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Ein Jahr wachsen und ausprobieren

Freiwilligendienst Vier junge Leute berichten von ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr. Ob sie im Jugendhaus, im Kindergarten oder an der Grundschule waren – alle haben dabei fürs Leben oder auch die berufliche Zukunft gelernt.

Leonie Gölz und Sevinc Sarikaya sammeln Erfahrungen im Naturkindergarten Bissingen und im Jugendtreff Weilheim.Fotos: pr
Leonie Gölz und Sevinc Sarikaya sammeln Erfahrungen im Naturkindergarten Bissingen und im Jugendtreff Weilheim.Fotos: pr

Sie beweisen Kreativität, Flexibilität und Durchhaltevermögen: Freiwilligendienstleistende des Kreisjugendrings Esslingen unterstützen die Kinder- und Jugendarbeit im Kreis auch während der Coronapandemie. Die Einsatzgebiete und persönlichen Möglichkeiten sind dabei vielfältig.

„Ich bin in diesem Jahr auf persönlicher Ebene so stark gewachsen wie noch nie zuvor“, sagt Benedikt Franz, der sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an der Grundschule in Owen absolviert. Er überbrückt damit die Zeit bis zum Beginn seiner Ausbildung. „Gleich am Anfang wurde mir meine größte Sorge genommen: dass mich die Kinder nicht akzeptieren“, sagt Benedikt Franz. „Sie haben mich stattdessen gefragt, ob ich mit ihnen etwas spielen könnte.“ Die Zeit im Lockdown war für ihn teilweise herausfordernd, da der reguläre Schulalltag fehlte und damit gewohnte Aufgaben wegfielen. Stattdessen half er in der Notbetreuung und beim Einrichten der neuen Schüler-Tablets, die jeden Tag neu angepasst wurden. Im Laufe seines FSJ sammelte Benedikt Franz vielfältige Erfahrungen in verschiedenen Bereichen. Sich durchzusetzen, klare Regeln aufzustellen und einen passenden Umgang mit den Kindern zu finden zählen ebenso dazu wie spannende Einblicke ins Lehrerzimmer und ins Kollegium.

„Ich kann mich selbst ganz neu ausprobieren“, sagt Sevinc Sarikaya, die ein Freiwilliges Soziales jahr im Kinder- und Jugendtreff in Weilheim leistet. Nachdem sie bereits während der Schulzeit ein Praktikum im Jugendhaus gemacht hatte, war für sie klar: „Ich möchte später mit Kindern und Jugendlichen arbeiten“. Um diesem Ziel näherzukommen, hat sie sich früh entschieden, ein FSJ im Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu absolvieren. Besonders gut gefällt ihr dabei, mit unterschiedlichen Alters- und Zielgruppen zu arbeiten und somit auch ganz verschiedene Angebote zu gestalten.

„Ich wusste zum Beispiel gar nicht, wie kreativ ich bin“, sagt sie.Auch für ihre berufliche Zukunft hat sich das FSJ gelohnt, denn Sevinc Sarikaya startet im September ihr duales Studium für soziale Arbeit beim KJR Esslingen. Genau das bieten Freiwilligendienste: Die Möglichkeit, die eigenen Stärken im praktischen Arbeiten herauszufinden, Berufserfahrung zu sammeln und sich selbst auszuprobieren.

„Wir haben jeden Tag aufs Neue mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun“, sagt Linus Lutz, der seinen Freiwilligendienst im Mehrgenerationenhaus Linde in Kirchheim absolviert. „Die Vielfalt hier ist wirklich unglaublich.“ Von der Kleinkindgruppe über Jugendliche bis hin zum Seniorentref - er kommt mit allen Altersgruppen und sozialen Schichten in Kontakt. Da die Einrichtung mehrere Stellen anbietet, können sich die Freiwilligen die Aufgaben untereinander aufteilen. „Es gibt Ferienprogramme, Kochangebote, Schul-AGs, Konzerte und Veranstaltungen und noch so viel mehr. Da findet man immer etwas, das einem Spaß macht“, so Linus Lutz.

Nicht in allen Einsatzstellen gibt es mehrere Freiwilligendienstleistende. Austauschmöglichkeiten mit anderen bieten daher begleitende Seminare des KJR Esslingen, in denen es neben dem Austausch auch um persönliche Weiterbildung und -entwicklung geht. Die Auseinandersetzung mit sich selbst, den eigenen Stärken, aber auch der eigene Anteil an Themen wie Nachhaltigkeit oder Diskriminierung in der Gesellschaft, stehen im Mittelpunkt.

Leonie Gölz ist FSJlerin im Naturkindergarten in Bissingen. Freiwilligendienst heißt für sie, jeden Tag im Freien zu sein, egal bei welchem Wetter. „Das musste ich eine Weile ausprobieren, bis ich gut gerüstet war für alle Temperaturen und Wetterbedingungen“, sagt sie. Mittlerweile ist sie „eindeutig wetterfester“ geworden. „Nur bei den Angeboten müssen wir eben je nach Jahreszeit und Wetter schauen, was wir machen.“

Die Möglichkeiten sind dabei nahezu unbegrenzt. „Jeder Tag ist besonders, weil wir immer neue Sachen entdecken und die Natur direkt erleben“ sagt Leonie Gölz. Durch die Unternehmungen und die Arbeit im Freien hat sie auch für sich viel dazugelernt: „Ich bin auf jeden Fall viel selbstständiger und auch offener geworden“.kjr

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