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Der Abriss des Adlers rückt näher

Städteplanung Manfred Mezger bringt den Owener Gemeinderat beim Bauprojekt in der Ortsmitte auf den neuesten Stand. Er kritisiert die Behörden, die hohe Hürden aufgebaut haben. Von Iris Häfner

Noch steht der Adler, sein Abriss ist für Anfang nächsten Jahres geplant. Foto: Carsten Riedl
Noch steht der Adler, sein Abriss ist für Anfang nächsten Jahres geplant. Foto: Carsten Riedl

Nur scheinbar ruht der Adler in Owen im Dornröschenschlaf. Der Abbruch des ortsbildprägenden Gebäudes ist längst beschlossene Sache. Vier neue Gebäude sollen auf dem Areal direkt an der Kreuzung entstehen, der Investor stellte die Planung bereits vor knapp zwei Jahren in der Bernhardskapelle vor. Über die Verzögerung ist niemand glücklich. Stadtplaner Manfred Mezger vom Büro „mquadrat“ fand teilweise deutliche Worte. Vonseiten der Träger öffentlicher Belange wurden aus seiner Sicht unnötige Hürden aufgebaut. „Entweder stellt man Innenentwicklung vor Außenentwicklung oder nicht“, kritisierte er die aus seiner Sicht teilweise überzogenen Forderungen der Behörden und sagte weiter: „Wir nutzen hier vorhandene Infrastruktur, ersetzen Altes durch neue, verdichtete Bauten und schonen so die Natur und den Außenbereich - das ist nichts anderes als Nachnutzung.“ Es wird deutlich mehr Wohnraum geschaffen.

Der Adler ist städtebaulich dominant im Ort, dessen sind sich sowohl Planer als auch Investor bewusst. „Man biegt am Adler ab“, verdeutlichte der Planer die Bedeutung dieser Landmarke. Die neuen Klinker-Gebäude nehmen diesen Platz künftig ein.

„Fast zwei Jahre lang haben wir gekämpft. Das ist ein vorhabenbezogener Bebauungsplan, es geht nur um ein ganz konkretes Vorhaben, also um diese vier Gebäude - sonst um nichts“, erläuterte er. Wenn etwa vom Wasserwirtschaftsamt ein Gewässerrandstreifen von fünf Metern an der Lauter gefordert wird, sei das nicht innerhalb des Geltungsbereichs, weil es nicht im Bebauungsplan drinsteht und deshalb auch kein Teil davon ist. „Der Rückbau der Mauer und Renaturierungsmaßnahmen sind zwar wünschenswert, aber völlig unabhängig von diesem Bebauungsplan“, so Manfred Mezger.

Seitenweise meldete sich das Landratsamt Esslingen zu Wort. „Das ist keine Stellungnahme von der Stange“, wunderte er sich über die ein oder andere Ausführung vonseiten der Ämter. Auch wenn Manfred Mezger nicht auf jede Stellungnahme einzeln ein­ging, einige Passagen nahm er sich dann doch genauer vor. So hat aus seiner Sicht die Gewerbeaufsicht Hürden aufgebaut. „Natürlich brummt‘s an dieser Stelle“, sagte er bezüglich des Kreuzungsbereichs von B 465 und L 1210 nach Beuren. Deshalb entschied sich der Investor für gewisse Außenbauteile, die entsprechend dimensioniert sind. Fenster und Wände sorgen für Schallschutz. „Wenn wir das nicht so machen, kann dort niemand wohnen“, so der Planer. Die Fassade ist „eher schallschluckend ausgestaltet“, sodass die Nachbarn nicht mit mehr Lärm rechnen müssten. Aus Lärmschutzgründen sind auch nicht überall Wohnungen geplant, sondern Gewerbe. „Für gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse ist gesorgt“, verspricht der Planer.

Die Verkehrslage hat es in sich. Der Kreuzungsbereich kann durch die neuen Eigentumsverhältnisse entschärft werden, denn der Investor ist bereit, Flächen abzugeben. Die Aus- beziehungsweise Einfahrt der Tiefgarage wäre an der tiefsten Stelle Fläche zwar ideal, die ist jedoch zu nah am Abzweig nach Beuren. Deshalb wird sie am höchsten Punkt der Baufläche in die Bundesstraße münden.

Die vier Gebäude mit steilem Satteldach bilden einen Innenhof, einen privat-öffentlichen Bereich. Sie haben zwei Vollgeschosse plus einen Kniestock. Wenn jetzt alles nach Plan läuft, wird der Adler Anfang nächsten Jahres abgerissen.

Owen springt für den Bund ein und plant die Adler-Kreuzung

„Viele im Ort haben sich gefragt: Warum dauert das so lange? Es war ein langer Abstimmungprozess. Wir waren intensiv im Gespräch mit dem Investor“, sagte Bürgermeisterin Verena Grötzinger. Als Beispiel nannte sie die Maßnahmen für die Uferrenaturierung mit den artenschutzrechtlichen Untersuchungen. „Die sind nur zu bestimmten Zeiten möglich“, sagte sie. Die Renaturierung der Mauer ist aus ihrer Sicht eine Aufwertung - ob sie aber mit Kosten von einer halben Millionen Euro wirtschaftlich ist, sei die Frage.

Weil ein Kreisverkehr aus Platzgründen nicht möglich ist, gibt es künftig eine Linksabbiegespur. „Die Fläche dafür ist gesichert und der Bund will die Finanzmittel für die Jahre 2022/2023 bereitstellen. „Aber mangels Personal kann er die Planung nicht übernehmen. Die Maßnahme ist aber notwendig und wichtig, deshalb springen wir für den Bund ein“, sagte Verena Grötzinger. ih

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