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Demonstranten fordern Luftbrücke

Kundgebung Hüseyin Sahin, Bundestagskandidat der Linken, machte auf dem Kirchheimer Marktplatz auf die aktuelle Gefahrenlage für gefährdete Personen in Afghanistan aufmerksam. Von Iris Häfner

Mit Transparenten machten Demonstranten auf die Situation in Afghanistan aufmerksam. Foto: Jean-Luc Jacques
Mit Transparenten machten Demonstranten auf die Situation in Afghanistan aufmerksam. Foto: Jean-Luc Jacques

Das Grüppchen war überschaubar, das sich nach einem recht spontanen Aufruf von der Partei „Die Linke“ am Dienstagabend am Kirchheimer Marktbrunnen versammelt hat. Am Vormittag hatte Hüseyin Sahin, Bundestagskandidat der Linken, zu der Demonstration aufgerufen. Sie stand unter dem Titel „Stand with Afghanistan - Kundgebung für die sofortige Evakuierung gefährdeter Personen“.

„Das ist eine spontane Aktion. Wir wollen damit auf die aktuelle Situation in Afghanistan aufmerksam machen. Die schrecklichen Bilder vom Flughafen haben uns alle geschockt“, sagte Hüseyin Sahin. Unzählige Menschen waren auf das Rollfeld des Flughafens in Kabul gekommen und haben sich an Flugzeuge geklammert. „Wie groß muss die Verzweiflung der Menschen sein, dass sie lieber einen todesbringenden Sturz vom fliegenden Flugzeug in Kauf nehmen, anstatt den Taliban ausgeliefert zu sein“, erklärte der Jungpolitiker.

Die Regierung lasse die Menschen im Stich, die im Sinne der Demokratie das Land mit aufbauen halfen. Nur zwei Tage hätten die Taliban gebraucht, um das zu zerstören und zurückzuerobern, was in 20 Jahren mühsam aufgebaut worden war. „Frauen verschwinden aus der Öffentlichkeit, Bilder von ihnen in der Öffentlichkeit werden übermalt, es herrscht Musikverbot. Die Welt schaut zu und überlässt die Menschen ihrem Schicksal. Diese Situation ist unerträglich“, so Hüseyin Sahin. Er prangerte das Versagen der politischen Führung an und forderte eine Luftbrücke für diejenigen, die Hilfe benötigen - insbesondere für die Angestellten des Auswärtigen Amts, die nun Schlimmstes befürchten müssen. „Diese Menschen müssen wir hierher holen und so ihr Leben retten.“

„Ich kann doch nicht nichts machen“, sagte die parteilose Joanna Weichelt, die zusammen mit Hüseyin Sahin die Aktion spontan ins Leben gerufen hat. Sie wollte lieber einen kleinen Schritt tun, damit sich in der Politik etwas ändert, auch wenn sie sich bewusst ist, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Die deutsche Regierung habe keine Menschlichkeit gezeigt, ebenso wenig die in den USA, Großbritannien und Pakistan. „Frauenrechtlerinnen müssen vor dem sicheren Tod bewahrt werden. Deutschland und die EU müssen jetzt handeln, um die Menschen in Afghanistan zu retten“, forderte sie. Der weiße Imperialismus und Kolonialismus habe endgültig ausgedient.

Die Polizei war mit zwei Autos und vier Beamten vor Ort. Es war ein entspannter Einsatz für sämtliche Beteiligte. Die Lautsprecherbox, die Stadtrat Heinrich Brinker im Fahrrad-Anhänger mitbrachte, war schnell aufgebaut und ebenso wieder eingepackt. So friedlich, wie die Teilnehmer gekommen waren, gingen sie auch wieder nach dem einen oder anderen Plausch auseinander.

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