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Die Rathaustüren bleiben zu: Der Chef darf blaumachen

Sommerzeit Die Sitzungssäle stehen leer – auch die Bürgermeister können mal durchatmen. Ihre freien Tage verbringen sie auf höchst unterschiedliche Weise. Von Cara Döhlemann

Die Sommerferien sind da, der Urlaub ruft. Sogar die, die sonst immer zuverlässig die Stellung halten, können jetzt mal durchatmen: die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Ländle. Ist auch bei ihnen durch die Pandemie das Fernweh gestiegen? Der Teckbote hat hinter die Türen der Rathäuser geschaut und die Chefs und Chefinnen befragt, wo‘s denn im Corona-Sommer hingehen soll. Nicht jeder wollte seine Urlaubspläne verraten, doch bei den meisten war die Vorfreude zu spüren.

Kirchheims Oberbürgermeister Dr. Pascal Bader pflegt die Tradition, einmal jährlich nur mit seinen Kinder zum Wandern übers Wochenende wegzufahren. „Das ist dann die Vorbereitung für den richtigen Urlaub“, erklärt er augenzwinkernd. Im großen Urlaub geht es zuerst mit der ganzen Familie mit dem Zelt nach Frankreich. „Dort sind wir immer am Campingplatz und gehen Kanu, Kajak und Fahrrad fahren“, berichtet das Stadtoberhaupt. Zweites Ziel ist ein kleines Ferienhaus an der Atlantikküste. „Für uns und die Kinder ist es super-schön am Meer. Mein älterer Sohn möchte dieses Jahr surfen lernen“, erzählt der sportliche Vater.

„Durch die Corona-Pandemie ist Urlaub ein sehr schwieriges Thema geworden, und das ein oder andere muss wegfallen“, erklärt der Kirchheimer Bürgermeister Günter Riemer. Er wird trotzdem Urlaub machen, aber eben Corona-konform. Seit sechs Jahren radelt er jeden Sommer mit seiner Familie und Freunden durch Teile von Deutschland. „Jedes Jahr ist eine andere Etappe der Deutschlandreise dran. Wir fangen immer da an, wo wir zuvor aufgehört haben“, berichtet der Zweiradfan. Dieses Mal ist die Route von Aachen durchs Ruhrgebiet bis nach Norderney an der Reihe. Günter Riemer ist bekanntlich engagierter Vorkämpfer für das verkehrpolitische Thema Fahrrad. Deshalb ist es für ihn wichtig, auch im Urlaub Erkenntnisse darüber zu sammeln, wie verbreitet das Fahrradfahren in Deutschland ist.

Im Rathaus in Weilheim sehen die Urlaubspläne ganz anders aus: Bürgermeister Johannes Züfle bleibt im Sommer gerne zu Hause. Er zieht es vor, im Winter in den Skiurlaub zu fahren und die kalten Tage im Jahr in der Ferne zu genießen. „In meinem bevorstehenden Sommerurlaub werde ich tageweise Verwandtschaft im Schwarzwald oder am Bodensee besuchen“, berichtet der Familienvater.

Florian Schepp, frischgebackener Bürgermeister von Holzmaden, verwirklicht diesen Sommer das, was letztes Jahr aufgrund von Corona nicht möglich war: „Meine Frau und ich unternehmen mit unseren zwei Kindern eine dreiwöchige Rundreise durch das schöne Kroatien mit dem Wohnmobil“, erzählt er voller Vorfreude. Die letzte Woche des Urlaubs verbringt die Familie auf einer kleinen kroatischen Insel weit draußen in der Adria. „Ein echter Geheimtipp“, verrät Florian Schepp und hüllt sich in Schweigen.

Bürgermeister Rainer Haußmann bleibt unabhängig von Corona im Sommer gerne in seinem Dettingen. „Urlaub passiert im Kopf, und ich möchte mich in meiner freien Zeit erholen und neu stabilisieren“, erklärt er. Das kann er am besten zu Hause. Hier genießt er die Natur beim Laufen und Wandern.

In der Kommune Notzingen verteilt sich die Arbeit nicht auf allzu viele Schultern. Deshalb liegen viele Aufgaben auf dem Rathaustisch. Bürgermeister Sven Haumacher hat kaum Zeit für freie Tage. Er bezeichnet sich aber durchaus als urlaubsreif und hofft, im Herbst noch wegzukommen. „Vielleicht geht es dann mit meiner Frau und meinen Kleinen in ein Familienhotel ins Allgäu“, berichtet er optimistisch.

Das Problem kennt Bürgermeis- terin Barbara Born aus Ohmden nur zu gut. Auch in ihrer Gemeinde bleibt bei einem 14-tägigen Urlaub zu viel Arbeit liegen. Deshalb bevorzugt die Rathauschefin Kurztripps über verlängerte Wochenenden. „Hier ist es so schön, es gibt genügend Ausflugsziele, um die freien Tage im Ländle zu genießen“, erklärt sie. Die Bürgermeisterin und ihre Kinder wollen auf jeden Fall mal wieder in die Bärenhöhle auf der Schwäbischen Alb und in die Wilhelma gehen.

Aufgrund der Pandemie entscheidet sich Owens Bürgermeis- terin Verena Grötzinger spontan, ob es in den Urlaub geht oder nicht. „Der Wunsch, ein bisschen wegzufahren, ist da, aber ich möchte trotzdem auf die derzeitige Corona-Lage achtgeben“, betont sie. Die Stadtchefin musste schon im vergangenen Jahr ihren Urlaub verschieben. Deshalb hofft sie, dass es im September klappt.

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