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Die BIS löst sich nach mehr als 25 Jahren auf

Kirchheim. Beim Rückblick auf das mehr als 25-jährige Bestehen des Vereins „Bürgerinitiative Schnellbahntrasse“ (BIS) zeigt sich Siegfried Hauff beeindruckt von dem enormen Engagement der vielen Mitglieder. Nachdem bereits in den 80er-Jahren die Diskussion über die Modernisierung der Bahnverbindung Stuttgart-Ulm in den Behörden- und Fachkreisen lief, hätte die Öffentlichkeit trotz diverser Presseberichte kaum Notiz davon genommen. Das habe sich aber schlagartig geändert, als im Herbst 1994 die Deutsche Bahn ihre Pläne der Öffentlichkeit präsentierte. Ein massiver Proteststurm sei ausgebrochen. „So nicht“ sei der einhellige Tenor gewesen. Anstatt eines Trassenneubaus entlang der Autobahn sollte besser die Filstaltrasse ertüchtigt werden.

Die massive Protestbewegung der Bürger sei zusätzlich zu den offiziellen Informationsveranstaltungen gelaufen, organisiert zunächst von der BUND-Ortsgruppe Kirchheim mit einem ersten Treffen 1994 von circa 70 Personen aus den umliegenden Kommunen. Bereits da entstand die Bürgerinitiative „menschengerechte Schnellbahntrasse“ mit Alfred Ruoff als Sprecher. Die folgenden offiziellen Informationsveranstaltungen besuchten insgesamt 2500 Menschen.

Um noch wirkungsvoller auftreten zu können, habe die BIS ab 1996 als eingetragener Verein agiert, zuerst unter dem Vorsitz von Alfred Ruoff, ab 1998 dann von Siegfried Hauff. Die BIS habe Öffentlichkeitsarbeit geleistet, erstellte gutachterliche Einwendungen, persönliche Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern und führte ein Klageverfahren gegen den ersten Planfeststellungsbeschluss des Gesamtprojektes.

Den Antrieb zu diesem Engagement der Vereinsmitglieder sieht Siegfried Hauff rückblickend in der großen Unterstützung aus der Bevölkerung, aber auch aus den kommunalen Gremien. So konnte das teure Klageverfahren nur mit einer Spendensammelaktion bewerkstelligt werden, an der sich auch die betroffenen Kommunen Kirchheim, Weilheim und Holzmaden beteiligt hätten. Die Klage wurde allerdings als unbegründet abgewiesen und somit der erste Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt Kirchheim-Weilheim rechtskräftig.

Die BIS habe ihre Bedenken aber als berechtigt gesehen, nicht zuletzt durch die Tatsache, dass die DB ab 2000 selbst an der Wirtschaftlichkeit des Projektes gezweifelt habe und einen Planungsstopp anordnete. Erst mit der zusätzlichen Finanzspritze des Landes 2009 in Höhe von 950 Millionen Euro seien die Planungen wieder aufgenommen worden. Der endgültige Beschluss kam aber trotzdem erst nach der S21-Schlichtung im November 2010.

Die BIS konzentrierte ihr Engagement im Streckenabschnitt Kirchheim-Wendlingen auf die Beibehaltung der Fuß- und Radwegeverbindung nach Nabern. Hier konnte die Tunnelbaufirma mit der Behelfsbrücke und einem anschließenden kurzen Tunnel unter der neuen Baustraße abhelfen. Mit dem aktuellen Baufortschritt stehen nach der Beurteilung von Siegfried Hauff und seinen Mitstreitern der Initiative für die BIS keine weiteren Aufgaben mehr an.

Die BIS habe zwar nach eigener Einschätzung ihr ursprüngliches Hauptziel nicht erreicht, aber durch Öffentlichkeitsarbeit und Beharrlichkeit in Zusammenarbeit mit den Kommunen zu mehr Transparenz seitens der Bahn beigetragen. Zudem habe der Verein erreicht, dass die Eingriffe in die Siedlungsstruktur, Natur und Landwirtschaft intensiv abgewogen und verringert wurden. Deshalb wolle sich Siegfried Hauff als langjähriger Vorsitzender nach erfolgter Auflösung des Vereins bei allen Mitstreitern bedanken.pm

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