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Der persönliche Austausch fehlt am meisten

Fortbildung Das neue Programm der FBS ist ab sofort und ausschließlich online – wegen Corona allerdings mit Einschränkungen und Unwägbarkeiten. Von Günter Kahlert

Der Mutter-Kind-Bereich ist einer der Schwerpunkte im neuen FBS-Programm. Archivfoto: Günter Kahlert
Der Mutter-Kind-Bereich ist einer der Schwerpunkte im neuen FBS-Programm. Archivfoto: Günter Kahlert

Eigentlich ist alles ganz normal. Die Familien-Bildungsstätte (FBS) veröffentlicht ihr neues Programm für die nächsten Monate, Anmeldungen sind ab sofort möglich - und so weiter. Aber seit einem Jahr ist auch in der beliebten Kirchheimer Bildungs­institution nichts mehr normal. Das C-Wort schwebt über allem. Corona prägt sämtliche Planungen wie in fast allen gesellschaftlichen Bereichen. Trotzdem: Das Programm steht seit heute online, losgehen soll es nach den Oster­ferien am Montag, 12. April.

Allerdings ist das Angebot im Umfang reduziert. Viele der gewohnten Kurse werden erst mal nicht angeboten, und auch die mögliche Teilnehmerzahl ist deutlich kleiner. „Wir haben uns im Wesentlichen auf den Bereich Familie, kleine Kinder und Gesundheit konzentriert“, erklärt Andrea Bürker die Zielsetzung. Die pädagogische Leiterin der FBS kennt aus zahlreichen Anrufen und Gesprächen der vergangenen Monate die Nöte von Schwangeren und Eltern mit Kleinst- und Kleinkindern. „Wir durften Geburtsvorbereitungskurse durchführen, aber nur mit halber Teilnehmerinnen-Zahl“, schildert sie die ­Situation der letzten Monate. Da seien manche Schwangere in dieser Ausnahmesituation ziemlich verzweifelt gewesen, weil sie keinen Platz mehr bekommen hatten.

Was die Frauen auch vermissen, ist der Kontakt zu anderen in der gleichen Lebenssituation. Auch das Treffen ihres Kindes mit anderen kleinen Kindern würden sich viele frischgebackene Mütter wünschen. „Das ist ­eigentlich das Wichtigste in den Mutter-Kind-Kursen“, meint Andrea Bürker. So bietet die FBS eine breite Palette rund um die Förderung von Kindern unterschiedlicher Altersstufen. „Also wir würden uns freuen, wenn wir endlich wieder mehr für die Familien machen könnten.“ Das gilt wohl für beide Seiten. „Gerade bei den Familien merkt man deutlich, wie dankbar sie sind“, ergänzt Kollegin Julika Holzäpfel, die unter anderem den Fachbereich „Gesundheit“ leitet.Sie hat sich auch neben den bisherigen Angeboten für Yoga, Fitness und sonstigen Gesundheits- und Bewegungsprogrammen ein paar Neuheiten einfallen lassen. Dazu gehören „Lu Jong“, ein Bewegungssystem aus der tibetanischen Medizin, „Vinyasa Flow Yoga“ oder auch ein „Stressreduzierendes Gehirnfitnesstraining“. Ansonsten gibt es natürlich noch einige außerhalb dieser Gebiete liegende Kurse wie Basteln, Nähen oder Kochen. Aber wie gesagt - in reduziertem Umfang.

Das alles muss in ein passendes Hygiene-Konzept integriert werden. Erfahrung hat die FBS seit vergangenem Jahr damit. „Wir sind mit dem Meterstab durch sämtliche Räume des Hauses und haben alles vermessen, damit wir die geforderten Mindestabstände garantieren können“, erzählt Julika Holzäpfel. Das limitiert logischerweise auch die Teilnehmerzahl. Dazu kommen Masken, Hand-Desinfektion und Lüften, dann sind die AHA+L-Regeln komplett.

Dass in den Corona-Verordnungen des Landes der Bereich „Familienbildung“ schlichtweg fehlt, hat es nicht einfacher gemacht. „Wir sind immer so vorgegangen, dass wir die jeweils strengsten Regeln aus den unterschiedlichen Bereichen genommen haben“, schildert Andrea Bürker. Man wolle auf der sicheren Seite sein, das habe absolute Priorität. Im Laufe des vergangenen Jahres hat sich bei der FBS eine ganze Menge Know-how in Sachen Online-Kurse angesammelt. Eine Patentlösung ist diese Form nach Ansicht der Macherinnen allerdings nicht. „Wenn es um klassische Bildung geht, haben wir gute Erfahrungen gemacht“, meint Andrea Bürker, „wo es aber um Kontakte und Vernetzung geht, ist eine persönliche Begegnung nicht zu ersetzen.“ Julika Holz­äpfel ergänzt: „Sehr kleine Kinder fangen mit online gar nichts an.“ Sie nennt als Beispiel die Mini-­Clubs, da werde gebastelt, gebacken, gekocht und die Mütter trinken gemeinsam Kaffee. „Das kann man online nicht ersetzen.“ Ab sofort steht das Programm der FBS online im Netz. Eine gedruckte Form wird es dieses Mal nicht geben. „Online können wir sehr schnell reagieren und anpassen, ein gedrucktes Heft wäre im Moment sinnlos“, erläutert der neue FBS-Leiter Jürgen Weiler die Entscheidung. Ob es mit dem Kursstart am 12. April klappt wie geplant, kann im Moment sicher niemand mit Gewissheit sagen. Die FBS jedenfalls steht bereit.

1 Das neue Programm der Fami­lienbildungsstätte ist abrufbar unter www.fbs-kirchheim.de

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