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Die Bastion und die Freiheit

Zum Artikel „Trier feiert Karl Marx - mit Exponaten aus Kirchheim“ vom 15. Januar

Jeder Mensch steht auf einer breiten Basis als Lebewesen. Da scheinbar willensfrei, verleugnet er verschämt intimste Tatsachen, übersieht geflissentlich die naturgezüchtete Angst der gesamten Tierwelt, das Indiz, wie gefährlich „die Zweibeiner“ sind. Menschen untereinander ohne Jagdwaffen leben in scheinbar harmlosem Aktionismus, stiften Schaden nicht biologisch triebhaft, aber die Logik freier Handlungen im Kontaktraum ist aufgrund ähnlicher Gegebenheiten ein Abbild biologischen Geschehens.

Freiheit, zu deren Folgen drängt sich der Vergleich mit den auf vielen Ebenen wiederkehrenden Lebensgesetzen auf. Voraussetzungen für die Entstehung biologischer Einheiten, so genannte „Individuen“, sind vom ersten Bakterium bis zum Menschen ausgeprägte Ausbreitungs-, Ausgrenzungs- beziehungsweise Vereinnahmungs-Mechanismen, vom Kampf unter Bakterienstämmen bis zum Kräftemessen unter Pferden beziehungsweise Menschen. Neben Koexistenz herrschen sogar innerhalb unseres Körpers entsprechende Gesetze von Anpassung oder Vernichtung (Autophagie, Organerneuerung).

Zurück zum sozialen Freiheitsthema! Sozialverhalten ist trotz essenziellem Unterstützungsbedarf angeboren. Freiheitsrufe lösten historisch Neubildungen und Umstrukturierungen aus. Zufriedenheit aller ist aber in Großstrukturen unmöglich. Man ist überfordert. Sozialordnungen versagten deshalb schon in der Antike, der italienischen Renaissance, sowie jetzt, weshalb benötigt wird, was Alt-Revolutionäre selten hinbekommen, unverkrampfter Besitzständeverzicht. Die 68-er waren weit von der Erfassung menschlicher Dynamik entfernt, wollten Freiheit bei energieaufwendigem Komfort, geraten jetzt nahe an eigenen Feudalismus. Das Ergebnis ist Verlagerung. Lasten werden weitergereicht. Ganz am Ende steht global die Umwelt.

Karl Dannenhauer, Weilheim

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