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Die Bastion feiert ihr Comeback

Kultur Die Kirchheimer Institution begeisterte ihr Publikum mit „Get the Cat“. Dennoch war nicht alles wie immer: Die Blues-Formation sorgte nicht im Gewölbe, sondern „open air“ für Stimmung. Von Rainer Kellmayer

An diesem Abend stimmte einfach alles: Das Ambiente, in dem sich die gut gelaunten Zuhörer wohlfühlten, das sommerliche Wetter - und natürlich das Wichtigste, die Musik. Nach mehreren Monaten Pause konnte der Kirchheimer Club Bastion seinen Fans endlich wieder Livemusik vom Feinsten bieten. Für den guten Ton sorgte „Get the Cat“, eine renommierte Blues-Formation aus dem Rheinland.

Freilich spielten sie nicht im urigen Gewölbe der Bastei - dort lassen die Corona-Regeln noch immer keine Konzerte zu -, sondern „open air“ auf dem Parkplatz hinter dem Fachwerkbau des Finanzamtes. „Wir freuen uns riesig, wieder spielen zu können“, sagt Bernhard Fischer, Vorstandsmitglied im Club Bastion. Der Neustart nach dem Lockdown sei bestens gelungen: Mit toller Musik hätten die beiden Konzerte Anfang Juni das Publikum begeistert.

Instrumentale Klasse

Auch „Get the Cat“ zog die Zuhörer vom ersten Ton an in Bann. ­Eigentlich hätte die Band schon im letzten Jahr in Kirchheim spielen sollen, doch Corona machte einen Strich durch die Rechnung. Umso größer war die Freude der Musiker, wieder vor Publikum auftreten zu können. Mit dem Intro „Mule 5“ legte das Quartett furios los, sorgte für mitreißenden ­Groove und instrumentale Klasse. Die meisten Songs schneidert Bassist Till Brandt der Band auf den Leib, und das spürte man auch: Der Sound war homogen, die Balance gut austariert, und der Drummer Bernd Oppel sorgte mit gut geölter Rhythmusmaschine für den harten Beat. Immer wenn Jens Filser auf der E-Gitarre zum Solo ansetzte, stockte den Zuhörern der Atem. Mit hexenmeisterlicher Virtuosität bearbeitete er die Saiten, spielte sich mit flinken Fingern bravourös das Griffbrett rauf und runter: Blues-Feeling at it’s best!

Auch als Sänger stand er seinen Mann. Sei es in „Never make you move too soon“, dem fetzigen „Driftin“ oder „Consider me“: Mit bluesig gefärbter, ausdrucksstarker Stimme drückte er dem Bandsound den Stempel auf. Klangerlebnisse der besonderen Art steuerte Ralf Grotrian mit seiner Bluesharp bei. Verschiedenen Mundharmonikas entlockte er ein Kaleidoskop schillernder Klänge, überzeugte mit frappierender Bläserkunst und energetisch aufgeladenem Spiel. So erhielten Robert Johnsons „Lafayette“ oder „Into the Mystic“ eine ganz individuelle Note - stilistisch gekonnt umgesetzt und ausdrucksstark interpretiert. Till Brandt, der Mann am Bass, erdete den Bandsound mit volltönenden, sauber gesetzten Skalen. Mehr noch: Über die harmonische Führung der akkordischen Verläufe hinaus entpuppte er sich in „Bad Companies“ mit spannungsvoll gezogenen vokalen Linien als veritabler Sänger.

Applaus für Exkursionen

Immer wieder wurden die musikalischen Exkursionen von „Get the Cat“ mit Applaus bedacht. So richtig Stimmung kam aber erst nach dem Ende des EM-Länderspiels der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft auf. Zahlreiche Zaungäste fanden sich ein, und das wilde Hupkonzert der Fans mischte sich phonstark unter die Bluesklänge. Mit ihrer Gute-Laune-Musik heizte die Band mächtig ein: Das Publikum klatschte begeistert mit, und jenseits des Zauns wagten gar einige ein Tänzchen. So kam eine vergnügte Stimmung auf, die immer ausgelassener wurde, je mehr sich „Get the Cat“ dem Finale entgegen spielte: Nach einer Serie spritziger Zugaben wurde das restlos begeisterte Publikum in den lauen Sommerabend entlassen.

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