Unzugeordnete Artikel

Die Falschen getroffen

Zum Leserbrief „Stereotype Geschlechter“ vom 24. August

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Als emanzipierte Frau und Geschäftsführerin des Brückenhauses kann ich den Vorwurf eines „mittelalterlichen, antifeministischen Weltbildes“ bei unserem Kinderferienprogramm nicht unkommentiert stehen lassen. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass der Artikel „Auch Aquanis wollen handeln“ einen falschen Eindruck hinterlassen hat. Leider zeichnet der Artikel ein unzutreffendes Bild unserer Arbeit. Dabei handelt es sich aber nicht um pädagogische Aussagen unserer Mitarbeiter. Ganz im Gegenteil spricht der einzig zitierte Mitarbeiter davon, dass „die Kinder selbst entscheiden . . .“

Die Unterstellung, Rollenklischees zu bedienen, trifft ausgerechnet einen Verein, der sich schon seit Jahrzehnten differenziert mit Genderarbeit auseinandersetzt. Bei unserem Kinderferienprogramm dürfen alle Kinder frei entscheiden, mit was sie sich beschäftigen wollen. Entgegen des Vorwurfes von Rollenklischees achten wir in der Vorbereitung und der Durchführung darauf, dass sowohl Jungen als auch Mädchen interessante Angebote in allen Werkstätten bekommen. Während des Programms war die Beteiligung der Kinder in den Werkstätten, entgegen der Darstellung im Artikel, bunt gemischt und jeden Tag anders. Auch in allen anderen Arbeitsfeldern des Brückenhauses - in der Schulsozialarbeit, der Gemeinwesenarbeit und der Jugendberufshilfe - sind uns Genderthemen sehr wichtig. Wir kreieren und beteiligen uns an Aktionen wie dem Girls‘- und Boys‘-Day, dem Mädchenhandwerkstag oder dem Kirchheimer Mädchen- und Jungentag. Auch bei der Berufsinfomesse in der Stadthalle bemühen wir uns als Mitveranstalter, geschlechtsuntypische Berufe „an die Frau beziehungsweise an den Mann zu bringen“. Der Vorwurf ist gerade deshalb so ungerechtfertigt, weil wir im Brückenhaus uns über Rollenklischees und Stereotype jedweder Art sehr viele Gedanken machen und unsere Arbeit das Ziel hat, an diesen etwas zu ändern. Der Leserbrief spricht ein wichtiges Thema an, hat aber leider dieses Mal die Falschen getroffen.

Jessica Villamar Ruiz, Kirchheim