arbeit nachzugehen, aber nicht, um das Heimatmuseum zu sanieren“, erklärt Donnstettens Pfarrerin Annedore Hohensteiner. „Kirchensteuern sind Mittel, die uns von unseren Mitgliedern anvertraut werden und die wir nicht einfach anderweitig ausgeben können.“ Weil die Pfarrscheuer als Stätte des Museums nicht für kirchliche Zwecke genutzt wird, besteht für die Kirche keine Veranlassung zu großen Investitionen: „Klar kann man sagen, dass Eigentum verpflichtet. Aber wenn Sie in einem großen Haus wohnen und an vielen Ecken renoviert werden muss, müssen Sie auch mal Grenzen ziehen“, so Hohensteiner. In der Vergangenheit hat sich bei Reparaturarbeiten Donnstettens Heimatverein ehrenamtlich engagiert, während die Kirchengemeinde die Material­kosten beglich. Donnstettens Heimatmuseum findet sich unter der Bezeichnung „Westerheimerstraße 3 und 5“ auf der Liste der baden-württembergischen Kulturdenkmäler wieder. Als Eigentümerin ist die Kirche damit „im Rahmen des Zumutbaren“ verpflichtet, das Gebäude in seinem Originalzustand zu erhalten. Ein Gutachten im Auftrag der Kirche hatte im Jahr 2017 einen Schaden über 150 000 Euro ­be­scheinigt.

2018 entschloss sich die Kirche, die Scheuer unter einer wasserabweisenden Plane vor weiteren Schäden zu schützen. Darüber hinaus bestehen jedoch keine Pläne, sich dem Gebäude in Zukunft weiter anzunehmen. Das Denkmalamt gibt sich mit dem Provisorium gegenwärtig zufrieden, den Heimatverein treibt dagegen die Nervosität um. Er befürchtet, dass die Kirche beharrlich auf den Zahn der Zeit setzten könnte, denn: „Soweit Substanzschäden besonders gravierend wären, würde ein Abdecken voraussichtlich nicht mehr genügen. Allerdings könnte sich im Gegenzug dann auch bereits die Frage der Unzumutbarkeit stellen, wenn die Kos­ten des Erhalts nicht mehr durch den Betrieb nebst Zuschüssen zu erreichen wären“, so die Pressereferentin des RP Stuttgart, Josephine Palatzky.

Wie viel der Evangelischen Kirche augenblicklich an Sanierungsaufwand zugemutet werden kann, ist eine strittige Frage: „Es gilt der Grundsatz, dass sich ein Denkmal selbst tragen muss. Bei Bauwerken, die einer klassisch wirtschaftlichen Nutzung nicht zugänglich sind, ist dies besonders komplex“, lässt Palatzky wissen. Eine abschließende Auskunft behalten sich RP und Denkmalamt vor.

Zwischen Heimatverein und Kirchengemeinde hat sich in schriftlicher Form ein dauerhaftes und zugleich zähes Hin und Her entwickelt. Zwar ist die Kirche bereit, die Scheuer für einen Obolus abzutreten, nicht aber in Verbindung mit weiteren Investitionen.Der Heimatverein hingegen besteht angesichts des Sanierungsstaus auf ein Entgegenkommen. Sollte die Übernahme bis zum Ende des Jahres nicht geglückt sein, muss er eine neue Bleibe finden. Bereits im Dezember 2020 ist der Vertrag zwischen Kirche und Verein ausgelaufen, der letzterem die mietfreie Nutzung erlaubte. Ein Umzug ist inzwischen nicht mehr ausgeschlossen.

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