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Ein brennendes Problem ist gelöst

Corona Die Esslinger Feuerwehr sollte 20 000 Schnelltests an Schulen und Kitas ausliefern. Weil es bei der Spedi­tion logistische Schwierigkeiten gab, holten die Einsatzkräfte die Tests selbst in Neu-Isenburg ab. Von Simone Weiß

Nachdem die Esslinger Wehr die begehrte Ware selbst abgeholt hat, sortieren und verpacken die Mitglieder der Feuerwehrabteilung
Nachdem die Esslinger Wehr die begehrte Ware selbst abgeholt hat, sortieren und verpacken die Mitglieder der Feuerwehrabteilung Wäldenbronn die Schnelltests am Samstagvormittag.Foto: Roberto Bulgrin

Sie kom­men erst so rich­tig auf Tou­ren, wenn es ir­gend­wo brennt. Das ist ihr Job. Das sind sie ge­wohnt. Und das ist auch gut so. Denn sie muss­ten ein ganz be­son­ders bren­nen­des Pro­blem lö­sen: Die Feu­er­wehr Ess­lin­gen soll­te nach den Os­ter­fe­ri­en die Ver­tei­lung von et­wa 20  000 Co­ro­na-Schnell­tests an Schu­len und Ki­tas im Stadt­ge­biet über­neh­men. Doch auf­grund lo­gis­ti­scher und or­ga­ni­sa­to­ri­scher Pro­ble­me wur­den die Schnell­tests nicht recht­zei­tig an­ge­lie­fert. Da grif­fen die Brand­be­kämp­fer zur Selbst­hil­fe.

Kri­sen­ma­nage­ment macht ihm Spaß. Aber in die­sem Fall hielt sich der Spaßfak­tor von An­dre­as Gundl in en­gen Gren­zen. „Schön ist an­ders“, er­klärt der ge­stan­de­ne Feu­er­wehr­mann und Lei­ter der Stabs­stel­le „Be­son­de­re Ge­fah­ren­ab­wehr“ bei der Feu­er­wehr Ess­lin­gen. Bis Don­ners­tag ver­gan­ge­ner Wo­che hät­ten die Schnell­tests für die Schu­len und Ki­tas ei­gent­lich in Ess­lin­gen an­kom­men müs­sen. Doch am Frei­tag­mor­gen teil­te der Städ­te­tag in ei­nem Rund­schrei­ben mit, dass der Zeit­plan völ­lig durch­ein­an­der ge­ra­ten sei.

Das Land Ba­den-Würt­tem­berg hat­te ei­ne Spe­di­ti­on in Neu-Isen­burg im hes­si­schen Land­kreis Of­fen­bach mit der An­lie­fe­rung be­auf­tragt. Die­se Spe­di­ti­on hat­te ih­rer­seits ei­nen Sub­un­ter­neh­mer für die Fahrt nach Ess­lin­gen ver­pflich­tet - doch der war völ­lig über­las­tet und konn­te den Auf­trag nicht er­le­di­gen. Ei­ne Aus­lie­fe­rung der Tests wä­re da­her nur um Ta­ge ver­spä­tet und frü­hes­tens zur Wo­chen­mit­te mög­lich ge­we­sen.

Die­se Si­tua­ti­on schür­te den Ehr­geiz und heiz­te die Lo­gis­tik­ma­schi­ne der Ess­lin­ger Feu­er­wehr an: Nach meh­re­ren Te­le­fo­na­ten, in­ter­nen Ab­spra­chen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Win­kel­zü­gen schick­te die Wehr am Frei­tag ge­gen 12 Uhr ei­nes ih­rer ei­ge­nen Lo­gis­tik­fahr­zeu­ge mit zwei Eh­ren­amt­li­chen am Steu­er auf die Fahrt nach Neu-Isen­burg - zur per­sön­li­chen Ab­ho­lung der Schnell­tests. Ei­ne frü­he­re Be­nach­rich­ti­gung, so ­An­dre­as Gundl, hät­te die La­ge we­ni­ger feu­rig ge­macht und mehr Zeit für ei­ne Lö­sung ge­las­sen: „Aber wir sind es ge­wohnt, mit sowas um­zu­ge­hen.“

