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Ein Kraftpaket, das niemals still steht

Unterhaltung Der Unterensinger Extremsportler und Schauspieler Markus Ertelt lädt jeden Montag bekannte Gäste zu einem zehnminütigen Livetalk ein, in dem es um alles, nur nicht um Corona geht. Von Sandra Langguth

Markus Ertelt reißt im RTL-Format „Showdown - Die Wüsten-Challenge“ die Arme in die Höhe. 2018 holte der Unterensinger den Staff
Markus Ertelt reißt im RTL-Format „Showdown - Die Wüsten-Challenge“ die Arme in die Höhe. 2018 holte der Unterensinger den Staffelsieg.

Wenn Markus Ertelt eine Sache nicht gut kann, dann ist es nichtstun. Der Schauspieler, passionierter Extremsportler, Lauf-Veranstalter und zweifache Vater aus Unterensingen hat gerne viel um die Ohren. „Ich kann die Beine nie ruhig halten“, sagt der 42-Jährige lachend.

Durch das Corona-Virus hat seine Karriere nun erst mal eine Vollbremsung erlitten. Seit Herbst keine Drehs, keine Wettkämpfe, keine Veranstaltungen. Im Oktober stand Markus Ertelt das letzte Mal vor der Kamera. „Wir haben einen Fernsehfilm fürs ZDF gedreht“, verrät der gebürtige Stuttgarter. Wann der ausgestrahlt wird? „Keine Ahnung“, zuckt er die gestählten Schultern. Eine Pilotserie, die eigentlich geplant war, liegt ebenfalls erst mal auf Eis. „Von November bis Ende Februar finden wegen des Wetters sowieso weniger Drehs statt. Aber jetzt mit Corona ist das noch mal anders“, erklärt Markus Ertelt.

Auch von seinen vier Extrem-Hindernisläufen „Gettingtough - The Race“, die er gemeinsam mit einem Partner organisiert, konnte vergangenes Jahr lediglich einer stattfinden. „Wir hatten ein gutes Konzept. Es durften halt nur 1000 Leute starten. Das war ok, aber noch mal würde ich es nicht machen“, sagt er über den immensen Aufwand und die Wirtschaftlichkeit - die sollte schließlich immer noch gegeben sein.

Erstes Buch ist fast fertig

Was also tun, wenn es nichts zu tun gibt? Ganz klar, sich was einfallen lassen. Markus Ertelt steckt gerade in den letzten Zügen seines ersten Buches, das er zu Beginn der Pandemie vor knapp einem Jahr begonnen hat. „Die ursprüngliche Idee war, einen Ratgeber mit Übungen zu schreiben und zu zeigen, was jeder möglichst effizient für sich tun kann. Dann ist das Ganze aber viel komplexer geworden“, sagt der Sport-Experte, der seine Frau in einem Kirchheimer Fitnessstudio kennengelernt hat. Nun geht es neben gesunder Ernährung auch darum, wie überhaupt der Einstieg ins Training gelingen kann und wie das Dranbleiben funktioniert. „Ich bin seit 30 Jahren aktiver Sportler, und auf der Waage hat sich seit 20 Jahren nicht sehr viel getan“, freut sich der Buchautor.

Er selbst kommt auf sieben bis zehn Stunden Training die Woche, ein Einsteiger sei mit vier bis fünf Stunden schon gut beraten. „Ich bin Frühaufsteher und mache meine Einheiten gleich morgens auf nüchternen Magen. Aber das muss jeder für sich selbst herausfinden.“ Der Fokus liegt bei ihm zu 80 Prozent auf der Kraft. „Wenn man sieht, dass man ab 35 pro Jahr ein Prozent der Muskulatur verliert, kommt mit der Zeit ganz schön was zusammen.“ Laufen geht der durchtrainierte Papa von fünfjährigen Zwillingsmädchen zwei- bis dreimal pro Woche, wobei die lange Einheit auch schon mal 30 Kilometer umfasst.

