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Die Menschen ernst nehmen

Jetzt also, nach monatelanger Verzögerungspolitik, gehen die Deutsche Bahn und die Baufirma Implenia auf die leidgeplagten Anwohner zu. Mit Shuttle-Bussen wurden sie an die Förderbänder der beiden Tunnelbohrmaschinen Sibylle und Wanda gefahren. Dort erfuhren sie von den Verantwortlichen aus erster Hand, was am Ort des Geschehens passiert und was bisher getan wurde, um den Kalkaustritt einzudämmen.

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Soll die Veranstaltung mehr als ein Lippenbekenntnis und eine Geste des guten Willens sein, müssen Schäden, die klar auf den Kalk zurückzuführen sind, nach dem Verursacherprinzip ersetzt werden. Fühlen sich Menschen krank, muss auch dem nachgegangen werden. Nicht wenige klagen beispielsweise über ständiges Räuspern im Hals oder wundern sich über eine besonders hartnäckige Erkältung. Hundebesitzer registrieren vermehrt Magen-Darm-Erkrankungen bei ihren Tieren.

Im Bemühen, das Übel an der Wurzel zu packen, dürfen die Deutsche Bahn und die Firma Implenia nicht nachlassen und notfalls nachjustieren, um das Optimum für die Anwohner herausholen zu können. Die Arbeiter müssen ständig für ihr Tun sensibilisiert werden - denn die Anwohner sind es nach den ständigen Staubunfällen zurecht.

Den Ärger hätten sich alle Beteiligten sparen können. Das Vertrauen läge nicht am Boden, wenn rechtzeitig gehandelt geworden wäre und nicht auf Zeit gespielt - und vor allem die Anwohner ernst- und mitgenommen worden wären. Liebe DB, immer noch nix gelernt aus dem Debakel um S 21?

Besser spät als nie reagiert? Das Fragezeichen bleibt. Doch die Bahn mit ihrem Partner Implenia hat es selbst in der Hand.