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Eine silberne Krone für die Schäferstochter

Auszeichnung Alina Kerner ist die neue Lammkönigin: Die 19-jährige Owenerin setzt sich nun für zwei Jahre als Botschafterin für die jungen Schafe ein. Von Sabrina Kreuzer

Wo einst Ritter und Hofdamen lebten, wurde gestern bei strahlendem Sonnenschein eine Königin gekrönt: Die siebte Württemberger Lammkönigin Alina Kerner trat ihr Amt auf der Burg Hohenneuffen an.

Bereits vor 14 Jahren wurde die erste Lammkönigin gekürt, seitdem wird der Wettbewerb alle zwei Jahre wiederholt. Als Botschafterinnen setzen sich die „Hoheiten“ für die Baden-Württembergische Lammfleischerzeugergemeinschaft und die Schäferei ein .

„Es ist der ideale Ort, um eine royale Karriere zu begründen“, sagte CDU-Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, als sie die Krönung übernahm. „Hier auf dem Hohenneuffen haben wir ganz Württemberg zu Füßen.“ Es sei zum einen der Zeugenberg der Staufergeschichte und zum anderen repräsentiere die schwäbische Alb die Geschichte der Schafhaltung.

Vor allem die Wanderschäferei spielt im Ländle eine große Rolle: Im Jahr 1786 wurden spanische und französische Merinoschafböcke auf einem langen Marsch nach Münsingen gebracht, um die heimische Population zu verbessern. Aus ihnen ging schließlich auch das Wüttemberger Schaf hevor. Früher spilete die Wolle eine größere Rolle, heute steht die Fleischerzeugung im Vordergrund.

„Die Schafhaltung trägt zur Biodiversität bei“, so der Vorsitzende des Landesschafzuchtverbandes, Alfons Gimber. „Keine Tierart kann mehr Pollen und Samen transportieren als Schafe.“ Im Fell setzen sich diese fest und können von den Tieren kilometerweit mitgetragen werden. „Leider gibt es immer weniger Schafhaltung“, sagt Gimber. Das resultiere unter anderem darin, dass der Beruf des Schäfers in Baden-Württemberg kein Ausbildungsberuf mehr ist.

Alina Kerner bringt alle Voraussetzungen für eine perfekte Lammkönigin mit. Diese sollte aus einer Familie stammen, in der Schafe gehalten werden, oder selbst ausgebildete Schäferin sein und Grundkenntnisse über die Schafhaltung in Baden-Württemberg haben.

Schon von Kindesbeinen an lernte die amtierende Lammkönigin den täglichen Ablauf rund um die Schafhaltung im Schäfereibetrieb ihrer Mutter bestens kennen. Sie sagt: „Die meiste Zeit meines Lebens habe ich mit den Schafen und Hunden in der Wanderschäferei meiner Mutter verbracht.“

Ihre Mutter, Annerose Kerner, hat die Wanderschäferei von ihrem Vater Otto Kerner übernommen. Sie besitzt 300 Mutterschafe und pflegt 85 Hektar Landschafts- und Naturschutzfläche. Momentan steht ihre Herde am Fuße des Hohenneuffen.

Von klein auf gelernt

Dass Alina Kerner mit Schafen umgehen kann, merkt man, als ihr ein kleines Lamm in den Arm gedrückt wird. Schreit dieses vorher noch nach der Mutter und zappelt wild umher, beruhigt es sich sofort als die Lammkönigin es festhält. Nur ab und an ist noch ein Klagelaut von dem kleinen Tier zu hören. Doch nicht nur der Umgang mit Schafen ist wichtig. In den kommenden zwei Jahren steht Alina Kerner als Botschafterin im Mittelpunkt der Öffentlichkeitsarbeit rund um das Württemberger Lamm. Sie soll dem Verbraucher die Tradition, Kultur und Regionalität der Schafbetriebe näher bringen. Dazu wird sie bei Veranstaltungen wie Hoffesten oder der internationalen Grünen Woche in Berlin auftreten.

„Ohne meine Mutter hätte ich das alles nicht kennengelernt und würde heute nicht hier stehen“, sagt die 19-jährige Amtsinhaberin. „Ich hoffe, ich kann dazu beitragen, dass sich die Situation der Schäfer verbessert.“

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