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„Des isch nix für alte Leit‘!“

Was lange währt, wird endlich gut: 13 Jahre lang hat meine Oma als Witwe regelmäßig auf dem Kirchheimer Waldfriedhof nach dem Rechten gesehen - auf dem Grab, in das sie schließlich auch selbst gebettet wurde. Häufig habe ich sie während dieser Zeit beim Gräbergang begleitet. Das hat vor über 40 Jahren begonnen, als der Waldfriedhof gerade neu angelegt und belegt worden war.

Die ganzen 13 Jahre über hat meine Oma immer wieder gesagt, was sie vom Treppenaufgang von der Straße aus in Richtung Aussegnungshalle hielt - rein gar nichts: „Wie kå mr då bloß solche Stufa nåbaua, die so schief ond schäps send? Des isch doch nix für alte Leit‘!“ Recht hatte sie. Bis heute taugen diese Stufen nichts, zumindest nicht für den Großteil der Friedhofsbesucher - bei denen es sich nun einmal um „alte Leit‘“ handelt.

Was das Design betrifft, mögen diese Stufen ausgefallen sein, vom künstlerischen Standpunkt aus mögen sie ihre Berechtigung haben. Bei Treppen aber, die zum Haupteingang eines Friedhofs führen, ist Kunst am Bau nicht gefragt. Da geht es um reine Praktikabilität. Sie müssen trittsicher sein - gerade für Menschen, die ihrerseits nicht trittsicher sind. Wer auch noch Blumen, Vasen, Hacken oder Besen mitbringt, sollte nicht seine gesamte Aufmerksamkeit ausgerechnet Stufen widmen müssen.

Nun endlich hat auch die Stadt Kirchheim ein Einsehen: Sie will für einen geeigneteren Friedhofszugang sorgen. Das ist mir persönlich eine innere Genugtuung - auch wenn das Grab meiner Großeltern längst schon aufgelöst ist.

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