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Ein Stück Gastlichkeit kehrt zurück

Wirtschaft Ab morgen dürfen Restaurants und Kneipen wieder Gäste bedienen. Trotz Auflagen und einer schwierigen Personalsituation sind die Wirte vorsichtig optimistisch. Von Thomas Zapp

Vor dem Waldhorn bereiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alles für den Start am Freitag vor.Foto: Markus Brändli
Vor dem Waldhorn bereiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alles für den Start am Freitag vor.Foto: Markus Brändli

Der große Jubelschrei ist unter den Gastronomen in Kirchheim und Umgebung noch nicht zu hören. Auch wenn die Nachricht des Gesundheitsamts gestern Nachmittag lautete, dass die Inzidenz mindestens fünf Werktage stabil unter dem Wert von 100 geblieben ist. Die offizielle Feststellung der Kreisbehörde ist die Voraussetzung dafür, dass am morgigen Freitag auch Gaststätten und Kneipen unter bestimmten Vorschriften wieder öffnen dürfen (siehe Kasten).

„Alle sind motiviert“, sagt Robert Ruthenberg, Inhaber des Res- taurants „Holz und Feuer“ im Kirchheimer Stadthotel Waldhorn, das morgen um 12 Uhr wieder für Gäste öffnet. Während der Schließung wurden der Saal umgebaut und eine Terrasse angelegt, die bald Premiere feiern soll. Wegen des eingeschränkten Betriebs bis 21 Uhr bietet er bis zum ersten Juni nur Holzofenpizza, Salate und Kuchen an. Aber die gesamte Mannschaft ist am Start, wobei jeder nur eine halbe Schicht macht. „Damit wir alle wieder reinkommen“, sagt er. Das Personalproblem nach mehr als sechs Monaten Pause ist groß. „Wir haben viele Leute verloren, weil sie die Branche gewechselt haben“, sagt er.

Auf der Suche nach einem Koch ist auch der Weilheimer Gastronom Jesse Burgmann vom „Burgmann‘s“. „Das Thema Fachkräfte wird uns Gastronomen noch um die Ohren fliegen, wenn alles wieder richtig losgeht“, glaubt der gebürtige Ostwestfale. Momentan heiße es, gut zu improvisieren, sagt er. Das bedeutet, anfangs lieber weniger einzukaufen. „Mehr kaufen geht immer“, sagt er. Lebensmittel wegzuwerfen, tue ihm mehr weh, als noch mal nachzukaufen. Er will erst am Dienstag, 1. Juni, öffnen, dann auch nur nachmittags bis 21 Uhr. „Den Mittagstisch lasse ich vorerst to go.“ Ansonsten gebe es eine Light-Variante der Karte. Schließlich würden drei Tage über der Inzidenz reichen, damit die Restaurants wieder schließen müssten. Ansonsten gilt für ihn als Absicherung für die Lebensmittel der Dreiklang „vakumieren, blanchieren, einfrieren“.

„Wir sind aber guter Dinge“, betont Jesse Bruckmann für einen Westfalen fast schon euphorisch. Er setzt darauf, dass sich die Besucher in Weilheim nicht von den Test-Vorschriften abschrecken lassen, sondern ein bisschen planen: morgens testen, mittags zum Friseur, danach ins Restaurant. Für die Registrierung bietet er zwar die Luca-App an. Aber Zettel sind weiterhin möglich, auch wenn das Landratsamt die digitale Erfassung empfiehlt.

Zu den Restaurants, die bereits morgen aufmachen, gehören in Kirchheim unter anderem das „Zum Fass“ und das Burger-Restaurant „Archies“ in Holzmaden. Das Kirchheimer „3K-Burger&More“ öffnet zwar erst am Freitag, 4. Juni, dafür aber schon um sechs Uhr morgens. „Los geht es um 5 Uhr mit einer Stadtführung mit Andreas Kenner“, sagt Inhaber Michael Holz. Treffpunkt ist um 5 Uhr an der Bastion. Wer nach sportlichen 1000 Jahren in 60 Minuten hungrig ist, kann sich im „3K“ ein Frühstück munden lassen. Für die Planung ist aber eine Anmeldung notwendig unter info@3k-Kirchheim.de.

Bei Weitem noch keine Euphorie, aber vorsichtiger Optimismus ist unter den befragten Gastronomen festzustellen. Auch Solidarität unter den Mitbewerbern ist zu spüren, man sitzt ja irgendwie im selben Boot. So hat Robert Ruthenberg sogar einen Tipp, wie Wirte eine Folge der Corona-Maßnahmen zu ihrem Vorteil nutzen können: „In der Corona-Krise wurde die Mehrwertsteuer für Lebensmittel auf sieben Prozent gesenkt. Das können sie bei einem Cappuccino, der zu 70 Prozent aus Milch besteht, problemlos anwenden“, sagt er.

Diese Regeln gelten ab dem morgigen Freitag

Die Gastronomie darf wieder öffnen, dabei gilt: Für Außen- und Innengastronomie haben die Wirte ein Zeitfenster zwischen 6 und 21 Uhr, wobei das nicht „letzte Runde“ bedeutet, sondern der letzte Gast gegangen sein muss. Im Innenbereich ist ein Gast auf 2,5 Quadratmeter Gastraum erlaubt. Sowohl innen als auch außen müssen die Tische 1,50 Meter auseinander stehen.

An Grundschulen wird im Präsenzbetrieb ohne Abstand unterrichtet, in Klasser anderen Schularten findet Präsenzunterricht im Wechselmodell statt.

Kulturveranstaltungen sind im Freien mit bis zu 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zulässig. Ebenso dürfen Galerien, Gedenkstätten und Museen wieder öffnen. Die maximale Personenzahl sowie Test-, Impf- oder Genesenen-Nachweise sind auch hier notwendig. Auch gilt die Pflicht zur Kontaktübermittlung.

Hotels und andere Beherbergungsbetriebe, Ferienwohnungen und Campingplätze dürfen öffnen.

Die Sperrstunde für die Zeit zwischen 22 bis 5 Uhr wird aufgehoben.

Weiterhin müssen Kunden, beispielsweise in der Gastronomie, generell eines der „drei G“ nachweisen können: Getestet, Geimpft oder Genesen. Die Maskenpflicht gilt weiter, ebenso die Pflicht zur Datenübermittlung, sei es per App (Luca o. ä.) beim Einchecken oder mit Zetteln. Es gilt nach wie vor die Einhaltung der Abstandsregeln.

Treffen sind im öffentlichen oder privaten Raum mit fünf Personen aus zwei Haushalten möglich. Kinder bis einschließlich 13 Jahre, sowie geimpfte oder genesene Personen werden nicht mitgezählt.

Im Einzelhandel erlaubt der Stufenplan eine Erweiterung des bisherigen „Click and Meet“: Statt einem Kunden pro 40 Quadratmeter können jetzt zwei getestete, geimpfte oder genesene Kunden sogar ganz ohne vorherige Terminbuchung zugelassen werden.

Informationen für den Landkreis Esslingen sind auf der Kreis-Homepage www.landkreis-esslingen.de zu finden. Hinweise zur Öffnungsstrategie gibt es auch auf www.baden-wuerttemberg.de unter „Aktuelle Informationen zum Corona-Virus“. tb

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