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Die Politik muss es richten

Das Land der Häusle­bauer hat ein ­Problem, und das nicht erst seit gestern. An ­blühen­den Wirtschaftsstandorten wie auf den ­Fildern und entlang des ­Neckars schlagen sich gut ­verdienende Fachkräfte um grotesk überteuerte Restposten verfügbaren Wohnraums. Im Landkreis Esslingen wird gutes Geld verdient. Wer auf den letzten Quadratmetern Baugrund in den vergangenen Jahren in Immobilien investierte, der wusste zudem, welche Klientel die bes­te Rendite abwirft.

Was dabei schlicht ­vergessen wurde: Fläche ist - zumal im ­Ballungsraum - nicht beliebig vermehrbar, und Armut ist auch in einem ­reichen Landkreis wie hier ein Thema von besorgniserregender Aktualität. Die Zahl der Leistungs­berechtigten in sogenannten Bedarfsgemeinschaften ist in den vergangenen zwei Jahren um elf Prozent gestiegen. Fast 118 Millionen Euro gab der Landkreis mit Mitteln des Bundes zuletzt für Grundsicherung aus. Das sind ­häufig Menschen, die keine bezahlbare Wohnung mehr finden oder nicht wissen, ob sie sich die, in der sie heute wohnen, morgen noch werden leisten können.

Die Erhöhung der Mietobergrenzen ist für sie wichtig, aber längst nicht die Lösung des Problems. Die politische Debatte offenbart das ganze Dilemma, denn jede ­Seite hat gute Argumente. Die ­davor warnen, dass jede Erhöhung auch die Mietpreise treibt und damit all jene trifft, die mit täglicher Arbeit gerade noch ohne staatliche Hilfe über die Runden kommen. Aber auch die, die darauf pochen, dass ein Dach über dem Kopf hierzulande als Grundrecht zu gelten hat.

Und trotzdem: Richten muss es die Politik. Nachholen, was zwei Jahrzehnte lang versäumt wurde, geraderücken, was der freie Markt verbockt hat. Grün-Schwarz im Land hat sich das Thema auf die Fahnen geschrieben. Mehr Wohnraum, der bezahlbar sein muss, ressourcenschonend, ­umwelt- und klimaverträglich. Jetzt heißt es endlich liefern und zwar schnell.

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