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E-Autos sind umstritten

Elektromobilität Die Bundestagskandidaten im Wahlkreis Nürtingen bewerten die Stromer unterschiedlich. Wie sieht der Verkehr der Zukunft aus? Von Anke Kirsammer

Bei der Ladeinfrastruktur sehen viele Politiker Nachholbedarf.Foto: Markus Brändli
Bei der Ladeinfrastruktur sehen viele Politiker Nachholbedarf.Foto: Markus Brändli

Auf Deutschlands Straßen sind mehr als eine Million Elektroautos unterwegs. Gehört dem E-Antrieb die Zukunft, und welchen Stellenwert hat er bei der Energiewende? Dazu hat der Teckbote die Kandidaten der im Bundestag vertretenen Parteien befragt.

Für den Kirchheimer CDU-Abgeordneten Michael Hennrich ist das Rennen entschieden. „Alle großen Automobilhersteller setzen auf E-Mobilität“, sagt er. Auch wenn er zugibt, dass er leichte Zweifel hat, ob der komplette Umstieg funktioniert: „Es ist vergossene Milch zu denken, da ändert man noch was.“ Für spannend hält der CDU-Politiker die Frage, wo die saubere Energie herkommt. Neben Solar und Wind ist für Michael Hennrich bei einem Energiemix auch Wasserstoff ein Thema. Der Umstieg auf E-Mobilität bedeute eine gewaltige Herausforderung. „Ich bin aber zuversichtlich, dass ein Hochtechnologieland wie Deutschland das schaffen kann.“

Elektrischen Antrieben gehört auch gemäß dem SPD-Abgeordneten, Dr. Nils Schmid, die Zukunft. „Wir wollen diese Entwicklung gestalten, damit die Autoindustrie Leitindustrie bleibt und die Zukunft der kleinen und mittelständischen Zulieferer gesichert ist.“ Stromtanken solle so einfach werden wie bisher das Tanken von Benzin und Diesel. Als Kanzler wolle Olaf Scholz jährlich 100 000 Ladesäulen für Elektroautos bauen. 2030 sollen laut Nils Schmid in Deutschland mindestens 15 Millionen Autos voll elektrisch fahren. Für noch wichtiger hält er den Umstieg auf Bahn, Bus und Rad. „Das wollen wir durch ein 365-Euro-Jahresticket auch im Gebiet des VVS fördern.“

Verbesserte Angebote von Bus und Bahn und attraktive Radwege stellt auch der Grünen-Abgeordnete Matthias Gastel obenan. Klar ist für ihn aber ebenfalls, dass sich beim Pkw der elektrische Antrieb durchsetzt. Wegen seiner höheren Energieeffizienz sei er gegenüber dem Verbrenner ökologisch im Vorteil. „Dieser Vorteil vergrößert sich durch Verzicht auf Kobalt und die Reduzierung anderer problematischer Rohstoffe, durch mehr Ökostrom, längere Akku-Lebenszeiten und ein verbessertes Recycling. Als Zwischenspeicher könnten E-Autos die Energiewende unterstützen. „Wir wollen den Ausbau der Ladeinfrastruktur beschleunigen und die Bezahlung einfacher machen.“

Für die FDP-Bundestagsabgeordnete Renata Alt ist E-Mobilität ein wesentlicher Bestandteil des Verkehrsmix der Zukunft. Die politische Fixierung darauf greife aber zu kurz. Stattdessen müssten alle Antriebsarten, die emissionsarmes Fahren ermöglichen, gleichermaßen vorangetrieben werden. „Wir wollen auch eine Wasserstoff-Offensive mit Investitionen in Forschung und Infrastruktur.“ Insgesamt müsse innovativer und technologieoffener gedacht werden. „Wir brauchen den Ausbau erneuerbarer Energien und müssen den CO2-neutralen Betrieb von Verbrennungsmotoren fördern.“ Klimafreundliche synthetische Kraftstoffe seien eine Alternative, so Renata Alt.

„Wir fördern Elektromobilität im öffentlichen Verkehr, also bei Straßenbahnen, Zügen und Bussen“, sagt der Kandidat der Linken, Hüseyin Sahin. So viel Strom aus erneuerbaren Energien, wie für Elektroautos benötigt werde, gebe es dagegen nicht. Zudem ließe sich der Abbau der Rohstoffe nicht sozial- und umweltgerecht verwirklichen. Ein Auto koste die Allgemeinheit unter anderem durch Straßenbau, Gesundheits- und Umweltschäden viel Geld. „Das benötigen wir für den Ausbau eines kostenlosen Personennahverkehrs, der auch den ländlichen Raum abdeckt“, so Hüseyin Sahin. Der Kauf gewerblich genutzter, rein elektrisch betriebener Fahrzeuge könne im Ausnahmefall subventioniert werden.

Von einer „rein ideologischen Fixierung auf die E-Mobilität“, spricht die AfD-Kandidatin Kerstin Hanske. Sie sei klimapolitisch unsinnig und stelle die meisten Menschen vor ungerechte finanzielle Belastungen. „Die Verbrenner-Technologie ist die ökonomischste und ökologischste, die wir haben.“ Kerstin Hanske setzt auf die schnelle Entwicklung synthetischer Kraftstoffe, mit denen sich Verbrennungsmotoren fast CO2-neutral betreiben ließen. Die Ladeinfastruktur bezeichnet sie als „wunden Punkt“ der E-Mobilität. Geringverdiener könnten sich wahrscheinlich keinen Stromer leisten und seien auf den ÖPNV angewiesen. Der Kauf eines E-Autos sei eher ein Prestigesymbol als sinnvoll.

Meist lädt Kerstin Banzhaf ihr E-Auto in der heimischen Garage.
Meist lädt Kerstin Banzhaf ihr E-Auto in der heimischen Garage.
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