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Die „Risiken einer Fahrt im Bus“ sind nicht zu groß

Corona Der Antrag der SPD auf Alternativen zum ÖPNV für besonders gefährdete Menschen ist gescheitert.

Kirchheim. Durch Inzidenz- und Impfzahlen hat sich ein Thema erledigt, das der Vorsitzende der SPD-Gemeinderatsfraktion, Marc Eisenmann, im Februar eingebracht hatte: Er wollte eine Alternative zum öffentlichen Nahverkehr schaffen, und zwar für „vulnerable Personengruppen“. Wer also wegen seines Alters - über 60 Jahre - oder wegen Vorerkrankungen in Pandemie-Zeiten besonders gefährdet ist, ernsthaft an Covid-19 zu erkranken, hätte die Möglichkeit erhalten sollen, ein „ruftaxi-ähnliches Angebot“ innerhalb Kirchheims wahrnehmen zu können. Es ging darum, sich nicht „den Risiken einer Fahrt im Bus aussetzen zu müssen“.

Die Stadtverwaltung hat inzwischen tatsächlich ein Angebot eingeholt, was allerdings eine Rechnung mit sehr vielen Unbekannten bedeutete: Weder ließ sich abschätzen, wie viele Personen wirklich von einem solchen Service Gebrauch machen würden, noch war klar, wie viele Kilometer zu fahren gewesen wären, oder gar, wie viele Fahrzeuge zum Einsatz hätten kommen sollen.

Eine weitere Schwierigkeit: Dieser Service hätte keine Konkurrenz für den regulären Linienverkehr darstellen dürfen. Es hätte also einer Abholung an der jeweiligen Haustür bedurft und einer Vorbestellungszeit von 45 Minuten. Dennoch lag der Verwaltung ein Angebot vor, das monatliche Kosten von knapp 10 000 Euro mit sich gebracht hätte. In der Praxis wäre es aber sicher teurer geworden, weil das Angebot nur eine Vorbestellung per App vorgesehen hatte. Eine telefonische Buchung hätte die Kosten auf jeden Fall erhöht. Die Erfahrung mit den Kirchheimer Freibad-Tickets im vergangenen Sommer hatte aber bereits gezeigt, dass eine rein digitale Buchungsmöglichkeit an einem nicht unerheblichen Teil der Zielgruppe komplett vorbeigeht.

Fazit der Kirchheimer Stadtverwaltung: „Im Hinblick auf die mittlerweile voranschreitende Impfung vor allem der vulnerablen Gruppen und des lokal nicht stark ausgelasteten regulären ÖPNV sollte aus Sicht der Verwaltung ein ruftaxi-ähnliches Angebot nicht weiter verfolgt werden.“

Dieser Ansicht schloss sich letztlich auch Marc Eisenmann an, der im Gemeinderat leicht süffisant feststellte: „Man muss nur lange genug warten, bis sich ein Antrag als gegenstandslos erweist.“ Den Grund dafür fand er immerhin erfreulich: „Es ist schön, dass Corona derzeit abebbt.“ Dennoch empfahl er, die Pläne und das Angebot nicht zu weit wegzuschieben: „Wir werden das wieder brauchen.“ Für den Augenblick wenigs­tens konnte er zustimmen, „dass man es jetzt gerade nicht mehr braucht“. Andreas Volz

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