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Dicht an dicht am Aileswasensee

Freizeit Rund um den See in Neckartailfingen hieß es am Wochenende verkehrsmäßig „Land unter“. Angst haben die Bewohner auch vor einem Corona-Hotspot. Die Gemeinde möchte einschreiten. Von Rudi Fritz

Tausende drängten zuletzt an die Seen im Land - auch an den Aileswasensee. In Neckartailfingen befürchtet man, dass dort aufgrun
Tausende drängten zuletzt an die Seen im Land - auch an den Aileswasensee. In Neckartailfingen befürchtet man, dass dort aufgrund der ­Enge ein neuer Corona-Hotspot entstehen könnte. Foto: Imago/7aktuell/Nils Reeh

Der Neckartailfinger Aileswasensee ist nicht nur für die FKK-Freunde des Großraums Stuttgart ein Insidertipp. Das herrliche Badewetter lockte am vergangenen Wochenende noch mehr sonnen- und badehungrige Gäste als ohnehin schon üblich in die ansonsten beschauliche 3 900-Einwohner-Gemeinde. Der Ansturm verbreitete unter den besorgten Anwohnern der Vorstadt und bei vielen Einwohnern Neckartailfingens regelrecht Angst und Schrecken. Manche befürchten auch, dass durch die wie Ölsardinen am Aileswasen liegenden Badegäste ein neuer Corona-Hotspot entstehen könnte.

„Die ganze Vorstadt war am Sonntag total zugeparkt, und über die Neckarbrücke war absolut kein Rüberkommen“, spricht ein Vorstadt-Anwohner von teilweise chaotischen Szenarien. „Wir Neckartailfinger freuen uns ja, dass Besucher zu uns kommen, aber irgendwann ist eine Kapazitätsgrenze erreicht“, fordert der Ur-Neckartailfinger von der Gemeindeverwaltung, dass schnellstens Regelungen wie Halteverbotsschilder, Zufahrterlaubnisse für Anlieger, Parkschranken am See und verstärkte Kontrollen bei den 550 Parkplätzen am Aileswasensee ein- und durchgeführt werden.

Auch in den sozialen Medien lassen viele besorgte Bürger ihrem Unmut über die bestehende Situation rund ums Naherholungsgebiet Aileswasen freien Lauf. Die Gemeindeverwaltung Neckartailfingen macht sich schon längere Zeit ernste Gedanken über die Situation rund um den Aileswasensee. In der vergangenen Gemeinderatssitzung war die Parksituation am See und in der Vorstadt bereits ein Tagesordnungspunkt.

Neckartailfingens Hauptamtsleiter Achim Rapp ist die aktuelle Situation ein Dorn im Auge. „Wir werden kurzfristige Maßnahmen treffen, um unsere Bürger zu schützen“, stellt er ein schnelles Eingreifen seiner Gemeinde in Aussicht. Zunächst soll der Security-Dienst verstärkt werden. Außerdem wird geprüft, ob es rechtlich möglich ist, im öffentlichen Raum eine Begrenzung durchzusetzen. „Es ist aber gar nicht so einfach, da neben dem Hauptzugang über die Seestraße weitere Zugänge von Altdorfer und Ne­ckar­tenzlinger Seite aus zum See existieren“, gibt der Hauptamtsleiter zu bedenken.

Man macht sich in der Gemeindeverwaltung auch Gedanken darüber, wieder eine Parkschranke aufzubauen - wie vor vielen Jahren schon einmal praktiziert. Mit dem Landratsamt wird aktuell geklärt, ob es eine verkehrsrechtliche Möglichkeit gibt, um das Parkchaos einzudämmen. „Das würde uns ja schon als Lösung nur während der Sommermonate ausreichen“, hofft Rapp auf eine baldige Antwort von den Esslinger Pulverwiesen, von deren Seite im September eine Verkehrsschau angekündigt ist.

Auch eine komplette Sperrung des Sees schließt Rapp nicht aus. Parallel tagten im Neckartailfinger Rathaus turnusmäßig die Bürgermeister des Gemeindeverwaltungsverbands Neckartenzlingen. Bürgermeister Gerhard Gertitschke brachte das Thema „Aileswasen“ auch dort zur Sprache.

Beim von vielen Bürgern angemahnten Thema „Abstandsregeln“ hat die Gemeinde Neckartailfingen laut Achim Rapp keine Kontrolle über den als natürlichen Badesee ausgewiesenen Aileswasensee und daher nur begrenzte Eingriffsmöglichkeiten. Der Gemeindevollzugsdienst der Verbandsgemeinden kontrolliert sporadisch und hat in Fällen von zu geringem Abstand zwischen den Badegästen auch schon Anzeige erstattet.

Am Kiosk ist ein Mund-Nasen-Schutz Pflicht. Bei den vom Inhaber angebrachten Markierungen und ausgehängten Hinweisen für die Abstandsregelungen klafften aber Theorie und Praxis bei den ellenlangen Warteschlangen oft weit auseinander. Weiterhin ist schönes Sommerwetter angesagt, da droht wieder Verkehrschaos, wenn der Aileswasensee zum begehrten Badeobjekt für die Sonnenhungrigen aus der Region wird.

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