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Der Medaillenschmied macht Schluss

Inline Alpin Nationaltrainer Emil Schmohl aus Oberboihingen hat die erfolgreichste Ära in Deutschland geprägt.

Oberboihingen. Der Name Schmohl genießt in Inline-Alpin-Kreisen einen exzellenten Ruf - vor allem wegen Manuela Schmohl, der Rennläuferin des SC Unterensingen, die bereits fünf Weltmeistertitel gehamstert hat. Großen Anteil daran hat ihr Vater Emil. Mit Unterbrechung war er elf Jahre Nationaltrainer. Seit Jahresende ist damit Schluss, Schmohl geht in den „Ruhestand“.

Seiner Tochter zuliebe hatte der gelernte Metzger, der viele Jahre als Finanzberater tätig war, Entbehrungen in Kauf genommen und Opfer gebracht. Als Quereinsteiger hat Schmohl die erfolgreichste Ära im deutschen Inline-Alpin-Sport geprägt. Und er hat den SC Unterensingen zusammen mit anderen Vereinsfunktionären zu einer Top-Adresse in der Inline-Szene gemacht.

Erste Berührungen mit dem Inline-Rennsport gab es für Schmohl, der seit 1991 Skilehrer beim SC Unterensingen war, 2002. Bei einem Lauf zum Baden-Württemberg-Cup in Unterensingen schnupperten Vater und Tochter Schmohl erstmals in die Asphalt-Variante der alpinen Sportler rein. Wie sich alsbald herausstellen sollte, ein Glücksmoment für den Deutschen Rollsport- und Inline-Verband (DRIV). Denn der Funke ist sofort übergesprungen. Drei Jahre später klopfte der DRIV an und Emil Schmohl wurde zum deutschen Inline-Alpin-Nationaltrainer berufen.

Ende 2010 beendete Emil Schmohl sein Engagement als Nationaltrainer. Wenige Monate nach der Weltmeisterschaft in der Unterensinger Ortsmitte 2016 fand an gleicher Stelle zum zweiten Mal eine WM unter Federführung des SCU und dessen Hauptorganisator Schmohl statt. „Wenn man so etwas erleben darf, hat man Glück im Leben“, blickt der 69-Jährige auf die beiden Großereignisse zurück, die er als absolute Höhepunkte in seiner Trainerlaufbahn bezeichnet. „Es gibt nirgends auf der Welt eine so tolle Strecke mit so tollen Zuschauern wie in Unterensingen.“

Schmohl war zwar nicht mehr für den Nationalkader verantwortlich, gleichwohl kümmerte er sich weiter um eine Trainingsgruppe mit zwölf bis 15 Topfahrerinnen und -fahrern, die er regelmäßig beim Minigolfplatz in Unterensingen versammelte. Als die deutschen Inliner bei der WM 2014 leer ausgingen, bewegten die DRIV-Funktionäre den Oberboihinger zu einer Rückkehr auf den Nationaltrainerposten.

Von da an ging es wieder bergauf und die deutschen alpinen Inline-Sportler eroberten sich mit großem Abstand die Spitzenpositionen auf internationaler Ebene. „Wir sind die Nummer eins im alpinen Inline-Bereich und liegen im Medaillenspiegel immer mit großem Vorsprung vorn“, freut sich Emil Schmohl.

Viel wichtiger ist ihm jedoch die soziale Komponente. „Jeder Cent ist gut investiert“, sagt er, „weil die Sportler so viel fürs Leben lernen.“

Trotz aller Begeisterung zieht Emil Schmohl jetzt einen Schlussstrich. „Mit 70 will ich nicht mehr an der Strecke stehen“, hat er sich vorgenommen. Am 9. Februar feiert er seinen runden Geburtstag, dann hat bereits sein Nachfolger das Sagen. Peter Schödlbauer aus Bad Kötzting hat am 1. Januar Schmohls Posten übernommen. Seit 2016 hat er ihn eingearbeitet. „Er macht es richtig gut“, lobt Schmohl den neuen Kommandogeber, „ich kann ruhigen Gewissens aufhören.“

Rückendeckung der Familie

Ob es auch tatsächlich so kommen wird? Schmohl hat dem Wunsch Schödlbauers entsprochen, ihm weiter beratend zur Seite zu stehen. Obendrein existiert die „Trainingsgruppe Schmohl“ nach wie vor. „Zumindest so lange, wie Manuela fährt“, schmunzelt Emil Schmohl. Und dann ist da ja auch noch seine Frau Beate, die ihm in all den Jahren den Rücken freigehalten und ihm in vielerlei Hinsicht organisatorische Aufgaben abgenommen hat - Unterkünfte suchen, Zimmer und Trainingslager buchen, Verpflegung organisieren oder Kostenabrechnungen erstellen. „Ohne sie wäre das alles nicht denkbar gewesen“, weiß der scheidende Nationalcoach, „ohne Rückendeckung von der Familie gehst du unter.“ Uwe Bauer

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