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Digitalisierung mit Maß und Ziel

Zum Artikel „Bär will weniger Datenschutz“ vom 24. Dezember

Es ist ein höchst fragwürdiger Vorgang, wenn die Staatsministerin Dorothea Bär einen Abbau von Datenschutz im Bereich des Gesundheitswesens fordert, um die Digitalisierung möglichst schnell voranbringen zu können. Die Sicherheit von Gesundheitsdaten sollte hier einen Vorrang haben vor einer Digitalisierung, bei der durch mangelnden Datenschutz sensible Daten an die Öffentlichkeit geraten. Niemand, der an einer schweren Erkrankung, etwa an einer Krebserkrankung leidet, will, dass dies durch Datenschutzabbau am Ende öffentlich wird. Immer wieder ist von Hackern zu hören, die heute fast jede Datenbank knacken können. Aktuell sind politische Parteien auf Bundesebene Opfer von Hackerangriffen geworden, deren Daten öffentlich gemacht worden sind.

Angesichts solcher Realitäten muss einem Abbau von Datenschutz im Gesundheitswesen und einer Digitalisierung, die mit politischen Wildwestmethoden durchgesetzt werden soll, widersprochen werden. Generell hat man den Eindruck, dass die Digitalisierung immer mehr den Charakter einer Ersatzreligion angenommen hat, die als quasireligiöses Heilsversprechen den Menschen vermittelt wird. Die negativen Seiten werden hierbei weitgehend verschwiegen. So beklagen Ärzte, dass sie durch die ihnen von Politik und Krankenkassen immer stärker auferlegten Dokumentationspflichten im Computer weniger Zeit für die Arbeit am Patienten haben. In der Verwaltung ist das, was früher auf dem kurzen Dienstweg und schnell über einen Telefonanruf, ein Fax oder ein Mail erledigt worden ist, heute oft zeitaufwendig über komplizierte Computerprogramme einzugeben. Niemand hat etwas gegen eine Digitalisierung mit Maß und Vernunft, etwa wenn es um das schnelle Internet im ländlichen Raum geht, aber Übertreibungen und Fehlentwicklungen müssen benannt werden.

Peter Schuster, Notzingen

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