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Ein Dorf will die Energiewende vorantreiben

Pilotprojekt Neue Technik könnte bestehende Biogasanlagen effizienter machen.

Bad Boll Die Bürger von Bad Boll hatten das Thema eigentlich schon abgehakt: Seit acht Jahren produziert die Biogasanlage vom Aussiedlerhof Aichele neben Strom auch Wärme, die man für die großen Firmen im Kurareal nutzen könnte. Nur kam da nie etwas zustande. Jetzt hat sich Timm Engelhardt von der Energieagentur im Landkreis Göppingen dahintergeklemmt. Sein Vorschlag, dies in einem geförderten Projekt zu untersuchen, kam im Gemeinderat gut an.

Timm Engelhardt hat auch Ingenieure angestupft. Und die würden die Bad Boller Biogasanlage liebend gern zu einer Pilotanlage machen. Denn: Aus dem Rohstoff, der in eine Biogasanlage wandert, könne man sehr viel mehr Ertrag herausholen. Man müsste dazu nur das Kohlendioxid, das reichlich als Abfallprodukt entsteht, in Methan umwandeln. Dafür bräuchte man wiederum Energie, aber die ließe sich aus überschüssigem Strom holen, der alle Tage an Windrädern und Fotovoltaikanlagen entsteht. Das Problem: Die Aicheles müssten erheblich investieren. Das müsste sich durch Zuschüsse rechnen.

Eduard Freiheit schwärmt von dieser Idee: „Eine Weltneuheit!“ Er ist Ingenieur für elektrische Energietechnik und hat ein Ingenieurbüro in Zell. Schon seit 20 Jahren ist er Kreisvorsitzender der Mittelstandsvereinigung der CDU. CO2 mache sage und schreibe 40 Prozent der entstehenden Gasmenge aus, verdeutlicht er. Ausgerechnet der „Klimakiller“. Der Gewinn einer Biogasanlage sind die 60 Prozent Methan die Strom und Wärme liefern.

Die Techniker stehen bereit. „Power to Gas“ heißt das Verfahren, und im Grunde macht es die Natur vor, sagt Eduard Freiheit. „Wir bauen hier die Fotosynthese nach.“ Wasser wird in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Der Wasserstoff wandert an die Stelle des Sauerstoffs im CO2 und man bekommt Methan; Sauerstoff wird frei. Wie bei den Pflanzen, sagt Freiheit, die durch Lichtenergie Wasser spalten und Nährstoffe gewinnen.

Für Bad Boll hätte man auch schon eine Anlage aus Forschungsbeständen. Die Landwirte Aichele müssten natürlich investieren, und zwar in die Methanisierungsanlage, die angedockt würde, und vor allem in eine Fotovoltaikanlage, die die „Power“ für die chemische Umwandlung bringen soll. Freiheit schlägt die Größenordnung von 750 Kilowatt Spitzenleistung vor. Das ist eine ganze Menge.

Die Familie Aichele hat bereits eine Solarstromanlage mit 30 Kilowatt Maximum, mit der sie ihre Biogasanlage und den Hof versorgen. Das sind statistisch 30 000 Kilowattstunden im Jahr.js

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