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Ein zweites Ruhrgebiet?

Zum Artikel „IHK spricht sich für Hungerberg aus“ vom 31. März

Dass sich die IHK für das Gewerbegebiet am Hungerberg einsetzt, überrascht nicht. Dass sie aber Parallelen zwischen der hoch entwickelten Industrie von heute und der wenig flexiblen Kohle- und Stahlindustrie des Ruhrgebiets sieht, ist geradezu befremdlich. Unsere Unternehmen befinden sich schon lange in einem permanenten Innovations- und Transformationsprozess. Aus eigener beruflicher Erfahrung weiß ich, dass der Erfolg hierbei nicht von neuen Gewerbegebieten abhängt. Die wesentliche Voraussetzung ist, dass das Management rechtzeitig die sich abzeichnenden Entwicklungen erkennt und mit Weitblick die richtigen Entscheidungen trifft. Der von der IHK als Zukunftstechnologie zitierte Brennstoffzellenantrieb ist in diesem Zusammenhang ein vielsagendes Beispiel. Für den Pkw-Bereich ist diese Antriebsform laut Fachleuten und Autoproduzenten zu teuer und somit uninteressant. Selbst für Lkws sehen Experten Probleme bezüglich der Wirtschaftlichkeit. Insofern besteht also das Risiko, dass die mit Brennstoffzellentechnik befassten Firmen am Hungerberg die Produktion nach einer gewissen Zeit gegebenenfalls wieder einstellen müssen. In der Folge wären auch die Zulieferbetriebe mit allen daran hängenden Arbeitsplätzen betroffen. Die Gefahr eines zweiten „Ruhrgebietes“ droht also eher dann, wenn auf das falsche Pferd gesetzt wird, und nicht, wenn der Hungerberg in seiner heutigen Form für die Landwirtschaft und für die Natur erhalten bleibt.

Joachim Gübele, Kirchheim

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