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Die Propheten bekommen Nahrung

Bezirksliga Der VfL sorgt mit einem fulminanten Sieg für Aufsehen am ersten Spieltag, während Spektakel-Fußball dem TV Neidlingen ein Remis beschert. Von Reimund Elbe

Da war die Weilheimer Welt noch Ordnung - am Ende mussten sich die TSVW-Kicker dem TV Nellingen jedoch unglücklich geschlagen ge
Da war die Weilheimer Welt noch Ordnung - am Ende mussten sich die TSVW-Kicker dem TV Nellingen jedoch unglücklich geschlagen geben. Foto: Markus Brändli

Lars Zorn heißt der junge Mann, der am Freitagabend lokale Fußballhistorie geschrieben hat. Als der Unparteiische der Schiedsrichtergruppe Heidenheim um 19.30 Uhr in Rechberghausen die Bezirksligapartie des FCR gegen die SGEH anpfiff, setzte er nach 304 Tagen einen Schlussstrich unter die coronabedingte Punktspielpause.

Das 2:2 zwischen Gastgeber FC und der Sportgemeinschaft Erkenbrechtsweiler-Hochwang hätte fast noch einen weiteren denkwürdigen Moment beschert, was mit Florian Lenuzza zu tun hat. Jenem SG-Kicker, der am 28. Oktober 2020 per Eigentor („ich hatte eine gegnerische Flanke über den eigenen Torwart hinweg abgelenkt“) den letzte Vor-Lockdown-Treffer im Punktspielbetrieb des Bezirks Neckar/Fils bei der damaligen 0:2-Niederlage in Weilheim schoss. Ausgerechnet Lenuzza hätte diese Geschichte zu einer ganz verrückten machen können, fast das erste Tor beim Punktspiel-Wiederbeginn erzielt. Seinen gefährlichen Schuss wehrte FCR-Keeper Edgar Junker in der 20. Minute ab, doch Neuzugang Benjamin Kastl wurde anschließend zum perfekten Abpraller-Verwerter und somit Premiere-Torschützen der neuen Saison.

„Natürlich war es besonders, das erste Punktspiel nach dem Re-Start bestreiten zu können“, reflektierte Abwehrakteur Lenuzza, eine Woche noch Aushilfstorwart im verlorenen Bezirkspokalfinale gegen den FC Esslingen. Für ihn im Tor: Jürgen Rechner (49). „Das wird in den nächsten Wochen so bleiben, weil unsere etatmäßigen Keeper weiter fehlen werden“, berichtet Lenuzza. Mit der Zähler-Ausbaute zeigten sich die SG-Verantwortlichen nicht zufrieden, was an der „mangelhaften Chancenverwertung“ lag, die SGEH-Chefcoach Christian Mirbauer monierte. Dass es am Ende wenigstens zu einem Punkt reichte, lag an Dennis Oswald. Der köpfte den Ball in der 88. Minute zwar zunächst nur an die Latte, doch das zurückprallende Spielgerät beförderte er zum 2:2 über die Linie.

Pradler grüßt mit Hattrick

Alt aussehen beim Liga-Dino? Nicht der VfL. Die Kirchheimer siegten gestern Nachmittag beim TSV Neckartailfingen, mit nonstop 18 Jahren dienstältester Bezirksliga-Klub, 5:2. Ein Ausrufezeichen. Zum Nervenberuhiger wurde ein altbekannter Neuer: Rückkehrer Max Pradler lieferte vor der Pause gleich mal einen Hattrick zum Wiedereinstand ab. „Max zeigt sich körperlich unheimlich präsent, versucht durch Leistung zu überzeugen, hilft natürlich mit seiner Erfahrung unseren jüngeren Spielern“, zog VfL-Abteilungsleiter Marc Butenuth erste Zwischenbilanz.

Mit dem ehemaligen Weilheimer Salih Egrlic traf ein weiterer Sommertransfer mit guter Reputation in der Teckregion. „Unterm Strich vom gesamten Team ein Auftritt mit Herz und Hirn“, konstatierte Butenuth, auch wenn die Kirchheimer nach zwei Gegentreffern binnen 60 Sekunden kurz schwammen. Lust am Toreschießen hatte gestern übrigens auch ein Vorgänger Pradlers und Egrlics im Kirchheimer Sturm: Dominik Cseri kredenzte beim 3:2-Triumph des FC Eislingen in Nürtingen zwei Tore.

Neidlinger mit wildem Auftakt

„Die Oberen ärgern“ lautet der offizielle Saisonauftrag des TV Neidlingen. Gestern fingen die TVN-Kicker bereits damit an. Sie brachten Gastgeber FC Donz­dorf in höchste Nöte, doch praktisch mit der letzten Aktion markierte FCD-Akteur Mihael Kepic per spektakulärem Dropkick aus 20 Metern Entfernung das 4:4. „Extrem schade, wir waren nahe dran am Auswärtssieg und hatten zuvor Chancen zum 5:3“, stellte Neidlingens Spielertrainer Patrick Kölle nach dem Dauerregen-Match fest.

3:1 hatte der TV Neidlingen zwischenzeitlich geführt, unter anderem durch eine atemberaubendes Tor von Pascal Hartmann (36.) fast von der Mittellinie. „Trotz des späten Gegentreffers gibt uns der Punktgewinn Selbstvertrauen für das schwere Heimspiel am Donnerstag gegen den Topfavoriten FC Esslingen“, folgerte Kölle.

Führung nicht die halbe Miete

Drei Punkte für den VfL, je einen für Neidlingen und die SGEH, nix dagegen für den TSV Weilheim und TSV Jesingen. Bittere Erkenntnis jeweils: Ein Führungstreffer bedeutet nicht die halbe Miete. Die Jesinger, beim Abbruch der Saison 2020/2021 Tabellenletzter mit einem Zähler aus sieben Partien, begannen in Faurndau verheißungsvoll. Davor besorgte Messerschmidt Mitte der ersten Halbzeit das 1:0. Doch dann tat‘s richtig weh. Je ein Vorwärts-Treffer kurz und nach der Pause verschlechterte die Lage drastisch. Weilheims ehemaliger Landesli­gakeeper Jonas Schmidt musste bei seiner Premiere im Jesinger Dress sogar zwei weitere Male hinter sich greifen. „Wir ärgern uns gewaltig, weil wir guten Chancen zum 2:2 hatten“, kommentierte Jesingens Sportlicher Leiter Stefan Haußmann die 1:4-Niederlage. Jonas Schmidt, der in Budapest studiert, wird laut Haußmann bis Ende September zur Verfügung stehen, dann wieder in den nächs­ten Semesterferien.

Der TSV Weilheim führte derweil durch Amil Seferovic 1:0 gegen den TV Nellingen, und auch unter der Limburg war der Frust nicht klein. „Der vergebene Elfmeter war spielentscheidend“, haderte Chefcoach Oliver Klingler. In der 85. Minute scheiterte Kapitän Cagatay Ayyildiz beim Stand von 1:2 an TV-Keeper Frederic Esselmann.

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