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Die Halle schwitzt sich kaputt

Aufreger Die Niederwiesenhalle in Hülben muss außerplanmäßig saniert werden. Weil die Luftströme nicht stimmen, fault und schimmelt das Holz im Dach. Aber wer kommt für die Kosten auf? Von Michael Koch

Ein Haus zu bauen, ist eine Sache, es zu erhalten, eine andere. Aus energetischen Gründen geht der Trend inklusive der gesetzlichen Vorgaben hin zu stark gedämmten Gebäuden, was der Langlebigkeit aber nicht gerade zuträglich ist, wenn das Belüftungssystem nicht richtig funktioniert.

Ein Beispiel, wenn es schiefgeht, ist die Niederwiesenhalle in Hülben. Dort riss ein Sturm Anfang 2020 ein Attikablech weg und schleuderte es auf den benachbarten Schulhof - zum Glück nachts, sodass niemand verletzt wurde. Bei der Suche nach der Ursache fand man modrige Dachbalken, aus denen sich die Dachverkleidung gelöst hatte. Erster logischer Verdacht: Das Dach ist undicht. Ein Gutachter stellte aber sehr schnell fest, dass dem nicht so ist.

So kam Ende 2020 Harry Luik ins Spiel, Architekt und Sachverständiger vom Institut Baukunst in Reutlingen. Er untersuchte das gesamte Gebäude und fand heraus, dass die Fugen zwischen den Fertigbauelementen, aus denen die Halle einst zusammengesetzt wurde, völlig porös und undicht sind. Die außen aufgebrachte gedämmte Fassade ist dagegen dicht, sodass kein Luftaustausch stattfinden kann. Die Luftfeuchtigkeit der Turnhalle dampft also durch die Fugen nach außen, steigt dann an der Innenseite der Fassade nach oben, wo sie im Laufe der Jahre die nun gefundenen Schäden verursacht hat. „Das Holz ist verfault und schimmelt“, fasst Harry Luik zusammen. Oder, um die Gemengelage der Halle bildlich zu machen: „Sie haben hier einen Schweizer Käse, von außen gut gedämmt.“ Das Problem ist also gefunden, es bleiben aber zwei Fragen: Wie bekommt man die Halle wieder in Schuss und wer bezahlt das? 2011 und 2012 wurde die Niederwiesenhalle letztmals saniert, die defekten Fugen sind damals nicht aufgefallen. Deswegen möchte die Gemeinde Hülben das damals beauftragte Architekturbüro - oder stellvertretend die ausführenden Handwerksbetriebe - mit in die Haftung nehmen.

Ein Vertreter des Architekturbüros war in der letzten Sitzung des Gemeinderates zugegen. „Das Gutachten klingt sehr schlüssig“, gestand er ein, bat aber auch um Zeit. Sein Büro müsse den Sachverhalt erst rechtlich prüfen lassen, was nicht einfach sei, zumal die beiden damals involvierten Handwerksbetriebe inzwischen nicht mehr am Markt und daher nicht zu belangen sind.

Trotz der Schäden ist die Halle aktuell für den Schul- und Vereinssport voll nutzbar, „ohne erhöhte Unfallgefahr“, wie Bürgermeister Siegmund Ganser versichert. Dennoch steht natürlich eine Sanierung an. Aufgrund der Komplexität des Sachverhalts „wird das aber wohl dieses Jahr nichts mehr“, wie Ganser vermutet.

Gutachter Luik empfiehlt, aus Kostengründen zunächst mal nur mit zwei Gebäudeseiten zu beginnen. Durch die Sonneneinstrahlung seien die Schäden an der Südseite nicht so massiv, man könne sie deswegen auf einen zweiten Abschnitt verschieben.

Apropos Kosten: Wie hoch die am Ende überhaupt sind, steht in den Sternen. Als grobe Schätzung gibt Bürgermeister Siegmund Ganser die Größenordnung „sechsstellig“ zu Protokoll. Auf jeden Fall wird es für Hülben um eine ganze Menge Geld gehen.

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