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Die Reben werden in Form gebracht

Serie Ein Jahr lang begleitet der Teckbote den Weilheimer Hobby-Weingärtner Rainer Bauer bei seiner Arbeit. Im März biegt und bindet er die kräftigsten Zweige nach unten, damit sie später gut tragen. Von Bianca Lütz-Holoch

Die Zweige von 400 Spätburgunder-Stöcken befestigt Rainer Bauer an den Drähten.Fotos: Carsten Riedl
Die Zweige von 400 Spätburgunder-Stöcken befestigt Rainer Bauer an den Drähten.Fotos: Carsten Riedl

Eine Bauernregel sagt: „Wie das Wetter zu Frühlingsanfang, ist es den ganzen Sommer lang.“ Sollte der Bauernkalender recht behalten, dann stünde dem Weilheimer Weingärtner Rainer Bauer und seinen Kollegen ein gutes Jahr bevor. Denn an diesem Tag herrscht strahlender Sonnenschein an der Limburg. Wie Frühling fühlt es sich aber noch nicht an: Es ist klirrend kalt, und über Nacht hat sich ein Hauch von Schnee wie Puder über die Wiesen gelegt. Ideal ist dieses Wetter für die Arbeit im Weinberg nicht. Rainer Bauer kommt aber trotzdem jeden zweiten Tag her, um nach seinen Reben zu sehen. Wenn die Zweige nicht gerade steifgefroren sind, nutzt er die Zeit für einen wichtigen Arbeitsschritt: das Herunterbinden der Ruten.

„Pflanzen möchten immer nach oben wachsen“, sagt Rainer Bauer und biegt zwei der drei Zweige, die der Rebe nach dem Schnitt im Winter noch geblieben sind, nach unten - so lange, bis sie sich fast im 90-Grad-Winkel zum Stamm befinden. Ast Nummer drei lässt er stehen. Er dient lediglich als Ersatz und wird gekappt, sobald die zwei kräftigsten Ruten die Eisheiligen unbeschadet überstanden haben.

Idealerweise sieht eine Rebe nach dem Biegen aus wie ein „T“. Die beiden Fruchtruten wachsen dann also waagrecht vom Stamm weg. So haben all die Knospen - meist sind es acht bis zehn pro Zweig - genügend Licht und Platz, um auszutreiben. „Damit erreichen wir, dass später der ganze Stock gute Früchte trägt“, erläutert Rainer Bauer. Ließe man die Reben dagegen einfach das tun, was in ihrer Natur liegt, also geradewegs in die Höhe wachsen, ginge das auf Kosten des Ertrags. „Die ganze Flüssigkeit würde nach oben schießen und lediglich die obersten Knospen versorgen.“ Die unteren Teile der Pflanze dagegen würden verkümmern.

Das Prozedere, um die Reben in die richtige Form zu bringen, wiederholt Rainer Bauer rund 400 Mal. So viele Spätburgunder-Stöcke bewirtschaftet er an den steilen Hängen der Limburg. Befestigt werden die Zweige an Drähten, die entlang der Reben gespannt sind. „Früher hat man zum Festbinden Weiden benutzt“, erzählt der Weilheimer Hobby-Weingärtner. Er selbst nimmt kleine Plastikclips. „Die sind praktisch und haben sich bewährt.“

Allzu gut darf das Wetter für das Herunterbinden übrigens gar nicht sein. „Am besten ist es, wenn es gerade geregnet hat“, weiß Rainer Bauer. Dann sind die Ruten geschmeidig und lassen sich besonders gut biegen. „Sind die Zweige zu trocken oder gefroren, besteht die Gefahr, dass sie brechen.“

Dass es Ende März noch einmal so kalt geworden ist, stellt für den Wein kein Problem dar. „Für Frost ist es jetzt noch ein guter Zeitpunkt“, so Bauer. Noch ist die Flüssigkeit nämlich nicht aus den Wurzeln in die Pflanze geschossen. „Friert es, wenn die Pflanze schon im Saft steht, können die Reben aufplatzen“, beschreibt der 64-Jährige ein gefürchtetes Szenario. Alles in allem ist kräftiger Frost im Winter aber von Vorteil: „Schädlinge wie zum Beispiel Milben sterben dann ab“, so der Hobby-Wengerter.

Weinbau Wein Reben Bauer Weilheim Limburg Weinberg Erziehen Binden
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