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Dompteur der vielen Tasten und Knöpfe

Musik Ulrich Schlumberger ist nicht nur ein Virtuose auf seinem Akkordeon, sondern gibt sein Wissen auch mit Leib und Seele an viele Schüler weiter. Von Rainer Kellmayer

Von Klassik bis Tango: Ulrich Schlumberger ist überall zu Hause.Foto: Rainer Kellmayer
Von Klassik bis Tango: Ulrich Schlumberger ist überall zu Hause.Foto: Rainer Kellmayer

Das Akkordeon hat Ulrich Schlumberger schon als Kind begeistert. „Als Sechsjähriger hörte ich einer Cousine beim Üben zu. Ich war Feuer und Flamme für das imposante Instrument mit den vielen Tasten und Knöpfen und einem Balg, der mit Luftdruck den Ton erzeugt“, erzählt der Musiker, der an der Städtischen ­Musikschule Esslingen die Akkordeonklasse leitet.

Die Begeisterung für das Akkordeon hat ihn bis heute nicht losgelassen. Im Konzertsaal und auf der Theaterbühne ist er ebenso zu Hause wie bei Umrahmungen von Lesungen oder im Unterrichtsraum. „Die Vielseitigkeit des Instruments ist faszinierend: Stilis­tisch und klanglich gibt es kaum Grenzen“, schwärmt der 52-Jährige. Zwischen Bach und Mozart fühle er sich genauso wohl wie bei Tangos von Astor Piazzolla, und auch mit den herben Klängen zeitgenössischer Musik gebe es keine Berührungsängste.

Als Theatermusiker hatte Schlumberger aufregende Erlebnisse: Beim Musical „Ludwig 2“ stand er in Füssen auf der Bühne. Und auch für Schauspielmusiken am Stuttgarter Staatstheater, am Stadttheater Trier oder an der Württembergischen Landesbühne Esslingen wird der Akkordeonist immer wieder engagiert. Aktuell studiert er im Ensemble der Jungen Oper Stuttgart „Die Verurteilung des Lukullus“ ein. Diese wird im November im Stuttgarter Opernhaus über die Bühne gehen.

Wie viele Musiker startete Ulrich Schlumberger zunächst mit der Blockflöte. Doch das Instrument füllte ihn nicht aus: Schon bald wechselte er aufs Akkordeon. Nach dem Abitur erhielt der junge Musiker die höheren instrumentalen Weihen in Trossingen. Zunächst studierte er einige Semes­ter am Hohner-Konservatorium, später nahm ihn der international bekannte Akkordeonist Professor Hugo Noth in seine Klasse an der Musikhochschule auf. „Vom Nes­tor der modernen europäischen Akkordeonmusik habe ich in puncto zeitgenössische Spieltechniken und Stilistik viel gelernt“, erinnert sich Schlumberger.

Nach dem Musiklehrer-Diplom ging es weiter nach Duisburg: In der Außenstelle der Folkwang Hochschule Essen führte ihn Professorin Mie Miki in einem Aufbaustudium zur Künstlerischen Reifeprüfung. Schon bald ­wurde die Fachwelt auf den aufstrebenden Akkordeonisten aufmerksam: Im Jahr 2000 erhielt er ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg. Zahlreiche Konzertverpflichtungen machten ihn in der Szene bekannt und erweiterten seinen künstlerischen Radius. Es folgten CD-Einspielungen mit zeitgenössischer Musik. Und auch bei Wettbewerben war der Akkordeonist erfolgreich, wie beim Solowettbewerb „Torneo Internazionale di Musica“ in Weimar und einem hochkarätig besetzten Akkordeonwettbewerb in Mannheim.

Auch als Kammermusiker wurde Schlumberger mehrfach ausgezeichnet. „Zusammen mit meiner Frau, der Pianistin Carmen Ruiz-­Merino, gewann ich beim internationalen Akkordeonwettbewerb im Nordrhein-Westfälischen ­Moers in der Ensemblewertung einen ersten Preis.“ Und auch bei einem europaweit ausgeschriebenen Kammermusikwettbewerb in Klingenthal erreichte das Duo einen Spitzenplatz.

Doch die künstlerische Tätigkeit ist nur eine Seite der Medaille - die andere zeigt den passionierten Musikpädagogen an der Städtischen Musikschule Esslingen. In seiner ruhigen und geduldigen Art schafft er den Spagat zwischen musikalischem Anspruch und der Motivation seiner Eleven durch einen lebendigen Unterricht. Das Credo des Musiklehrers: Der Schüler muss Freude an der Musik haben und nach der Unterrichtsstunde glücklich nach Hause gehen. Zum positiven Musikerlebnis trage auch das elfköpfige Akkordeonensemble bei, in dem Jugendliche und Erwachsene mit großer Begeisterung gemeinsam musizieren. Kein Wunder: Mit Musical- und Filmmusiken wie „Cats“, „Fluch der Karibik“ oder „James Bond“ punktet der Ensembleleiter. Damit hält er seine Spieler ebenso bei Laune wie mit klassischen Werken zwischen Bach und Mozart: „Musik muss Spaß machen und den Menschen im Innersten berühren.“

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