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Die Bevölkerung aufrütteln

Zum Artikel „Die atomare Bedrohung ist aktueller denn je“ vom 7. August

Der Abwurf der alles Leben vernichtenden Atombomben auf die japanischen Städte mit mehr als 270 000 Toten hat einen geschichtlichen Hintergrund. Es war Amerika, so ist nachzulesen, das diese Bomben einsetzte, um Japan zur Kapitulation zu zwingen. In Deutschland baute eine Gruppe Wissenschaftler an einer Versuchsanlage zur Kernspaltung. Einer der Wissenschaftler - Otto Hahn - erkannte, dass die Kettenreaktion für den Bau von Atombomben geeignet ist. Aus Angst, entdeckt zu werden, entstand im abgelegenen Haigerloch eine Versuchsanlage. Diese wurde im April 1945 von den Amerikanern entdeckt, demontiert und in den USA wieder aufgebaut, die Wissenschaftler verhaftet, ihre Gespräche abgehört. Aus BBC-Nachrichten erfuhren sie vom Abwurf der Atombomben.

Gegen die Stationierung amerikanischer Atombomben wurde schon oft protestiert. Genannt seien Mutlangen, Waldheide in Heilbronn sowie die Lehmgrube bei Neu-Ulm, für die der Bundestag unter Kanzler Kohl (CDU) im November 1983 die Einwilligung gab. Amerikanisches Militär verfügt auf deutschem Boden über Hoheitsgebiete und -rechte, auf denen noch immer Atombomben gelagert sind. Deutschland hat den Atomwaffenverbotsvertrag von 2017 noch nicht ratifiziert. Sind die deutschen Wissenschaftler als indirekte Wegbereiter der Grund? Oder werden weitere Sanktionen und Drohungen durch die USA befürchtet? So oder so. Wer die Stationierung solcher Waffen befürwortet, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, deren Einsatz und Folgen billigend in Kauf zu nehmen. Gedenken an den grausamen Einsatz der Atombombe durch Amerika ist richtig, die Bevölkerung aufzurütteln, dagegen aufzubegehren, das Ziel. Das „Atomkeller-Museum“ in Haigerloch beherbergt eine Dauerausstellung. Besuchenswert. Statt Sanktionen - bitte mehr Diplomatie!

Herbert Woyna, Bissingen

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