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Die Ortsmitte Oberlenningen treibt den Gemeinderat um

Haushalt Die Bürgerliche Wählervereinigung mahnt eine Alternative zur bisherigen Planung an. Für LEGAL sind nachhaltige Projekte ein zentrales Anliegen. Von Anke Kirsammer

Die B¿465 führt mitten durch den Ort. Ob sie etwas verlegt wird, ist nach wie vor unklar.  Foto: Jean-Luc Jacques
Die B¿465 führt mitten durch den Ort. Ob sie etwas verlegt wird, ist nach wie vor unklar. Foto: Jean-Luc Jacques

Kompakter als sonst haben die Gruppierungen des Lenninger Gemeinderats ihre Stellungnahmen zum Haushalt abgefasst. Corona hinterlässt eben auch in der Kommunalpolitik Spuren. Kurt Hiller, Sprecher der Bürgerlichen Wählervereinigung (BWV), machte deutlich, was die Pandemie auch an anderer Stelle in der Arbeit des Gemeinderats bewirkt: „Keine Klausurtagung und kein Dorffest, bei dem wir erfahren, wie viel wir falsch und wie wenig wir richtig gemacht haben.“ Stattdessen setzt er auf Selbstkritik: Der Gemeinderat sei in der Vergangenheit nicht sehr entscheidungsfreudig gewesen. „Wir haben auf eine bessere Gelegenheit oder höhere Zuschüsse spekuliert. Wir haben es allen recht machen und möglichst wenigen auf die Zehen treten wollen.“ Künftig müsse man aus der jeweiligen Situation entscheiden und die Beschlüsse auch umsetzen.

Konkret bedeutet das, die weiteren Eckpunkte des Projekts „Ortsmitte Oberlenningen“ zu beschließen. Kann man die Bundesstraße verlegen, wie sieht die Parksituation aus, wo gibt es Bauplätze und wie viel Fläche benötigt der Einzelhandel? Diese Fragen brennen der BWV auf den Nägeln. Unumgänglich sei eine alternative, machbare Planung. „Wir wollen vorbereitet sein, falls die Bundesstraße nicht verlegt wird und wir nicht alle benötigten Grundstücke erwerben können.“

Wie Bürgermeister Michael Schlecht möchte die BWV die Umwandlung des Oberlenninger Sportplatzes in Bauland angehen. Kurt Hiller will der Verwaltung den Auftrag erteilen, bis zum Jahresende zusammenzutragen, was die Erschließung und die Immisionsschutzvorgaben für Halle und Freibad kosten. Ziel ist, abzuschätzen, wie viele Bauplätze zu welchem Preis machbar sind.

Das „Lenninger Einkaufszentrum“ im Bereich Gänsäcker in Unterlenningen ist für die BWV erst rund mit einem Fuß- und Radweg westlich der Bundesstraße. Damit gäbe es eine Verbindung von Dettingen bis Oberlenningen ohne Querung der B 465. Ein weiterer Punkt, der die Gruppierung umtreibt, sind die gemeindeeigenen Häuser. Sie wünscht sich nicht nur eine Aktualisierung der 101 Gebäude umfassenden Liste, sondern sie interessiert auch der Renovierungsaufwand in den nächsten fünf Jahren. Die BWV möchte damit klären, welche Gebäude die Gemeinde noch braucht und welche verkauft werden können.

An die IT-Fachkraft der Verwaltung knüpft Kurt Hiller die Hoffnung, dass in der Gemeinde und an den Schulen einheitliche Strukturen und Netzwerke geschaffen werden. „Wir hoffen auf sinnvolle Beschaffungen.“ Da ein Großteil der Ausgaben in den nächs- ten Jahren nach Oberlenningen fließen, bat der Sprecher darum, auch die übrigen sechs Ortsteile nicht zu vernachlässigen. Dazu gehört der Wunsch, einzelne Straßen auf Vordermann zu bringen. Als Hochwanger ist ihm auch das projektierte Vereinsheim in seinem Wohnort wichtig.

Zentrales Thema der Lenninger Grünen Alternativen Liste (LEGAL) ist der Klimawandel. Dass er auch die Region betrifft, liest die Gruppierung daran ab, dass der Wald unter Trockenheit leidet und es Förderungen für Starkregenmanagement gibt. Oben auf der Prioritätenliste steht Photovoltaik auf allen gemeindeeigenen Dächern. Bei neuen Bauvorhaben und -gebieten sollten die Häuser so ausgerichtet sein, dass Sonnenenergie genutzt werden kann. Ein Anliegen ist LEGAL, sämtliche Fördermittel für Umweltbelange auszuschöpfen. So könnten sich beispielsweise für eine kommunale Wärmeplanung mehrere Kommunen zusammentun.

Den Verbrauch der gemeindeeigenen Häuser zu erfassen, sei gut angelegtes Geld, meint Michaela Gernert. Sie bat darum, den Klimaschutzpakt des Landes Baden-Württemberg zu unterzeichnen. „Das setzt nicht nur ein Zeichen, sondern dadurch kann man auch eine höhere Förderquote erhalten.“ Abhängig davon, wie sich das kreisweite Klimaschutzkonzept entwickelt, könne mittelfristig über eine halbe Stelle für Klimaschutz nachgdacht werden. Dazu könnten Erkenbrechtsweiler und Owen ins Boot geholt werden. Die LEGAL-Sprecherin kündigte an, den von Michael Schlecht angestoßenen „Klimatisch“ tatkräftig zu unterstützen. „Die Einbindung der Einwohner, vor allem der Jüngeren, ist für uns ein wichtiges Thema“, sagte sie.

Auf offene Ohren stößt bei der Gruppierung die Idee des Bürgermeisters, in der Oberlenninger Ortsmitte auf Nahwärmeversorgung mit Hackschnitzeln zu setzen: „Das ist echte Nachhaltigkeit.“ Genutzt werden könnte laut LEGAL auch industrielle Abwärme. Ein Gemeindeticket im ÖPNV, der Ausbau von Ladesäulen, beispielsweise auch für Pedelecs, und der Beitritt der Bücherei zur Onleihe sind der Gruppierung ebenfalls ein Anliegen.

Michaela Gernert regte an, das Kinderhaus und das neue Verwaltungsgebäude in Oberlenningen in Holzbauweise zu erstellen. Das hätte eine Vorbildwirkung für Bauvorhaben der Bevölkerung und würde Energiekosten senken. Um neuen Wohnraum zu schaffen, plädiert die Gruppierung für eine behutsame Innenentwicklung. Zudem solle überlegt werden, welche Gemeindegrundstücke bebaut werden könnten. Im nächsten Schritt befassen sich die Ortschaftsträte mit den Vorschlägen zum Haushalt.

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