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Die Linde und das Sichtfachwerk

Zum Artikel „Die Stadt wird das Wachthaus nicht verkaufen“ vom 13. Dezember

In einem Leserbrief im Mai dieses Jahres schrieb ich als letzten Satz: „Erhaltung von Fachwerk - Ja, aber sinnvoll - Das werden wir am Wachthaus sehen.“ Das Denkmalamt sieht das am Wachthaus anders, da das Wachthaus, wie fast alle Fassaden früher, verputzt war. Das Fachwerk wurde aus statischen Gründen benötigt, und der Verputz diente und dient dem Schutz des sonst freiliegenden Holzes. In der Reihe „Alt-Kirchheim in Bildern“ des Teckboten sieht man zu 95 Prozent verputzte Fassaden - auch beim Wachthaus.

Die Behauptung der historisierenden Kirchheimer Vereine, dass die Fassaden früher Sichtfachwerk waren und dann wieder verputzt wurden, ist falsch. Das Fachwerk wurde erst später freigelegt. Hier zwei Beispiele: Das Rathaus um die Jahrhundertwende und das „Stadtpfarrhaus“ Widerholtplatz 5 im Jahr 1949. Und das bescherte den Besitzern dann hohe laufende Wartungskosten.

Sicher werden jetzt nicht alle Fachwerkhäuser wieder verputzt, was auch niemand möchte, da Kirchheim mittlerweile eine Fachwerkstadt ist. Aber dass der Kirchheimer Gemeinderat, getrieben von den historisierenden Kirchheimer Vereinen, zwanghaft beim Neubau Mehrgenerationenhaus Linde - das Gebäude wird komplett abgebrochen - ein neues, aufgesetztes Sichtfachwerk fordert, ist ein Schildbürgerstreich! Leider hatte auch kein Architekturbüro den Mut, sich über die Vorgabe hinwegzusetzen, das Fachwerk als „Disneyland-Variante“ wieder anbringen zu müssen. Die daraus entstandenen Zwänge sieht man den Entwürfen leider auch an.

Peter Bodo Schöllkopf, Kirchheim

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