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Die nachhaltige Zukunft kostet

Zum Artikel „Zukunft der CAP-Märkte ist ungewiss“ vom 25. Juni

Es vergeht kein Tag, an dem nicht über die schwierige Situation von kleinen Läden berichtet und festgestellt wird, dass das Ladensterben verhindert werden muss. Es wird jeden Tag von der Verkehrswende fabuliert, wo die Bürger zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren sollen. Wie soll das gehen, wenn die Versorgung in den Stadtteilen nicht gewährleistet ist? Zudem haben wir in Stadtteilen wie Ötlingen viele alte Menschen, die nicht mobil sind und auf den Einkauf in der Nachbarschaft angewiesen sind.

Genau diese Bedingungen erfüllt der CAP-Markt. Die CAP-Märkte in Ötlingen und Notzingen und zwei weitere Läden in der Region haben sich nicht nur zum Ziel gesetzt, die Nahversorgung auch in weniger attraktiven Lagen sicherzustellen, sondern darüber hinaus bieten sie auch noch Menschen mit Handikap einen sicheren Arbeitsplatz. In Ötlingen bietet der Markt alles, was im Haushalt gebraucht wird. Die angebotenen Nahrungsmittel haben größtenteils Bio-Qualität und sind, wenn möglich, aus der Region. Natürlich können bei der Lage und der Leistung die CAP-Märkte bei den niedrigen Discounterpreisen nicht kostendeckend arbeiten. Deshalb haben andere private Handelsketten kein Interesse an diesen Standorten und würden diesen Beschäftigten keinen Arbeitsplatz anbieten.

Ist es nicht die Aufgabe der Stadt, eine funktionierende Infrastruktur in den Stadtteilen sicherzustellen? Darf sie dem Ladensterben tatenlos zusehen oder hat sie die Verantwortung, auch weniger mobilen Bürgern die Versorgung in ihrem Stadtteil sicherzustellen? Kirchheim schmückt sich gern mit dem Etikett „Nachhaltige Stadt“, aber genau dazu gehört eine Nahversorgung im Stadtteil. Wie soll der Autoverkehr verringert werden, wenn die fußläufige Versorgung fehlt. Der CAP-Markt bietet an, den Laden mindestens zehn Jahre zu betreiben. Für umgerechnet 2 500 Euro monatlich hätte Kirchheim für die Ötlinger Bürger eine erstklassige Versorgung erhalten können, aber dem Gemeinderat war diese Investition in die Zukunft zu hoch.

Heinrich Brinker, Kirchheim

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