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Durchblick im Tunnel

Leseraktion Am vergangenen Samstag gab es speziell für die Teckboten-Leserinnen und -Leser eine Führung im Albvorlandtunnel. Es gab tiefe Einblick unter Tage, aber auch bei strahlendem Sonnenschein. Von Iris Häfner

Da war die Gruppe schon wieder auf dem Rückweg in der nördlichen Röhre, die die Tunnelbohrmaschine Sibylle gegraben hat. Hier si
Da war die Gruppe schon wieder auf dem Rückweg in der nördlichen Röhre, die die Tunnelbohrmaschine Sibylle gegraben hat. Hier sind die Schienen schon verlegt. Fotos: Markus Brändli

Am Ende der Führung haben sich die Gummistiefel dann doch noch bewähren können: Eine große, mehrere Zentimeter tiefe Pfütze musste durchquert werden - oder man stand einfach mittendrin, um den Worten von Sebastian Heinel, Teamleiter Besucherdienst beim Verein Bahnprojekt Stuttgart-Ulm, lauschen zu können. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der besonderen Besichtigungstour schon ziemlich viel über den Bau des Albvorlandtunnels, insbesondere, was sich in Wendlingen derzeit alles abspielt.

Die Führungen am Samstag waren ausschließlich für die Leserinnen und Leser des Teckboten reserviert. Bei strahlendem Sonnenschein standen sie unter der schattenspendenden Brücke am Wendlinger Bahnhof. Jede volle Stunde fuhr ein Bus zu den Bürocontainern, die am Tunnel­eingang mit Großer und Kleiner Wendlinger Kurve stehen.

Zunächst gab es einen etwa einstündigen Überblick über die ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm. „Das war eine schöne Kooperation, die sich mit dem Teckboten ergeben hat“, begrüßte Sebastian Heinel die Gäste. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bürgerinnen und Bürgern über das einmalige Bahn-Projekt in jeder Bauphase zu informieren, sei es in Stuttgart oder auf der Strecke. „Im Dezember ist hier im Albvorlandtunnel Strom auf der Leitung. Das sind 15 000 Volt - dann sind die Besuchergruppen durch. Sie haben eine der letzten Chancen ergattert“, beglückwünschte er seine Zuhörerinnen und Zuhörer.

Nach der Theorie ging‘s los. Zunächst musste sich jeder baustellenkonform einkleiden: mit Einwegsocken in die roten Gummistiefel rein, Warnweste an und Helm auf. Zum Schluss gab es noch ein elektronisches Ortungskärtle um den Hals, nicht dass jemand verloren geht. Von oben konnte man auf die Kleine Wendlinger Kurve schauen - wie sie verläuft und auf die Brücke zuführt. Die Große Wendlinger Kurve ist ebenfalls schon weit fortgeschritten, auch über deren Verlauf konnte sich jeder und jede ein Bild machen.

Endlich näherte sich die Gruppe dem Tunnel. Mit jedem Schritt wurde es kühler, der Anblick begeisterte: eine Lichtshow der ganz eigenen Art erwartete die Besucherinnen und Besucher. Weiße Lichtröhren waren in regelmäßigen Abständen an der rechten Tunnelwand angebracht. Immer mal wieder gab es ein blaues Lichtband - und irgendwann ein grünes. „Die Farben haben eine Bedeutung. Bei den blauen Licht­ringen sind die Löschwasserrohre installiert, bei dem grünen ist der Querschlag. Das heißt, wir sind jetzt 500 Meter tief im Tunnel. In 500 Meter kommt die nächste Verbindung der beiden Tunnelröhren“, erklärte Sebastian Heinel. Sollte es zu einem Zwischenfall im Zugverkehr kommen, müssen die Reisenden maximal 250 Meter bis zum Fluchtweg in die Parallel-Röhre zurücklegen.

Sebastian Heinel sprach über die Arbeit auf den Tunnelbohrmaschinen und welch exakte Logistikplanung dem Ganzen vorausging. Jeder der 60 000 Tübbing­steine hat seine eigene Form, „Lochung“ und Barcode. Alle mussten punktgenau vom großen Tübbinglager auf dem Hungerberg in Dettingen zum Einbau in den Tunnel transportiert werden. Produziert wurden sie direkt bei der Firma Leicht in einem eigens dafür gebauten Betonwerk.

Das war auch der Grund für eine Besucherin, an der Führung teilzunehmen. Sie arbeitet bei der Firma Leicht. „Das war damals unheimlich laut und ich wollte wissen, was die Männer in ihren Zehn-, Zwölf-Stunden-Schichten geleistet haben“, hat sie heute noch großen Respekt vor dieser schweren Arbeit. Ein Besucher ist Modelleisenbahner. Er dokumentiert für sich den Abschnitt vom Aichelberg bis zum Tunnel. „Wenn ich später im Zug sitze und durch den Tunnel fahre, kann ich jedem sagen: Da war ich schon zu Fuß“, freut sich ein anderer Teilnehmer schon jetzt auf die ungläubigen Blicke seiner Mitreisenden.

So sieht der Einbau der betonierten Schienen aus.
So sieht der Einbau der betonierten Schienen aus.
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