Das ist trotzdem nichts im Vergleich zu dem, was Markus Ertelt noch vor ein paar Jahren abgespult hat. „Da waren das pro Woche zwischen 120 und 200 Kilometer.“ Und das, obwohl er sich vor zehn Jahren nicht vorstellen konnte, je einen Marathon zu laufen. „In Kombination mit Hindernissen hat das aber durchaus seinen Reiz.“ Dass es auch ohne geht, hat er sich erst vergangenen Sommer wieder bewiesen. „Da bin ich im Urlaub an der Ostsee einfach mal 80 Kilometer gelaufen. Meine Frau hat fast einen Anfall bekommen“, lacht er. Nach neun war er wieder da. „2017 bin ich das in sieben Stunden gelaufen“.

Das neueste Projekt des Schauspielers, der im Alter von zehn mit seinen Eltern nach Lenningen zog, hat dagegen mit Extremen nichts zu tun. Seit einigen Wochen lädt Markus Ertelt jeden Montag einen prominenten Gast zu einem Talk im Livestream ein. Bekannte Sportler wie Sabrina Mockenhaupt-Gregor, Patrick Esume oder Axel Schulz standen ihm schon Rede und Antwort. Letzteren hat er 2002 bei einem Wettkampf kennengelernt, bei dem der Ex-Profi-Boxer als Experte eingeladen war. „Wie ganz viele andere war ich totaler Axel-Schulz-Fan“, sagt Ertelt, der sogar ein Poster von ihm im Zimmer hängen hatte. Als er beim Durchforsten seiner Kontakte auf den Schwergewichtler stieß, war es nur logisch ihn zu fragen. „Bisher haben alle zugesagt“, freut sich der Unterensinger über den Zuspruch, den sein „Insta-Livetalk“ erfährt. „Wichtig ist mir, dass es eine coronafreie Zone ist. Ich möchte mit meinen Gästen einfach mal über was anderes reden“, betont er.

Meist mehr als 1000 Zuschauer

Mit „Mocki“ ging es so zum Beispiel über gemeinsame Erlebnisse bei Wettkämpfen, mit dem ehemaligen Footballer Patrick Esume sprach Ertelt über Rituale vor einem Auftritt und über Quality-Time mit der Familie. Axel Schulz plauderte aus dem Nähkästchen, wie das damals so war mit George Foreman, und der Buchautor und Coach Peter Hinojal, der als Wernauer quasi um die Ecke wohnt, sprach recht ausführlich über gesunde Ernährung.

Die kurzweiligen Gespräche verfolgen in der Regel mehr als 1 000 Follower. Wer eine Folge verpasst hat, kann sie einfach nachholen. „Anders als die meisten Podcasts dauert meine Sendung nicht eine ganze Stunde, sondern nur zehn Minuten“, erklärt der 42-Jährige. Fünf zusätzliche Minuten gibt es für Fragen der Fans, die im Chat vorher gestellt werden können. „Ich beantworte dabei alles zu meiner Ernährung, zum Training oder zum Zeitmanagement“, berichtet Markus Ertelt, der seine Gäste anschließend stets mit der gleichen Frage begrüßt: „Wie war dein Tag heute so?“ Die meisten plaudern einfach drauf los und geben einen Einblick in ihren Alltag. „Genauso hab‘ ich mir das vorgestellt.“

Montags-Talk mit Prominenten im Livestream

Markus Ertelt war schon in vielen Produktionen zu sehen. Unter anderem im Tatort, beim Bergdoktor, Soko 5113, Polizeiruf 110 und den Rosenheim Cops. In der Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ spielte er 73 Episoden lang den Schurken Jan Schilling. Auch in sieben Kinoproduktionen spielte der Unterensinger eine Rolle.

Gettingtough - The Race, das Ertelt mit einem Partner seit 2012 organisiert, wird verschiedentlich als härtester Hindernislauf Europas bezeichnet. Inzwischen gibt es vier Rennen dieser Art. Ertelt selbst siegte 2017 bei „World‘s Toughest Mudder“ in der Teamwertung und holte 2018 den Staffelsieg bei der „Wüsten-Challenge“.

Auf Instagram empfängt Markus Ertelt jeden Montag um 20 Uhr jeweils einen prominenten Gast aus Sport und Unterhaltung. Schauspieler Kai Schumann war zuletzt dabei, am 8. März ist es Handballer Michael „Mimi“ Kraus, am 15. März Schauspieler Patrick Dollmann und am 22. gibt sich Schauspielerin Olivia Marei die Ehre. sl

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