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Eine schwere Entscheidung

Kommunalpolitik Am 5. Dezember ist in Neidlingen Bürgermeisterwahl. Der Amts­inhaber Klaus Däschler tritt bei der Wahl nicht wieder an. Von Peter Dietrich

Klaus Däschler mit dem Modell des Seniorenwohnheims.Foto: Peter Dietrich
Klaus Däschler mit dem Modell des Seniorenwohnheims.Foto: Peter Dietrich

Am 1. Dezember 2013 wurde Klaus Däschler zum Bürgermeister von Neidlingen gewählt, seine achtjährige Amtszeit endet am 22. Februar 2022. Soll er bei der Wahl am 5. Dezember 2021 nochmals antreten? „Diese Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen“, sagte Klaus Däschler im Gemeinderat. Bis zum Schluss habe er das Für und Wider abgewogen und dann die sehr persönliche Entscheidung getroffen: „Ich werde mich am 5. Dezember nicht mehr zur Wahl stellen.“

Gespür für Menschen

Er übe sein Amt als Bürgermeister gern aus, betonte Däschler, und er versuche, jedem gerecht zu werden. „Aber ich kann im 60. Lebensjahr nicht sicher sein, über einen Zeitraum von weiteren acht Jahren das Amt so auszufüllen, wie Sie es von mir erwarten können.“

Klaus Däschler war 2013 als Nicht-Verwaltungsfachmann angetreten, brachte aber über zehn Jahre Erfahrung als Neidlinger Gemeinderat mit. Beruflich war er zuvor fast 35 Jahre lang bei der damaligen Polizeidirektion Esslingen tätig, davon mehr als 20 Jahre beim Dezernat für Tötungsdelikte. Ab 2009 arbeitete er bei der Zentralen Stelle zur Aufklärung natio­nalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg. „Vom Nazijäger zum Bürgermeister“ titelte der Teckbote im August 2014 aus Anlass einer Fernsehdokumentation über die Ludwigsburger Zentrale Stelle.

Auffallend war Däschlers Gespür für Menschen und deren Aufrichtigkeit. „Ich kann es nicht leiden, wenn man mich anlügt, und ich merke es auch.“ Er war stets um Bürgernähe bemüht, mit ihm konnte man reden. Um seine Wiederwahl hätte Klaus Däschler sich wohl keine großen Sorgen machen müssen. Um bei eiligen Anliegen keine Zeit zu verlieren, führte er manche Beschlüsse im Umlaufverfahren per E-Mail herbei. So kam es wiederholt zu Eilentscheidungen der Gemeinderäte. Finanziell steht die Gemeinde Neidlingen gut da, verfügt über Rücklagen von rund zehn Millionen Euro.

Es gelang Däschler, eine Hausarztpraxis als Zweigstelle einzurichten, kurz danach bekam Neidlingen die erste digitale Rezeptsammelstelle im Land. Letztlich stellte sich heraus, dass die Versorgung durch die Weilheimer Praxen ausreicht, und die Sammelstelle wird vermutlich 2022 dem „elektronischen Rezept“ weichen. Aber beides hat über Jahre die ärztliche Versorgung der Bürger verbessert.

Wie sein Vorgänger Rolf Kammerlander, gegen den Klaus Däschler sich 2013 zur Wahl gestellt hatte, schöpfte Klaus Däschler aktiv Fördermittel aus. Statt für auffällige Großprojekte war die Gemeindeverwaltung teils im Untergrund tätig, etwa bei der Sanierung des Kanalnetzes. Mit der gemeinsamen Schuppenanlage mit 19 Schuppenfächern ging ein langjähriger Wunsch landwirtschaftlich tätiger Neidlinger in Erfüllung.

Das „Betreute Wohnen“ in der Ortsmitte mit 13 Wohneinheiten wird Klaus Däschler nun nicht mehr als Bürgermeister einweihen. Aber er hat das Projekt gestartet und vorangebracht. Die Bürgermeisterstelle wird am 24. September einmalig im Staatsanzeiger ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist läuft bis 10. November, 18 Uhr. Eine öffentliche Bewerbervorstellung ist für Freitag, 26. November, geplant. Die Wahl findet am 5. Dezember statt.

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