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„Die Bühne war nie meine Welt“

Porträt Martina Lange ist Musikpädagogin an der Musikschule Köngen/Wendlingen. Ihr Steckenpferd: alle technischen Aspekte des richtigen Hörens. Von Rainer Kellmayer

Martina Lange hat an der Hochschule für Musik in Augsburg ihre Ausbildung zur Klavierlehrerin absolviert. Heute bietet sie auch
Martina Lange hat an der Hochschule für Musik in Augsburg ihre Ausbildung zur Klavierlehrerin absolviert. Heute bietet sie auch Kurse in Gehörbildung an. Foto: Rainer Kellmayer

Für Martina Lange ist klar: Das Hören ist der Weg zur Musik. Musizieren ohne bewusstes Hören ist für sie undenkbar. Die Musikpädagogin, die an der Musikschule Köngen/Wendlingen neben Klavier auch Hörerziehung unterrichtet, wurde einst durch eine Karikatur zur Beschäftigung mit dem Gehör animiert. In einer Zeitschrift entdeckte sie eine Grafik, die zugleich witzig und inspirierend war: Ein Ohrenarzt steigt auf einer Leiter hinauf zu einem riesigen Ohr, schaut hinein und bemerkt: „Darin liegt ihre Zukunft.“ Fortan begeisterte sich die junge Musikerin für alle Aspekte des Hörens. Als Jugendliche hospitierte sie an der Stuttgarter Musikhochschule bei den Gehörbildungsstunden von Ursula Flinspach. Die erfahrene Lehrerin habe es verstanden, bei ihren Studenten den Spaß am Hören zu wecken und ihnen die Angst vor dem nicht allzu beliebten Fach zu nehmen.

Jenseits des Mainstreams

„Eigentlich wollte ich Tonmeisterin werden“, erinnert sich Lange. Doch die anspruchsvolle Aufnahmeprüfung sei eine zu hohe Hürde gewesen. Mehr Glück hatte sie an der Hochschule für Musik in Augsburg. Dort wurde sie zur Klavierlehrerin ausgebildet und konnte sich mit ihrem Spezialgebiet, der Hörerziehung, auseinandersetzen. Parallel schloss sie ein Studium an der Universität Augsburg als Diplom-Pädagogin ab. „Ich habe mich immer jenseits des Mainstreams bewegt. Die Bühne war nie meine Welt“, sagt Lange. Zeitlebens habe sie die Technik in Bann gezogen. Deshalb verwundert es nicht, dass sie bei Musical-Aufführungen oder anderen Events der Musikschule eher hinter der Bühne am Mischpult zu finden ist. „Ich mache das schon seit mehr als 30 Jahren. Und immer noch habe ich großen Spaß daran.“

Schon früh machte die in Nürtingen aufgewachsene Musikpädagogin, die heute auf der Schwäbischen Alb wohnt, Bekanntschaft mit der Musik. „Die Begabung habe ich von meinem Opa geerbt. Er war ein professioneller Violinist und Kapellmeister“, erinnert sich Lange. Wesentlich beeinflusst habe sie zudem das Anhören von Schallplatten. Mozart-Opern, Messen von Franz Schubert, aber auch die unterhaltende Musik des Walzerkönigs Johann Strauß habe ihr einen Einblick in die Vielfalt der musikalischen Welt gegeben. Mit neun Jahren startete die 61-Jährige mit dem Klavierunterricht. Schnell habe sie Fortschritte gemacht und schon bald mit ihrer Mutter vierhändige Sonaten von Anton Diabelli, aber auch Werke von Wolfgang Amadeus Mozart gespielt. „Das hat großen Spaß gemacht und mich zum intensiven Üben motiviert.“ Nach dem Studium führte der Weg zurück in den Stuttgarter Raum:

Seit 1987 arbeitet Lange an der Musikschule Köngen/Wendlingen. Seit dem Umzug 2009 in den neu erbauten Treffpunkt Stadtmitte fühlt sie sich hier noch immer „wie im Himmel“. Überhaupt macht ihr die Arbeit an der Musikschule großen Spaß: „Wir haben ein tolles Kollegium, zudem hatte ich immer tolle Chefs“, ist Lange begeistert.

Ihren Unterricht prägt ein Leitspruch des chinesischen Philosophen Konfuzius: Der Weg ist das Ziel. Mit ihren Schülerinnen und Schüler trainiert sie Geduld und die Fähigkeit, ausdauernd an einer Aufgabe zu arbeiten. Entscheidend ist für Martina Lange der Spaß an der Musik. „Ich sorge für einen lebendigen Unterricht und große Vielfalt in der Literaturauswahl. Dabei dürfen auch ihre Eleven mitreden: Es wird nicht nur Bach und Mozart gespielt - auch Unterhaltendes und fetzige Pop-Stücke aus den Charts stehen auf dem Programm. Lange ist eine geduldige, jedoch zielorientierte Lehrerin. Sie möchte den Schülern nicht nur manuelles Können, sondern auch die Fähigkeit zum selbstständigen Erarbeiten von Musikstücken vermitteln. „Um einen Eindruck zu geben, spiele ich die Stücke vor und beziehe beim anschließenden Studium Sing- und Rhythmusübungen mit ein.“ Und natürlich ist ihr das Hören sehr wichtig. Deshalb gibt Lange an der Musikschule auch Kurse in Gehörbildung, bei denen das wichtige Organ sensibilisiert wird: Neue Perspektiven der Wahrnehmung musikalischer Zusammenhänge eröffnen interessante Hör- erlebnisse.

Und was macht die Musikpädagogin in ihrer Freizeit? „Ich liebe es, mit dem Kajak übers Wasser zu paddeln“, schwärmt Martina Lange. Während sie früher die Herausforderung beim Befahren wilder Flüsse gesucht habe, geht sie es heute ruhiger an: „Es ist ein tolles Erlebnis, über einen See zu paddeln und dabei alle Sorgen hinter sich zu lassen.“

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