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Deutsches Vorrecht?

Zum Artikel „Die standhafte Kapitänin“ vom 4. Juli

Was für eine tolle Frau, diese Carola Rackete. Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht noch mit feuchten Augen, als wir zuletzt vor circa 75 Jahren den Italienern ihrem Land zeigen durften, wer das Sagen in Europa hat. Als die deutsche Kapitänin beim illegalen Anlegen im italienischen Lampedusa ein Schiff der italienischen Finanzpolizei mitsamt fünf Besatzungsmitgliedern rammte, hat sie mitunter auch unser deutsches Vorrecht auf die erste Liege am Pool auf Jahre hinaus gesichert. Wo kämen wir denn hin, wenn die Italiener die deutsche Vormachtstellung in Europa anzweifeln würden?

Zugegeben, ganz reibungslos lief die Sache doch nicht ab. Als Heiko Maas seinen Amtskollegen Enzo Moavero Milanesi aufforderte, für die Freilassung der inhaftierten Seefahrerin zu sorgen, erklärte ihm der italienische Außenminister, dass die italienische Justiz unabhängig arbeite. Im Gegensatz zur deutschen Justiz, möchte ich anmerken. Umso schöner war dann zu sehen, wie die „besonnene“ Piratin in den meisten deutschen Medien gefeiert wurde. Wenn es gegen die Souveränität und rechtliche Selbstbestimmung anderer Länder geht, ist einfach Verlass auf unsere vierte Gewalt. Auch interessant ist, dass sich offenbar immer mehr die Ansicht durchsetzt, dass Recht nur dann gilt, wenn ihm keine links-grünen Vorbehalte entgegenstehen. Zum Schluss noch ein ernsthafter Satz: Faschismus sollte weder braun noch grün akzeptabel sein beziehungsweise werden.

Stefan Kromer, Kirchheim

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