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Diskussionsstoff in Donzdorf

Fußball Das Bezirkspokalfinale wird zum ersten Höhepunkt in der Szene. Doch nicht alle Beteiligten sind von der kurzen Vorbereitungszeit und des engen Terminplans begeistert. Von Reimund Elbe

Das Fußball-Bezirkspokalfinale hat Erkenntnisse gebracht. Beispielsweise jene, dass der erstmalige Cupgewinner JC Donzdorf durch das überzeugende 5:0 gegen Lokalrivale FC Donzdorf viele Argumente für eine tragende ­Rolle im kommenden Bezirksliga-Titelkampf sammelte. Die respektable Kulisse von 650 Zuschauenden lieferte zudem den Beweis für die Sehnsucht des Publikums nach Rückkehr zur Normalität.

Doch auch dies gehört zum Erkenntnisgewinn: Die Hauruck-Aktion schnell anberaumter Halbfinalpartien plus Endspiel binnen drei Tagen, für die betroffenen Klubs verbunden mit einem kurzfristigen Einstieg in den realen Trainingsbetrieb, hat eine rege Diskussion ausgelöst. Die aus der Not der Pandemie heraus geborene Idee, das Halbfinale und das Endspiel je nach Lage noch im Sommer anzusetzen, löste Diskussionen aus. Selbst der Cupsieg-Wegbereiter sah den Husarenritt mitten im Freudentaumel distanziert. „Eigentlich habe ich nie muskuläre Probleme“, sagte Tolunay Gedik, JC-Schütze zum 1:0. Doch diesmal fühlten sich seine Beine nach dem Spiel schwer an, der Pokal-Husarenritt binnen 72 Stunden nach acht Monaten Pflichtspielpause sei intensiv gewesen. Teamkollege Marius Nigl plagten in der Schlussphase Wadenkrämpfe.

Während Gedik und Nigl mit den weniger belasteten oberen Extremitäten später den Pokal nach oben reckten, sah FC-Trainer Heiko Diehl ein paar Meter weiter stehend die Angelegenheit noch kritischer. „Im Prinzip ein Unding, mit nur drei Wochen Vorlaufzeit und so langer Wettkampfpause diese Spiele zu absolvieren, die Verletzungsgefahr ist hoch“, haderte der Coach kurz nach Spiel­ende.

Diehl stand noch ganz unter dem Eindruck der Ereignisse Minuten zuvor. Debütant Adrian Fürst hatte sich im Rasen den Fuß verdreht, musste mit dem Krankenwagen in eine Klinik gebracht werden. Keeper ­Giuseppe Riolo zog sich in der Frühphase des Matchs bei einer Flugaktion eine Verletzung im Oberkörper zu. Nach 52 Minuten musste er schließlich passen - ob die Verletzungen direkte Folgen einer zu kurzen Vorbereitungszeit sind? Sehr spekulativ.

FC-Routinier Benjamin Klement reihte sich unterdessen in die Gruppe der Kritiker ein. „Wir haben hier in Donzdorf mit diesem Derby im Finale eine tolle Veranstaltung erlebt“, rekapitulierte der 31-Jährige, doch ganz wohl habe er sich wegen der knappen Vorbereitungszeit auf dem Platz nicht gefühlt. „Es sind eben die kurzen Antritte, das Körperliche, die Lauf­intensität, die nach acht Monaten Zwangspause wieder abgerufen werden müssen“, so Klement. Andererseits habe er die Freude gespürt, wieder Fußball spielen zu können.

Veit: Losentscheid kein Thema

Bezirksspielleiter Johannes Veit stellte in diesem Zusammenhang klar, dass ein Auslosen des Teilnehmers am WFV-Pokal seitens des Verbands nicht akzeptiert worden sei, ein Bestimmen des Bezirkscupsiegers ebenso keine Option war. Dem Vernehmen nach habe es auch im Bezirksvorstand intensive Diskussionen über den vermeintlich besten Weg gegeben - mit dem Resultat, den Wettbewerb bis 4. Juli zu Ende zu bringen - der letztmögliche Termin, um einen Starter für den WFV-Pokal zu melden.

JC-Trainer Michael Hoskins sah die Angelegenheit etwas entspann­ter. „Ich fand die Entscheidung gut, den Bezirkspokal noch zu Ende zu spielen, und bei einer Inzidenz unter zehn auch vertretbar“, so der ehemalige U19-Coach des VfR Aalen. Auch wenn die Vorbereitungszeit kurz gewesen sei, müsse es „einfach weitergehen“. Vergangene Woche sei er in Amerika gewesen. „Bei einer Inzidenz von 85 liefen alle Leute normal herum“, so seine Beobachtung.

Zu den eher Entspannten zählte auch Endspiel-Schiedsrichter Lukas Wolf. Er habe sich im Lockdown immer fit gehalten, kürzlich hätte auch das Training der Schiedsrichtergruppen wieder begonnen. Wolf: „Bei mir überwiegt ganz eindeutig die Erleichterung, dass es wieder losgeht.“

Johannes Veit zog als Bezirkspokal-Koordinator der wohl ungewöhnlichsten Pokalrunde in der Geschichte des Bezirks Neckar/Fils derweil dieses Fazit: „Ich bin froh, dass sie vorbei ist.“

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