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Eine ganze Stadt schweigt

Kirchheim im Corona-Modus, oder: Eine ganze Stadt schweigt. Was mich mehr als betroffen macht. Es kann und darf nicht sein, dass Corona alles dominiert und deshalb alles andere vergessen wird und eine ganze Stadt am 8. Mai 2020 schweigt. Wo blieb das Erinnern und Gedenken an das Kriegsende vor 75 Jahren von Stadtverwaltung, Gemeinderat und der örtlichen Presse?

Was mich mehr als nachdenklich macht und mit großer Sorge erfüllt: Es ist die Geschichtsvergessenheit: 1985 Erinnern! - 2020 Schweigen? Pfarrer Berg, der damalige Stadtpfarrer, hat am 29. April 1945 (am ersten Sonntag nach der amerikanischen Besetzung) und 40 Jahre danach, am 8. Mai 1985, (vierzigster Jahrestag des Kriegsendes) jeweils eine aufrüttelnde Predigt gehalten. 75 Jahre nach Kriegsende wäre die Erinnerung in Kirchheim unter Teck am 8. Mai 2020 auch und wieder notwendig gewesen. Doch unsere Stadt schweigt! Ich erwarte deshalb von Verwaltung und Gemeinderat am kommenden Mittwoch, 20. Mai 2020, in der ersten Sitzung des Gemeinderates in der Stadthalle eine Erklärung und ein würdiges Gedenken - als erinnernde Mahnung und als gesellschaftliche Verpflichtung. Dabei sollte unbedingt auf das „Mahnmal für die zivilen Opfer des Nationalsozialismus“ auf dem Alten Friedhof - für uns alle ein sichtbares Zeichen - verwiesen werden. Trotz Corona darf die Stadt - dürfen wir alle - nicht schweigen!

Willi Kamphausen, Kirchheim

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