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Ein Schreiner aus Köngen auf hoher See

Fernsehen Die Sendung „Verrückt nach Meer“ in der ARD ist ein Quotenbringer. Seit Daniel Klein dort zu sehen ist, gilt das besonders für Köngen. Von Sylvia Gierlichs

Daniel Klein mit zwei seiner „Mit-Praktikanten“ und der Filmcrew.Foto: pr
Daniel Klein mit zwei seiner „Mit-Praktikanten“ und der Filmcrew.Foto: pr

Seit Februar schalten etliche Köngener den Fernseher ein. Sehen wollen sie die ARD-Dokuserie „Verrückt nach Meer“ im Nachmittagsprogramm. Der Grund für den Köngener Hype heißt Daniel Klein. Der sympathische junge Mann ist nämlich einer der „Hauptdarsteller“ der Serie.

Im August wurde er darauf aufmerksam, dass die Produktionsfirma „Bewegte Zeiten“ noch Praktikanten sucht - im Hotelbereich, in der Küche und in der Schreinerei. Über das Praktikantenstadium ist Daniel Klein bereits hinaus, er bewarb sich aber trotzdem und wurde ausgewählt. „Dann wurde es stressig, denn ich musste eine Woche in Rostock ein Training absolvieren, das mich befähigte, an Bord eines Schiffes zu arbeiten“, erzählt er. Ende Oktober stand der Flug nach Südafrika an, wo Daniel Klein an Bord ging.

Eigentlich ist der junge Mann gar kein Weltenbummler. „Andere machen nach der Schule ,Work and Travel‘ oder ein ,Gap Year‘. Ich habe eine Ausbildung gemacht und gleich darauf die Meisterschule besucht. Deswegen fand ich, dass mir so ein bisschen Auslandserfahrung guttut“, sagt er und lacht fröhlich.

Die MS Albatros ist eines der kleineren Kreuzfahrtschiffe. Trotzdem dauerte es ungefähr eine Woche, bis sich der junge Mann die Wege unter Deck eingeprägt hatte. Denn anders als bei den Passagieren fehlten Wegweiser. „Man musste auch seine fünf Sinne beieinanderhaben, wenn man an Deck etwas zu reparieren hatte, denn ein Werkzeug vergessen zu haben, bedeutete mitunter, einen ziemlich weiten Weg zur Schreinerei zurückrennen zu müssen“, sagt Daniel. Bis zu 15 Kilometer am Tag legte er manchmal an einem Arbeitstag zurück.

„Mein Chef Carlos kam aus Guatemala. Er war ursprünglich Maschinenbediener und wechselte auf das Kreuzfahrtschiff, weil es dort mehr Geld zu verdienen gibt“, erzählt Daniel, der fachlich natürlich mehr zu bieten hatte als Carlos. Doch auch Daniel lernte. Denn Improvisation ist alles. „Einmal erhielten wir den Auftrag, die Figuren für einen Tischkicker zu erneuern. Neues Material dafür gab es eigentlich nicht. Also verwendeten wir ein ausgedientes Kunststoffbrett aus der Küche“, erzählt der Köngener. Zu tun gab es immer etwas. Der Kapitän erhielt einen Briefkasten, und für den Küchenchef fertigte der Schreiner einen Stampfer aus Metall, mit dem er Reis in einer Form festdrücken konnte. „Carlos hatte es drauf, aus einfachen Materialien etwas zu zaubern, das die Passagiere zufriedenstellt“, sagt Daniel.

Und Carlos wusste offenbar genau, wie er sein Personal am effizientesten einsetzt. Immer, wenn es etwas in den Kabinen der überwiegend deutschen Passagiere zu reparieren gab, schickte er Daniel, schon allein wegen der Verständigung.

Was wäre aber eine Kreuzfahrt ohne Landgänge? „Wir Praktikanten durften an jedem Hafen an Land gehen“, sagt Daniel. Ein deutscher Auswanderer nahm ihn beispielsweise in Südafrika mit auf eine Safari. „Das war toll. Obwohl ich nicht alle Exemplare der Big Five zu sehen bekam. Elefanten, Giraffen und Zebras aber schon“, berichtet der Köngener. Am meisten beeindruckt hat ihn jedoch Madagaskar. Dort liehen er und seine Mit-Praktikanten sich Motorroller und erkundeten die Antsiranana auf eigene Faust.

Zwei Monate an Bord des Schiffes, das war für Daniel Klein eine lange Zeit. Eine Zeit, in der er viel zu sehen bekam und ganz neue Erfahrungen machte. Doch er vermisste es, einen guten Freund oder seine Freundin dabeizuhaben, um die ganzen Eindrücke teilen zu können.

Gewöhnungsbedürftig war es für Daniel Klein, gefilmt zu werden. „Das Schwierigste war, nicht in die Kamera zu schauen, während man die Fragen der Filmcrew beantwortete. Das war tabu, und wenn man es dennoch machte, musste die Aufnahme wiederholt werden“, erzählt er, wie die Dreharbeiten abliefen.

Spannend wurde es dann noch einmal am Ende der Reise, denn nur mit Glück und einem guten Verhältnis zum Staff Captain gelang es Daniel, rechtzeitig zum Geburtstag seiner Freundin zu Hause zu sein. Dort hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass der sympathische Köngener ein Fernsehstar geworden ist. „Ich werde oft angesprochen“, sagt er und lacht dieses herzliche Lachen. Für die Serie ist er damit ein wahrer Sympathieträger.

Info: Zu sehen sind die Folgen in der ARD-Mediathek.

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