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Den Behörden ist das Elterntaxi ein Dorn im Auge

Realschulrektor Clemens Großmann: „Wenn es das große Tor am Schulhof nicht gäbe, würden manche Eltern mit ihrem Kind am liebsten bis vor das Klassenzimmer fahren. Es gibt aber in der Tat sehr vernünftige Eltern, die ihre Kinder den Schulweg alleine meistern lassen.“ Die Taxidienste sind nicht gern gesehen und das zu Recht, wie der Schulleiter der Freihof-Realschule präzisiert: „Diese Eltern verursachen zusätzliche Gefahren für die anderen Kinder, weil sie meist in Eile ihre Kinder mitten auf der Straße aussteigen lassen oder bis vor das Tor fahren und so die Zufahrt für Fußgänger und Radfahrer blockieren. Durch plötzlich aufgerissene Autotüren werden vorbeiradelnde Kinder gefährdet.“ Wichtige Tugenden werden gar unterbunden, wie Großmann vermutet: „Die Kinder werden zur Unselbstständigkeit erzogen. Eltern unterbinden mit diesem Fahrservice, dass sich Kinder auf dem Schulweg über Dinge austauschen, die dann erst in der Schule besprochen werden können.“ Dass dabei der Gesundheitsaspekt mitspielt, ignorieren vermutliche viele. Großmann dazu: „Die Kinder sind weniger abgehärtet, weil sie nie bei schlechtem Wetter unterwegs sind.“ Kirchheims Schulen sprechen durchaus mit den sogenannten Helikopter-Eltern, wie Clemens Großmann bestätigt: „Ich denke, alle Schulen weisen immer wieder daraufhin, dass es für Kinder gut ist, wenn sie morgens an der frischen Luft ihren Schulweg antreten.“ Für die Schüler ergeben sich durch den Weg keine Nachteile, erklärt der Rektor: „Kein Kind nimmt Schaden, wenn es mal nass wird.“

Ordnungsamtsleiter Marcus Deger sieht in den Helikopter-Eltern ein generelles Problem der Schulen in der Stadt. Allerdings sticht ihm zufolge die Freihof-Realschule he­raus, weil dort viele zur Schule gehen. Das Helikopterverhalten beobachtet der Ordnungsamtsleiter seit Längerem. „Den Kindern wird dadurch jegliche Verantwortung genommen. Die Kinder sollen doch lernen, wie man sich auf dem Schulweg und im Verkehr verhält.“ Die Schulwege würden durch die Stadtverwaltung so ausgewählt werden, dass sie sicher seien. „Manchmal sind es nicht die kürzesten Wege, weil man Gefahrenstellen umgeht, aber Sicherheit geht vor.“ Immer wieder, insbesondere zum Schulbeginn, sind die Behörden bei den Schulen vor Ort und sprechen Eltern auf das Helikopterverhalten an. „Nur selten stoßen wir dabei auf Verständnis und es wird schlimmer. Früher wurden die Kinder aufs Fahrrad gesetzt, heute würden die Eltern ihre Kinder am liebsten selbst auf den Stuhl im Klassenzimmer setzen. Das geht zu weit!“ Das Ordnungsamt hat verschiedenen Möglichkeiten, um die Verkehrsregeln durchzusetzen. Doch: „Wenn wir vor Ort sind und die Eltern aufklären oder gar Verwarnungen aussprechen, hält dies zwar ein paar Wochen, danach beginnt es von Neuem.“ Der Kontakt mit den Schulen wird gepflegt, damit zum Beispiel an Elternabenden darauf hingewiesen wird, dass das Taxi Mama unerwünscht ist. „Kinder, die im Straßenverkehr ungeübt sind, stellen für sich eine große Gefahr dar. Die Eltern wollen ihre Kinder beschützen, schaffen aber die gefährlichen Situation selbst.“ Thomas Krytzner


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