Schnell ka­men die Schnell­tests al­so nicht nach Ess­lin­gen. Aber sie ka­men. Und so mach­ten sich am Sams­tag­mor­gen zehn Eh­ren­amt­li­che der Ab­tei­lung Wäl­den­bronn in der Ge­schäfts­stel­le der Feu­er­wehr co­ro­nakon­form mit Ab­stand und Mas­ke ans Werk. Ih­re Auf­ga­be war es, die Schnell­tests ein­zu­tei­len, zu sor­tie­ren und zu ver­pa­cken.

Et­wa 140 Aus­ga­be­stel­len wer­den im gan­zen Stadt­ge­biet laut An­dre­as Gundl be­lie­fert - Ki­tas und Schu­len in städ­ti­scher und frei­er Trä­ger­schaft so­wie an­de­re Bil­dungs­ein­rich­tun­gen. Und für je­de ein­zel­ne An­lauf­stel­le schnür­ten die Feu­er­wehr­leu­te un­ter­schied­lich gro­ße Päck­chen - je nach An­zahl der be­nö­tig­ten Schnell­tests. Klei­ne­re Men­gen ka­men in Pa­pier­tü­ten, ei­ne grö­ße­re An­zahl wur­de in Kar­tons ver­staut. Die Ab­tei­lung Wäl­den­bronn un­ter Kom­man­dant Alf Kar­nath ist auf Be­völ­ke­rungs­schutz spe­zia­li­siert, er­klärt An­dre­as Gundl. Sie kommt et­wa bei Hoch­was­ser zum Ein­satz und konn­te nun ih­re spe­zi­el­len Fer­tig­kei­ten auch im Kampf ge­gen Co­vid-19 un­ter Be­weis stel­len. Da­für gibt es ei­ne klei­ne Auf­wands­ent­schä­di­gung. Aber schon die Ver­pfle­gung wäh­rend des stun­den­lan­gen Ar­bei­tens sei schwie­rig, so An­dre­as Gundl. Denn we­gen der Co­ro­na-Be­stim­mun­gen dürf­ten kei­ne Spei­sen und Ge­trän­ke ver­teilt wer­den. Dank des ei­ge­nen En­ga­ge­ments konnten die Eh­ren­amt­li­chen am Mon­tag­mor­gen die Schnell­tests in sie­ben Fahr­zeu­gen an die Schu­len und Ki­tas aus­lie­fern. Ver­tre­ter der Feu­er­wehr sei­en auch Mit­glie­der in der städ­ti­schen „Task­force Schnell­tests“, be­rich­tet Ge­samt­kom­man­dant Oli­ver Knör­zer. Und sie hät­ten die Ver­tei­lung für die ers­te Zeit nach den Fe­ri­en über­nom­men, weil „wir die Man­power und Fahr­zeu­ge so­wie die Lo­gis­tik da­für ha­ben“.

Al­ler­dings hofft An­dre­as Gundl, dass un­er­wünsch­te Pan­nen wie die bei der Aus­lie­fe­rung der Schnell­tests künf­tig un­ter­blei­ben: Sol­che Si­tua­tio­nen möch­te er den 40 Haupt­amt­li­chen und et­wa 250 Eh­ren­amt­li­chen der Feu­er­wehr Ess­lin­gen nicht all­zu oft zu­mu­ten. Für die­se Wo­che sei die Aus­lie­fe­rung der Schnell­tests ge­re­gelt. Doch wie es da­nach wei­ter­geht, dar­über lie­gen ihm noch kei­ne Er­kennt­nis­se vor.

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