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Ein Koch für alle Gänge

Basketball Kirchheims Dauerbrenner hat um eine weitere Saison verlängert. Der 32-Jährige geht damit in sein neuntes Jahr im Trikot der Knights. Von Bernd Köble

Ein gewohntes Bild, das es so vermutlich auch in der neuen Saison geben wird: Tim Koch im Knights-Trikot auf dem Weg zum Korb.Fo
Ein gewohntes Bild, das es so vermutlich auch in der neuen Saison geben wird: Tim Koch im Knights-Trikot auf dem Weg zum Korb.Foto: Tanja Spindler

Basketballer sind, wie man weiß, äußerst kreative Selbstvermarkter. In Klub-Insignien spiegelt sich so ziemlich alles, was die Tier- oder Fabelwelt an kraftstrotzender Symbolik hergibt. Bei den Rittern in Kirchheim hängt deshalb streng genommen das Bild seit Jahren schief. Hier die edlen Kämpfer, die ihrem Herrn im Mittelalter ewige Treue schworen, dort ein Sport, in dem jeder austauschbar ist und die meisten es am Ende einer Saison auch werden.

Doch es gibt Ausnahmen. Eine heißt Tim Koch. Der 32-jährige Dauerbrenner hat beim Zweitligisten aus Kirchheim seinen zuletzt auf drei Jahre datierten Vertrag verlängert und geht damit bereits in seine neunte Saison im Trikot der Knights. Schon jetzt ist der im badischen Dürn geborene Blondschopf alleiniger Rekordhalter in Sachen ritterlicher Treue. Länger als er war keiner bei den Knights. Von 2009 bis 2011 als Kooperationsspieler des Erstligisten aus Ludwigsburg zunächst nur Gelegenheitsgast in der Sporthalle Stadtmitte, zählt er seit seiner Rückkehr 2015 aus der BBL zum Kirchheimer Stammpersonal. Koch ist das Gesicht der Knights und die Knights wissen seine Loyalität offenbar zu schätzen. Als im Coronajahr das finanzielle Zähneklappern einsetzte, war der Mann mit der eindrucksvollen Dreier-Quote und den scharfen Krallen in der Defensive der Einzige, der spontan Gehaltsverzicht anbot.

Koch war alles schon: Teamkapitän, Topscorer, tragische Figur. In den letzten drei Jahren haben ihn größere und kleinere Verletzungen mehrfach aus dem Tritt gebracht. Der Verein hat in diesen Zeiten zu ihm gehalten, auch als Kritik lauter wurde. Vergangene Saison hat Koch bewiesen, dass er trotz seines inzwischen fortgeschrittenen Basketball-Alters ein Spiel noch immer mit entscheiden kann. „Wir glauben, dass noch viel guter Basketball in ihm steckt“, sagt Knights-Geschäftsführer Chris Schmidt, für den der 32-Jährige das ist, was jeder Verein braucht: eine Identifikationsfigur.

Spieler wie er werden nicht allein an Rebounds und Punkten gemessen. Auch an Qualitäten, die auf den ersten Blick kaum einer sieht. Koch ist einer, der defensiv die Drecksarbeit macht und der seine Rolle auch dann klaglos akzeptiert, wenn es wie zuletzt darum geht, für das Mannschaftsziel zurückzustecken. Er will zeigen, dass er immer noch der Alte ist. „Ein Stück weit ist mir das in dieser Saison gelungen“, sagt er. „Aber nicht in der Konstanz, die ich mir gewünscht hätte.“ Deshalb ein weiteres Jahr, deshalb noch einmal eine neue Chance.

Viele davon wird es nicht mehr geben. „Zwei bis drei Jahre würde ich schon noch gerne auf diesem Niveau spielen“, sagt er. Sollte das nicht klappen, sollte der Körper streiken, wäre er mit sich im Reinen. Dass er nach einem starken Einstand in der BBL unter dem damaligen Ludwigsburger Coach Steven Key den Weg zurück in die Zweite Liga genommen hat, hat er nie bereut. „Hier in Kirchheim fühle ich mich pudelwohl“, sagt Tim Koch. Hier steht die eigene Rolle mit der der Mannschaft im Einklang: die des chronisch unterschätzten Underdogs. „Die Meisterschaft erwartet hier keiner von uns“, sagt Koch. „Das macht uns am Ende so gefährlich.“

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