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Die Revolutionäre gehen in die Vollen

Wirtschaft Am Freitag fällt der süffige Startschuss für die Kirchheimer „Braurevolution“ in der neuen Brauerei. Vorerst kann das Bier vor Ort nur gekauft werden, bald soll ein Ausschank dazukommen. Von Thomas Zapp

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Für sie ist das trotzdem Glas halb voll: In einer Zeit, in der Gastronomie-Betriebe massiv unter den Einschränkungen der Corona-Pandemie leiden, gehen Felix Ungerer und Marc Schmidt in die Vollen: Am Freitag vor Pfingsten eröffnen die beiden Bierbrauer die neue Heimat ihrer „Braurevolution“ in Kirchheim. Das eigens gebraute Festbier wurde „Startschuss“ getauft und ist ein Märzen-Bier.

Es ist ein Startschuss mit Vorlauf: Vor sechs Jahren in einem ehemaligen Drogerie-Markt gegründet, haben sie nun mithilfe des Investors, Projektplaners und Besitzers Axel Wagner auf dem Gelände im Kirchheimer Faberweg das, wovon ­Craftbeer-Brauer träumen: Die vom Kirchheimer Büro mehr*archtitekten entworfene, 680-Quadratmeter-Halle im modernen Industriedesign, mit viel Glas und hellem Epoxidharz-Boden besticht durch ihre Helligkeit. Der Bauantrag wurde 2018 gestellt, Baubeginn war dann aber erst im Oktober 2019. Nach mehr als einem Jahr Bauarbeiten und Einrichtung ist die Freude bei allen Beteiligten nun umso größer.

Mussten die beiden gelernten Brauer und Mälzer vorher „Wanderbrauer“ ohne eigene Brauanlage in der Kirchheimer Stiftsscheuer ihr Bier brauen, verfügen sie jetzt über einen dekorative Zehn-Hektoliter-Braukessel mit Kupfermantel. „Das ist ein ganz neues Gefühl“, schwärmt Marc Schmidt, der vor wenigen Tagen auch noch Vater der kleinen Hedda geworden ist. Sie ist nicht der einzige Grund, warum bei ihm die Nächte gerade kürzer sind: Viele Ideen und Details beschäftigen ihn und seinen Partner Felix Ungerer. Denn die beiden haben die 16 Lagertanks mit und acht ohne Mantelkühlung, zehn Gärtanks, den Flaschenfüller und die Praktika-Flaschenwaschanlage aus den 70ern alles gebraucht gekauft und selbst hergerichtet. „Die Waschanlage stand vorher in einem Apfelweinbetrieb, da haben wir noch Etiketten herausgeholt“, erzählt Felix Unger. Die Etikettiermaschine haben sie von einem Winzer. Diese Füll-Linie soll in der Produktion viel Zeit sparen. Gespart haben sie auch dank „toller Unterstützung von Freunden und den Familien“, fügt Felix Ungerer hinzu. Rohre schweißen, Maschinen reinigen, die Dampfheizung für die Sudpfanne einbauen, alles bis auf die Elektronik ist Marke Eigenmontage.

„Wir kennen hier jede Schraube“, sagt Felix Ungerer stolz. Das trifft auch auf die gezimmerte Theke und die selbst geschweißten Barhocker zu. Die corona­bedingten Verzögerungen wussten die beiden Jungunternehmer daher gut für ihre Zwecke zu nutzen. Weihnachten im vergangenen Jahr haben sie in Notzingen das letzte Bier verkauft, der erste Sud in der neuen Kirchheimer Heimat wurde bereits in der ersten Märzwoche gebraut.

Die Gastlichkeit muss aber vorbehaltlich neuer Lockerungen der Corona-Auflagen warten: Wenn sie am 21. Mai, Punkt 9 Uhr, mit dem Bierverkauf starten, wird nach heutigem Stand weder Gers­tensaft ausgeschenkt, noch gibt es kleine, regionale Snacks oder Mahlzeiten. Die Brauer konzentrierten sich derzeit voll auf die Produktion von momentan 5000 Litern und ihre vier aktuellen Sorten mit den revolutionären Namen ­Meuterei, ein Weizen, Aufruhr, ein Vollbier, das Pils Revolte, und die „Randale“ hat da das Ale praktischerweise schon im Namen. Wenn die Produktion auf Hochtouren läuft, sollen jedes Jahr mehr als 200 000 Liter Bier abgefüllt werden. Dazu muss natürlich auch die Gastronomie laufen, inklusive Biergarten auf der 78 Quadratmeter gro­ßen Außenfläche. Die Braurevolutionäre hoffen, schon bald mit ihren ersten Gästen mit einer frischen Hal­ben auf den vollen Erfolg anstoßen zu können.

Info Die Braurevolution befindet sich im Faberweg 24/1 in Kirchheim. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr und am Samstag von 9 bis 14 Uhr.

Blick von oben auf die neue Heimat der „Braurevolution“.
Blick von oben auf die neue Heimat der „Braurevolution“.
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