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Die Mensen leiden unter Covid

Schule Das „Esseckle“ am Lenninger Schulzentrum sucht händeringend nach Ehrenamtlichen. Auch der „Lugeria“ und der „essbar“ fehlen Helfer. Von Anke Kirsammer

Die Leiterin Heike Haag Meyer, ihre Stellvertreterin Antje Schumann und Alexandra Marton (von rechts) sind die drei hauptamtlich
Die Leiterin Heike Haag Meyer, ihre Stellvertreterin Antje Schumann und Alexandra Marton (von rechts) sind die drei hauptamtlichen Kräfte in der Mensa am Schulzentrum in Lenningen. Ihnen fehlen derzeit viele helfende Hände. Foto: Carsten Riedl

Schülerinnen und Schülern ein leckeres und gesundes Mittagessen bieten. Das war der Grund, warum am Lenninger Schulzentrum 2007 eine Mensa installiert wurde. Das Ziel ist heute das gleiche, doch finden sich immer weniger Ehrenamtliche, die bereit sind, alle vier Wochen Gemüse zu schnippeln und sich an den Herd zu stellen. „In guten Zeiten hatten wir 120 Köchinnen“, erinnert sich Antje Schumann. „Es ist richtig gut angelaufen und hat den Leuten Spaß gemacht.“ Die hauptamtliche Kraft ist von Beginn an dabei. Sie hat die anfängliche Euphorie erlebt, aber auch, wie es immer schwieriger wurde, Eltern für die Mitarbeit zu gewinnen. Im Moment stehen nur noch 28 Helferinnen zur Verfügung. Zu wenig, um von Montag bis Donnerstag ein schmackhaftes Essen für rund 50 Kinder auf den Tisch zu bringen.

„Pro Schuljahr bekommen wir nur zwei oder drei neue Ehrenamtliche dazu“, sagt Mensaleiterin Heike Haag-Meyer. Das kann den Wegfall derjenigen nicht kompensieren, die aufhören, weil ihre Kinder die Schule verlassen. „Es gab viele, die schon zehn Jahre dabei waren“, erzählt sie und äußert Verständnis, „dass irgendwann Schluss“ ist.

Wie in vielen anderen Bereichen hat Corona auch beim Wegbrechen der Ehrenamtlichen im Lenninger „Esseckle“ wie ein Brandbeschleuniger gewirkt. In der pandemie-bedingten langen Schließzeit sieht Heike Haag-Meyer den Hauptgrund dafür, dass es jetzt an Helfern mangelt. Viele Ehrenamtliche hätten ihre Arbeitszeiten aufgestockt oder fürchteten sich vor einer Ansteckung. Vor Corona standen noch mehr als 80 Namen auf der Helferliste - fast dreimal so viele wie derzeit. Von denen, die sich engagieren, können sich einige nur zwei oder drei Stunden einbringen. Weil helfende Hände fehlen, kommt das Team besonders über Mittag während der Essensausgabe ins Schwimmen. Dabei kann jeder mit anpacken, wo er mag. Ob es darum geht, den Salat vorzubereiten, den Nachtisch anzurühren oder die Soße zu würzen. „Die Kochgruppen bestimmen selbst, was es gibt“, betont die Chefin der Mensa, die Wert auf regionale Zutaten legt. Den Speiseplan dominieren Gerichte, die Kinder gerne essen: Auf den Tisch kommen beispielsweise Fleischküchle, Spaghetti, Gyros, Maultaschen, panierte Schnitzel oder Linsen mit Spätzle.

Jetzt wird auf neuen Schwung im neuen Schuljahr gesetzt. „Es ist schön, wenn jemand den ganzen Tag helfen kann“, sagt Heike Haag-Meyer. Bedarf ist besonders zur Mittagszeit. „Auch flexible Leute, die als Springer eingesetzt werden können, sind uns eine Hilfe.“

An den Mensen der Kirchheimer Gymnasien, an denen ebenfalls unter Anleitung Hauptamtlicher frisch gekocht wird, fehlen zum Schulstart auch Ehrenamtliche. „Wir haben durch das Abi jedes Jahr Abgänge und das Problem, dass wir neue Leute brauchen“, sagt Claudia Gerlach-Reck, Vorstandsmitglied im Verein „Lugeria“. Er ist für den Betrieb der Mensa am Ludwig-Uhland-Gymnasium zuständig. Auch sie sieht einen Zusammenhang mit Corona: „Wir spüren mehr Zurückhaltung im Ehrenamt.“ Mehr Köchinnen und Köche hätten im Laufe des Schuljahrs aufgehört als sonst. Berufliche Veränderung spiele eine Rolle, andere sorgten sich vor einer Infektion. „Durch längere Pausen wegen der Schulschließungen ging sicher bei manchen auch die Bindung verloren“, gibt Claudia Gerlach-Reck zu bedenken. Koche man regelmäßig, sehe man die Notwendigkeit, dabeizubleiben. Derzeit hat die Lugeria rund 125 Köchinnen. Für den Vollbetrieb braucht es 150. 110 Frauen backen Kuchen. Benötigt werden 125.

Am Schlossgymnasium muss für die rund 20 Abgänger, die am Schuljahresende die Kochschürze an den Nagel gehängt haben, Ersatz gesucht werden. „Aktuell haben wir 80 Kuchenbäckerinnen und 132 Köchinnen und Köche“, sagt der Vorsitzende des Vereins „essbar - Mensa im Schloss“, Jens Graner. „Der Schwund war etwas größer als in den Vorjahren. Es war ein starker Jahrgang, was die kochenden Familienmitglieder angeht“, erklärt Jens Graner.

Intensiv wird die Werbetrommel für die Mitarbeit in den Mensen am Schloss und am LUG unter anderem an den Infotagen im Frühjahr und an der Einschulung gerührt. Gute Erfahrungen hat Graner damit gemacht, zu benennen, an welchen Tagen Köchinnen und Köche fehlen. „Je konkreter Sie es machen, desto eher finden sie jemanden“, so seine Erfahrung.

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