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Die Mär vom bösen Westen

Zum Leserbrief „Mitschuld“ vom 9.  April

Ich halte die Darstellung, der „Westen“ hätte seinen sogenannten Reichtum quasi durch Ausrauben der Entwicklungsländer erworben, für schlicht falsch. Diese in linken Kreisen populäre Saga - mit der man gerne auch das Recht auf weitere Massenmig­ration Richtung Europa rechtfertigt - wird durch dauerndes Wiederholen nicht wahrer. Bezeichnend ist auch, dass die Kolonial-Vergangenheit - und Gegenwart - Russlands und der Sowjetunion unterschlagen wird.

Nur einige Punkte: Deutschland hat zum Beispiel aktuell 450 Weltmarktführer. Die haben sich ihre Position nicht auf Kosten anderer Länder erworben, sondern durch Ideenreichtum, Erfindungsgeist und Fleiß. Wo sind die afrikanischen Weltmarktführer? Wenn man die Vertreter aus „Der-Westen-ist-schuld-Fraktion“ fragt, worin jetzt genau der westliche Raubzug besteht, kommt in der Regel nichts anderes als der Export von Hühnerklein und Altkleidern. Der Westen hindert die armen Länder nicht daran, sich eine handlungsfähige Infrastruktur und Verwaltung aufzubauen, eine Industrie, welche diesen Namen auch verdient, sowie endlich die grassierende Korruption wirksam zu bekämpfen. Die Kolonialzeit ist längst vorbei und kann nun wirklich nicht mehr als Ausrede und zur Opferstilisierung instrumentalisiert werden. Das völlig zerstörte Deutschland beispielsweise hat sich nach dem Krieg innerhalb von zwanzig Jahren zum sogenannten Wirtschaftswunderland entwickelt.

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass der Versuch, die ökonomisch unterentwickelten Staaten von jeglicher Verantwortung für die eigene Situation freizusprechen, in keinster Weise haltbar ist, und wohl dem ideologisch motivierten Versuch dient, das Feld für weitere Massenmigration und/oder Transferzahlungen zu bereiten.

Hans Richard, Weilheim

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