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Ein fatales Signal

Zum Artikel: „Merkel droht Ländern mit Bundesgesetz“, 29. März

Seit Langem erweckt die Kanzlerin den Eindruck, ausschließlich ihre Einschätzung sei die einzig richtige und nur Maßnahmen, die sie für geeignet hält, können das Virus besiegen.

Jetzt ist sie es leid, ständig Kompromisse eingehen zu müssen, die nachher von den Länderchefs nicht in ihrem Sinne umgesetzt werden. Nun also massive Drohungen, bis hin zum Bundesgesetz, um dann von Berlin aus, bis in den letzten Flecken unserer Republik hinein, die Macht ausüben zu können, ohne lästige Ministerpräsidenten-Konferenzen abhalten zu müssen.

Ein massives Infektionsgeschehen ist nicht mit dem Rasenmäherprinzip zu lösen, es erfordert regionale, differenzierte Lösungen. Warum sollen in einer dicht besiedelten Großstadt dieselben Regeln und Einschränkungen gelten wie in einem dünn besiedelten, ländlichen Gebiet? In der Gesundheitspolitik gibt der Bund den Rahmen vor, für die Umsetzung sind jedoch die Länder zuständig, und das muss auch in Zukunft so bleiben. Die Zuständigkeiten im Gesundheitswesen jetzt aus Bequemlichkeit oder aus Machtanspruchsdenken zentralisieren zu wollen, ist ein fatales Signal. Ist erst einmal damit begonnen, Kompetenzen der Länder aufzulösen, kann das gefährliche Begehrlichkeiten wecken. Wir haben in Deutschland aus gutem Grunde den Föderalismus. Er ist nicht perfekt. Aber immer noch besser als eine Zentralregierung, in der sich auf Dauer alle Macht konzentriert. Denn das hatten wir schon einmal!

Frau Merkel, allein Ihre Gedankenspiele zu diesem Thema sind brandgefährlich. Tun Sie uns und Deutschland einen Gefallen, nehmen Sie Ihren imaginären Hut und gehen Sie. Und bitte, nehmen Sie auch Ihre „Experten“ gleich mit, denn die geben sowieso nur das von sich, was Sie, Frau Merkel, hören wollen.

Jürgen Wannenwetsch, Kirchheim

Corona und der „Overshoot-Day“

Zum Leserbrief „Weil Zukunft Fläche braucht“ vom 27. März

Der Leserbriefschreiber knüpft an den Hungerberg die Hoffnung, mit weiteren Effizienzsteigerungen („bahnbrechende Innovationen“ nennt er es) könne man die Zukunft der Erde noch retten. Natürlich brauchen wir neue, umweltfreundliche Technologien. Aber: die Erfahrung der vergangenen 100 Jahre zeigt, dass noch jeder Effizienzfortschritt (Dampfmaschine, Glühbirne, Gas, Erdöl, Atomkraft) nicht zu einer Verringerung des Naturverbrauchs, Energie- und Ressourcenbedarfs geführt hat, sondern im Gegenteil zu weiterer Steigerung.

Sichtbar wird das durch die Berechnung des „Overshoot-Day“, des „Erd-Übernutzungstags“. Seit 50 Jahren schießt unser Wirtschaften immer mehr über die planetaren Grenzen hinaus (overshoot). Deshalb wanderte der Tag, an dem wir bereits verbraucht haben, was für das ganze Jahr reichen sollte, im Kalender ständig weiter nach vorn, für Deutschland lag er 2019 bereits am 3. Mai!

Und nun wird’s spannend: Was keine Technologie seither erreicht hat, hat Corona geschafft: Durch die erzwungene Reduktion von Wirtschaft und Verkehr wandert der „Übernutzungstag“ 2021 zum ersten Mal wieder nach hinten - auf den 21. August!

Gibt es eine klarere Antwort auf die Frage, was für die Zukunft wichtig ist? Kreislaufwirtschaft und Effizienz allein reichen nicht aus, wenn nicht eine Reduktion dazu kommt. Wir brauchen in allen Bereichen weniger und nicht mehr. Die Automobilbranche wird auf dem Hungerberg aber nicht an ihrer eigenen Abschaffung arbeiten wollen. Alle anderen Behauptungen sind Augenwischerei. Eine Reduktion kann nur politisch gewollt und durchgesetzt werden - oder es wird sie gar nicht geben, weil der Markt allein das gar nicht kann. Deswegen lehne ich das Hungerberg-Projekt ab.

Martin Brost, Dettingen

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