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Der Reiseleiter für die Tasche

Druckwerk Der Kartograf Klaus-Peter Lawall aus Unterensingen erläutert, was eine gute Landkarte ausmacht und warum sie auch in Zeiten der Digitalisierung noch lange nicht ausgedient hat. Von Barbara Gosson

Eine gute Wanderkarte hat auch in Zeiten von Smartphones und GPS ihren berechtigten Platz im Rucksack. Fotos: Symbolbild / Barba
Eine gute Wanderkarte hat auch in Zeiten von Smartphones und GPS ihren berechtigten Platz im Rucksack. Fotos: Symbolbild / Barbara Gosson

Landkarten sind faszinierender Lesestoff, die Weltreise des kleinen Mannes. Aber braucht man sie in Zeiten von Google Maps überhaupt noch? Selbstverständlich, sagt der Unterensinger Kartograf Klaus-Peter Lawall und erläutert, wie beide Medien funktionieren und einander wunderbar ergänzen können. Auch Lawalls Branche erlebt gerade harte Zeiten. Normalerweise arbeitet er für renommierte Reiseführerverlage. Aber Reisen ist derzeit schwierig, und wer weiß, ob das empfohlene Hotel oder Restaurant die Krise überlebt? Der selbständige Diplom-Ingenieur, der seit 30 Jahren im Geschäft ist, legt die Hände nicht in den Schoß: Im Eigenverlag hat er nun eine Wanderkarte über das Waldgebiet Sauhag veröffentlicht, eine weitere Karte über Nürtingen und Umgebung ist in Arbeit.

Die Kunst der Kartografen besteht darin, Daten grafisch so aufzubereiten, dass der Lesende einen Mehrwert hat, sich in fremden Gefilden zurechtfinden kann, ohne den Überblick zu verlieren. Die Rohdaten in Form von Adresslisten liefert Lawall der Autor des Reiseführers, der vor Ort ist. Er selbst kennt sich zwar in Städten von Ecuador bis Uganda aus, war jedoch persönlich an den wenigsten Orten, von denen er die Karten gefertigt hat.

Die Vorgehensweise ist immer die gleiche, ob die Karte nun den Sauhag zeigt, das ugandische Jinja oder New York. Wobei Lawall bei der Sauhag-Karte natürlich alles aus eigener Anschauung kennt und damit gleichzeitig die Funktion des Autors übernimmt.

„Fürchterliche Kleinstaaterei“

Rund 40 Stunden Arbeit stecken in der Karte. Lawall erläutert an diesem Beispiel, wie er arbeitet. Zunächst gilt es, das Rohmaterial zu besorgen. Hier herrsche bei den Landesvermessungen deutschlandweit „eine fürchterliche Kleinstaaterei“. Zwar gelte die EU-Richtlinie, dass Daten, die von Steuergeldern erstellt wurden, auch kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssten. Doch diese Richtlinie werde von jedem Bundesland anders interpretiert. Also kosten die Daten in Baden-Würt­temberg Geld, in Nordrhein-Westfalen seien sie umsonst. Einmal habe er für eine NRW-Karte ein winziges Stück Hessen benötigt, was gleich 150 Euro gekostet habe. Zusätzlich gibt es auch noch das Bundesamt für Kartografie und Geodäsie, das völlig unabhängig von den Ländern einen eigenen Datensatz erhoben hat. Von diesem hat Lawall seine Sauhag-Daten kostenlos bekommen. Diese Karte ist noch ziemlich „nackt“. Es fehlen beispielsweise die Gewannnamen. Hier kann der Kartograf auf Open Street Map zurückgreifen. Diese Quelle aus dem Internet wird von Ehrenamtlichen erstellt, die regelmäßig mit GPS-Geräten ihre Heimat vermessen.

Der Dienst sei Google Maps überlegen, da er sich auf die Ortskenntnisse Einheimischer verlässt und nicht auf teils veraltete Satellitenbilder, auf denen bereits fertige Bauwerke noch fehlen. Er nennt als Beispiel Jinja. In Uganda gebe es eine sehr lebendige Street-Map-Community, die neueste Datensätze zur Verfügung stellt. Während eine Brücke über eine Bucht des Victoria-Sees bei Google als noch im Bau befindlich angezeigt wurde, war bei Open Street Map schon die Fertigstellung verzeichnet.

Für den Sauhag war kein allzu großer Aufwand nötig. Lawalls Ziel war es, möglichst alle Sehenswürdigkeiten und alle bereits ausgeschilderten Rad- und Wanderwege in die Karte einzupflegen. Da wären die Rundwanderwege des Albvereins oder der Panoramaweg Oberensinger Höhe, den die Unterensinger Selbständigen, deren Mitglied Lawall ist, vor einigen Jahren ausgeschildert haben. Dazu kommen überregionale Routen wie der Jakobsweg oder der Main-Neckar-Rhein-Weg.

Auf eine Wanderroute kann keiner ein Urheberrecht haben, jedoch auf ein Logo dazu. Auch das gelte es bei der Kartenerstellung zu beachten. Der Weg erscheine dann eben ohne Logo. Wer wanderlustig ist, kann die Route bequem zu Hause anschauen und sie mit Hilfe der in der Karte vorhandenen GPS-Daten auf sein Mobilgerät mit Wander-App übertragen. So geht beides Hand in Hand.

Gerade trägt Lawall alle Daten für eine neue Karte von Nürtingen und Umgebung zusammen, auch sie soll im Eigenverlag erscheinen. Sie umfasse alle örtlichen und regionalen Rund- und Wanderwege, inklusive der neuen „Hochgehberge“, soweit sie im Kartenausschnitt liegen. Und die regionalen Radwege sind auch enthalten. So möchte der Kartograf den Menschen Lust darauf machen, ihre Heimat neu zu entdecken.

Am Freitag, 18. September, wird die Sauhag-Karte als Schautafel am Albvereins-Grillplatz mit Unterstützung der Gemeinde Unterensingen aufgestellt und offiziell eingeweiht.

Klaus-Peter Lawall mit seiner Sauhag-Karte.
Klaus-Peter Lawall mit seiner Sauhag-Karte.
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