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Ein Gastwirt verliert die Nerven

Polizei Ein Jugendlicher tritt die Scheibe eines Gasthauses ein, anschließend fährt der Wirt mit seinem Jeep auf den 17-Jährigen und seine Begleiter zu. Hat es einen Zusammenstoß gegeben? Die Polizei ermittelt. Von Thomas Zapp

Der Bereich des vermeintlichen Zusammenstoßes war weiträumig abgesperrt. Am Tag danach sind noch Blutspuren zu erkennen. Fotos:
Der Bereich des vermeintlichen Zusammenstoßes war weiträumig abgesperrt. Am Tag danach sind noch Blutspuren zu erkennen. Fotos: zap/7aktuell Nico Schmid

Die Blutspuren an der Alleenstraße sind noch markiert, mehr als 20 weiße Zeichen sind zu sehen, welche die Polizeibeamten am Tatort gemacht haben. Sie sind die letzten Spuren eines Vorfalls, der für Aufregung in Kirchheim gesorgt hat. Die Meldung, dass ein Fahrzeug in der Innenstadt am späten Samstagabend in eine Menschengruppe gefahren ist, hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Schnell werden Assoziationen mit einem Anschlag geweckt, aber in diesem Fall konnte die Polizei frühzeitig Entwarnung geben.

Bei dem Fahrer handelte es sich nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen um einen Gastwirt, der drei Jugendliche zur Rede stellen oder möglicherweise angreifen wollte. Nach Angaben der Polizei hatte zuvor ein 16-jähriger Jugendlicher gegen 22 Uhr die Scheibe an einem Gasthaus am Schlossplatz eingetreten und sich dabei eine blutende Verletzung zugezogen.

Die Gruppe entfernte sich dann in Richtung Schloss. Der 48-jährige Gastwirt hatte den Vorfall offenbar mitbekommen, setzte sich hierauf in seinen Jeep Wrangler und machte sich auf die Suche nach der Gruppe. Im Bereich der Alleenstraße/Ecke Schülestraße konnte er die Gruppe auf dem Gehweg stehend entdecken. Nach Angaben der Jugendlichen soll er dann über die Gegenfahrbahn und einen Grünstreifen hinweg direkt auf die Gruppe zugefahren sein.

An dieser Stelle gehen die Aussagen der Beteiligten auseinander. Zwei 16 und 17 Jahre alte Jugendliche gaben an, dass er sie mit seinem Fahrzeug erfasst habe und sie sich leichtere Verletzungen zugezogen hätten. Ein 20-Jähriger soll dem Jeep ausgewichen sein und sich dabei das Bein verstaucht haben. „Dafür liegen noch keinerlei Beweise vor“, heißt es beim zuständigen Sprecher des Polizeipräsidiums in Reutlingen. Die Blutstropfen auf dem Gehsteig stammen laut Polizei jedenfalls von der Verletzung, die sich einer der Jugendlichen beim Tritt in die Glasscheibe zugezogen hat. Wie es im Polizeibericht weiter heißt, flüchtete der Fahrer des Jeeps im Anschluss an die gefährliche Aktion, wurde jedoch im Laufe der Fahndung gefunden. Die Kriminalpolizei ermittelt nun gegen ihn wegen des Anfangsverdachts auf ein versuchtes Tötungsdelikt. Den 16-Jährigen, der die Scheibe am Gasthaus eingetreten hatte, erwartet ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung.

Viel wichtiger dürfte aber die Frage sein, ob es tatsächlich zu einer Berührung zwischen Fahrzeug und Jugendlichen gekommen ist. Da die Beteiligten darüber widersprüchliche Angaben machen, sucht das Polizeirevier Kirchheim unter Telefon 0 70 21/50 10 noch Zeugen.

Am Tag danach herrscht im gut bürgerlichen Gasthaus am Kirchheimer Schlossplatz Hochbetrieb. Auf Nachfrage gibt es bei den Angestellten betretene Gesichter aber keine Auskunft. Auch ob und wo es Beschädigungen am Gasthaus gegeben habe, ist nicht zu erfahren. Allerdings sind bei einem Rundgang um das Haus auf dem Weg zum Hintereingang Glassplitter und ein Pappkarton im beschädigten Fenster zu sehen. Der Jugendliche muss sportlich auf der Höhe gewesen sein oder hatte eine Hilfestellung beim Tritt - das Fenster ist mehr als hüfthoch.

Die gute Nachricht nach der ersten medialen Aufregung lautet demnach: Es gab weder einen terroristischen Anschlag in Kirchheim noch war es eine „Menschenmenge“, in die das Fahrzeug gefahren ist. Inwieweit Vandalismus und in der Folge gefährliche Fahrweise und Bedrohung im Spiel waren, muss die Polizei nun klären.

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