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Eine Reise durch die Rockgeschichte

Konzert „Poems On The Rocks“ begeistern das Bastionspublikum gleich an zwei Abenden. Mit sensiblen Über­setzungen transportieren sie die Inhalte von Songs aus mehr als 50 Jahren Rock-Historie. Von Günter Kahlert

„Poems On The Rocks“ in der Bastion. Die zwei Frontmänner an den Mikrofonen, Schauspieler Jo Jung (links) und Sänger Jörg Kraus,
„Poems On The Rocks“ in der Bastion. Die zwei Frontmänner an den Mikrofonen, Schauspieler Jo Jung (links) und Sänger Jörg Kraus, sind ein perfektes Gespann.Foto: Günter Kahlert

Im Ohr hat die Songs fast jeder und jede. Aber was steckt textlich dahinter, da wird es meist schon schwieriger. Englische Texte sind nicht jedermanns Sache und ganz ehrlich: Sie sind für viele auch zunächst nicht wichtig. „Poems On The Rocks“ geben da Hilfestellung. Knackige Rockhits und englische Balladen, deren Texte ins Deutsche übersetzt werden. Natürlich keine x-beliebigen. „Wir suchen Songs, die eine große Poesie in sich tragen und im besten Fall bei den Zuhörern auch mal einen Aha-Effekt auslösen“, nennt Jo Jung die Kriterien für die Auswahl, die immer im Team getroffen wird. Der Schauspieler und SWR-Sprecher ist der Teil der Band, der die gesprochenen Texte auf die Bühne bringt. Wobei gesprochen die Sache nicht wirklich trifft. Er verkörpert die Inhalte, ist mal leise und einfühlsam und dann wieder laut und wütend. „Natürlich kann man oft keine Eins-zu-eins-Übersetzung machen“, meint er, „da muss man sensibel daran arbeiten, damit die Poesie auch im Deutschen rüberkommt.“

Das Ganze ist eingebettet in die Musik der außergewöhnlichen Band. Sänger Jörg Kraus ist an sich eine echte Rockröhre und beherrscht dennoch die gesanglichen Facetten zwischen Robert Plant von Led Zeppelin, Eric Burdon, Peter Gabriel oder Sting. Im Rücken die vier exzellenten Musiker: Gitarrist Christoph Berner, Edgar Müller an den Keyboards, Basser Andy Kemmer und der Ötlinger Helmut Kipp am Schlagzeug. Eine großartige Kombination, die musikalisch den Charakter und Sound der einzelnen Songs auf den Punkt bringt.

Da gibt es textlich durchaus Überraschungen, welchen Tiefgang manche so leichtfüßig daherkommende Songs haben. Beispiel: „The Way It Is“ von Bruce Hornsby. Hat man im Ohr, aber dass es dabei um Rassendiskriminierung geht, eher nicht. Und so geht es mit vielen Liedern weiter. „Shout“ von „Tears for Fears“, als Aufforderung an frustrierte Jugendliche, auf die Straße zu gehen, oder „Beds Are Burning“ von Midnight Oil als Song, der jetzt perfekt zum Klimaproblem passt. Natürlich sind es nicht nur sozial­kritische oder politische Texte, es gibt auch sehr persönliche Themen in den Liedern. „In The Air Tonight“ von Phil Collins dreht sich um Eifersucht, „Sledgehammer“ von Peter Gabriel um Begehren und Sex, wenn auch in Metaphern ausgedrückt.

Manche Texte erschließen sich allerdings auch in der Übersetzung nicht wirklich. „The Wind Cries Mary“ von Jimi Hendrix aus dem Jahr 1967 ist so ein Fall. „Das ist Dadaismus“, erklärt Jo Jung und Helmut Kipp ergänzt: „Das war damals der Zeitgeist, da gibt es viele solcher eher psychedelischen Texte.“ Auch der Led-Zeppelin-Titel „Kashmir“ gehört in diese Kategorie. „Das ist ein Märchen, in dem sich jemand wegträumt“, ordnet Jo Jung die Nummer ein. In welchem Zustand Sänger Robert Plant den Text geschrieben hat, lässt sich nur vermuten.

Es ist keineswegs einfach, die deutschen Texte in die Songs zu integrieren, während die Band weiterspielt. Dazu braucht es viel Sprachgefühl und die richtige Sprachrhythmik - das nennt man im Englischen „timing“. Jo Jung beherrscht das perfekt, er ist genauso Profi wie seine Musiker. „Das ist ein Großteil der Gruppenarbeit“, erklärt Keyboarder Edgar Müller, „da kommt es auf jede Silbe an, die Jo in dem Arrangement unterbringen muss.“

Auf jeden Fall sind es zwei perfekte Auftritte in der jeweils bes­tens gefüllten Bastion. Und mit einem Vorurteil, das die Musiker von „Poems On The Rocks“ manchmal ein bisschen ärgert, kann man aufräumen. Es ist keine Kopie von „Pop und Poesie“ des SWR. „Unser Projekt gibt es seit 2003, der SWR fing erst 2009 damit an“, erzählt Jo Jung. Dann wäre das auch geklärt.

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