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Die Welt hat jeder nur geliehen

Zum Leserbrief „Schüler bestrafen“ vom 1. März

Lieber Herr Kromer, Ihre Einschätzung zur Person Greta Thunberg teile ich nicht. Ihre Darstellung überrascht mich sehr. Ganz kurz zu mir: Ich bin 52 Jahre alt und Vater von zwei tollen jungen Damen (19 und 16).

Nach allem, was ich über Greta weiß, ist es keineswegs so, dass die Erwachsenenwelt um sie herum sie benutzt, um „Positionen/Meinungen“ in die Welt zu bringen. Bei Greta ist bereits vor geraumer Zeit das Asperger-Syndrom diagnostiziert worden. Eine psychische Erkrankung, die leider viele Probleme mit sich bringt. Aber auch den unschätzbaren Vorteil, Dinge zu sehen, die wir als „aufgeklärte“ Erwachsene nicht sehen können/wollen.

Greta setzte in ihrer Familie das Verbot von Flugreisen durch. Von Davos in ihre schwedische Heimat bedeutet das eine 30-stündige Zugfahrt. Gemeinsam mit ihrem Papa wohlgemerkt. Ihre Mutter ist eine international gefragte Opernsängerin. Auch sie reist - auf Gretas Drängen hin - zu ihren Auftritten mit der Bahn. Darüber hinaus setzte sie in ihrer Familie eine vegane Ernährungsweise durch. Ihren verpassten Schulstoff holt sie im Übrigen in ihrer Freizeit nach. Eltern und ihre Lehrer haben den freitäglichen Schulstreik nicht gutgeheißen.

Ich finde Ihren Ansatz gut, Herr Kromer, dass die Kinder und Jugendlichen inhaltlich an diesem für uns alle so wichtigen Thema „Klimaerwärmung“ arbeiten sollten. Wenn wir Erwachsene es aber nun mal nicht auf die Reihe bekommen, für die notwendigen Veränderungen zu sorgen, sollten wir uns nicht über die vielen Gretas in unserer Welt wundern, sondern sie nach Kräften unterstützen. Die Welt haben wir alle nur geliehen für unsere Zeit, die uns hier bestimmt ist.

Wenn Ihnen Greta weiterhin zu jung ist: Schauen Sie sich bitte unseren Helden aus dem All an, Alexander Gerst. Er bringt es auf den Punkt und entschuldigt sich schon heute für unser Verhalten bei seinen künftigen Nachfahren.

Mein Appell an alle: Denkt mal drüber nach, ob Greta und Astro-Alex nicht doch recht haben. Und fangt direkt heute bei euch vor der Haustür damit an.

Peter Müllner, Kirchheim

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