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Die Raststätte für die Seele bleibt offen

Glauben Die Wendlinger Eusebiuskirche macht beim Projekt „Geöffnete Kirche“ mit und schließt nur noch nachts.

Diakonin Bärbel Greiler-Unrath hat das Projekt „Geöffnete Kirche“ nach Wendlingen geholt - erkennbar am blauen Signet.
Diakonin Bärbel Greiler-Unrath hat das Projekt „Geöffnete Kirche“ nach Wendlingen geholt - erkennbar am blauen Signet.

Wendlingen. Kirchen wollen Orte des Friedens, der stillen Einkehr und des Gebets sein - doch nur allzu oft ist die Tür verschlossen. Nicht so bei der evangelischen Eusebiuskirche in Wendlingen: Seit einigen Wochen steht die Türe des ehrwürdigen Gemäuers aus dem 15. Jahrhundert täglich von 9 bis 19 Uhr jedem offen, der es besuchen möchte. „Die Kirche gehört der ganzen Gemeinde. Wir wollen den Raum öffnen für alle“, erklärt Diakonin Bärbel Greiler-Unrath.

Seit 2008 gibt es das Projekt „Geöffnete Kirchen“ bei der evangelischen Landeskirche Baden-Württemberg. Die „Geöffneten Kirchen“ erkennt man vor Ort an einem blauen Signet an der Tür.

Die Gotteshäuser sollen Oasen der Ruhe, Orte der Besinnung und Begegnung mit Gott oder auch Zwischenstationen für Radfahrer oder Wanderer sein. Deutschlandweit läuft das Projekt mit großem Erfolg - weit über die Hälfte der 22 evangelischen Landeskirchen haben teilnehmende Kirchen in ihren Reihen.

Auch im Wendlinger Pfarramt geisterte die Idee bei dem Projekt mitzumachen schon seit Jahren herum - es fehlte allerdings an Freiwilligen. „Es war klar, dass wir Hauptamtliche das rein zeitlich nicht stemmen können“, sagt die 43-jährige Greiler-Unrath. Sie war die treibende Kraft hinter dem Projekt und hat über öffentliche Aufrufe ein Team von derzeit rund 20 Ehrenamtlichen zusammengestellt, das die Schlüsselhoheit hat.

Ein Angebot, das man eigentlich eher aus katholischen Kirchen kennt, wird in der Eusebiuskirche gerne angenommen: „Viele zünden eine Kerze an, das hat einfach eine besondere spirituelle Symbolik“, sagt Greiler-Unrath. Es sei einfach was Schönes, für eine Person - egal ob lebendig oder verstorben - ein Licht anzuzünden und an sie zu denken. „Seitens des Kirchengemeinderats war die Kerzengeschichte am wichtigsten“, so die Diakonin weiter. Weitere Angebote in der Eusebiuskirche neben Gästebuch und Kerzen sind ein kleiner Kirchenführer, der Gemeindebrief sowie ein Gebetsblatt. „Es ist wichtig, dass was da ist, wenn man was hinterlassen möchte wie die Kerzen oder das Gästebuch oder etwas, das man mitnehmen kann wie eben das Gebetsblatt“, sagt die Diakonin.

Sie wertet das Projekt schon nach wenigen Wochen als großen Erfolg, würde sich aber noch mehr Menschen wünschen, die sich bereit erklären, das Haus morgens zu öffnen und abends wieder zu schließen. „Ich hätte gerne ein Team von rund 30 Ehrenamtlichen“, wünscht sich Greiler-Unrath. Mitglied der Wendlinger Kirchengemeinde muss man übrigens nicht sein. Kerstin Dannath

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